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Gedenkbuch

Oliven, Julius Jakob

Julius Oliven wurde am 20. Dezember 1874 als Sohn von Markus und Lina Oliven, geborene Oppenheimer, in Frankfurt am Main geboren. Er hatte vier Geschwister: Betty (geboren 1876), Leopold (geboren 1879), Paul (1883-1912) und Alma (1885-1943). In seiner Geburtsstadt erlangte er seine Hochschulreife und absolvierte danach eine Lehre bei der Firma „Alex Trier, Exportbetrieb Frankfurt“.
Julius Oliven heiratete Else Leibholz. Sie war am 8. Dezember 1879 in Alt-Carwen im Regierungsbezirk Köslin zur Welt gekommen. Aus ihrer Ehe gingen die Kinder Edith (geboren 1909), Gerda (Tedda) ( geboren 1919), Helga ( geboren 1923) und Heinz Herbert ( geboren 1911) hervor. Edith wurde in Kiel geboren, die anderen drei in Plauen. 

Die Familie Oliven zog Mitte der 1920er-Jahre nach Dortmund, wo Julius Oliven schon seit 1915 als Geschäftsführer für die „Gebr. Kaufmann AG“ arbeitete. Am 24. Dezember 1937 zog das Ehepaar Oliven nach Düsseldorf. Julius Oliven arbeitete zeitweilig als Wirtschaftsberater für das Düsseldorfer „Modehaus Steinberg“ in der Königsallee 46. 

In Düsseldorf wohnte er mit seiner Familie bis zum 17. Februar 1940 in der Schillerstraße 25. In der Pogromnacht 1938 wurde ihre Wohnung überfallen, und Teile der Einrichtung wurden zerstört oder beschädigt. Die Wohnung musste danach aufgelöst werden, und Julius Oliven zog mit seiner Frau in ein Zimmer in das „Judenhaus“ Geibelstraße 39.

Ein Brief, den er am 28. Dezember 1940 an ihre nach England ausgewanderte Tochter Gerda (Tedda) schrieb, wurde von der Gestapo abgefangen und ist erhalten geblieben: „Meine geliebte Tedda! Ein schöneres Geschenk, mein geliebtes Kind, hättest Du uns nicht machen können, als Deinen Brief, der hier am ersten Feiertag eintraf, und uns durch Mutter Änne übermittelt wurde. Ich war kaum im Stande Dein Schreiben zu öffnen, so erregt war ich, noch schlimmer erging es Mutti. Als wir Deine Handschrift sahen, da fiel es uns wie Schuppen von den Augen, wir wussten Du warst gesund, und das war für uns die Hauptsache. Nachdem sich unsere Erregung gelegt hatte, haben wir Deine Zeilen mehrere Male durchgelesen, es war kein Traum, wir hatten nach 9 langen Monaten, in welchen wir uns vor Sorge verzehrt hatten, wieder einen von Dir geschriebenen Brief. […] Es geht uns G.s.D. den Umständen angemessen gut, wir sind gesund und haben uns in unserem Zimmerchen ganz behaglich eingerichtet. Wenn uns auch die seelischen Aufregungen nicht erspart geblieben sind, so haben wir all dieses gut überstanden. Nur eine Sorge bedrückt uns, nämlich Euer aller Fernsein, und die spärlichen, teils ganz fehlenden Nachrichten. Von Heinz haben wir seit Anfang des Jahres nichts mehr gehört. Wir wissen keine Adresse und können nichts unternehmen. Ziemlich regelmässig erhalten wir von Hell Nachrichten. Einige Wochen hatten wir damals gar nichts von ihr gehört […] dann war sie plötzlich bei Trude, die sie sehr bemuttert hat. Sie hat die kleine Hell, die inzwischen 17 Jahre geworden und nach Beschreibungen der Verwandten eine grosse Dame geworden sein soll, bei den Schwägerinnen, die eine Pension haben, untergebracht. Dort hat sie ihr eigenes Zimmerchen, bekommt jeden Monat für die Mithilfe im Haushalt ein Taschengeld […] Sie schwankt noch, ob sie auf Hascharah gehen soll oder im Haushalt bleiben soll. […]  Geschäftlich habe ich immer noch etwas zu tun, ich hoffe, wenn es so bleibt, mich weiter durchkraxeln zu können, damit es zum Leben reicht. Hie und da reise ich noch mal, sonst erledige ich am Vormittag meine geschäftlichen Gänge, mache Besorgungen für Mutti, und nachmittags erledige ich meine Post. Mutti hat auch immer genug zu tun, sodass die kurzen Tage schnell herum sind. Abends ab und zu Hausbesuch, auch Sonntags und Feiertags derselbe Gang. So leben wir ruhig dahin, und ersehnen die Stunden, an welchen Briefe einlaufen, um sie bald beantworten zu können. Noch mehr warten wir aber auf den Zeitpunkt, wo wir Euch alle wiedersehen können, um Euch nicht mehr von uns fort zu lassen. Ich könnte noch Stunden lang schreiben, aber einmal muss Schluss sein, deshalb mein geliebtes Kind, bleibe gesund, Gott behüte Dich und beschütze Dich, schreibe bald und viel und sei herzinniglich gegrüsst und geküsst in Liebe, Dein Vater.

Die Gestapo verwarnte das Ehepaar Oliven wegen dieses Briefkontaktes am 27. Januar 1941 wegen „Verstoßes gegen die Verordnung über den Nachrichtenverkehr“. Julius Oliven musste bei der Auflösung der Firma „Gebr. Weinberg“ in Dortmund als „Liquidator“ tätig werden. Der Mitteilhaber Julius Weinberg war vor 1940 ausgewandert. Am 3. November 1940 leitete die Gestapo eine Untersuchung gegen Julius Oliven ein, da er beschuldigt wurde, als Rechtsberater ohne Erlaubnis tätig gewesen zu sein. Die Untersuchung wurde später nur eingestellt, weil Julius Oliven am 27. Oktober 1941 zusammen mit seiner Frau von Düsseldorf in das Ghetto von Litzmannstadt/Łódź deportiert worden war. Dort mussten sie zusammen mit weiteren 56 Deportierten im Zimmer 4 der Kollektivunterkunft Fischstraße 15 leben. Am 23. November 1941 wurde Julius Oliven zum stellvertretenden Leiter des „Düsseldorfer Kollektivs“ ernannt. Anfang Mai 1942 sollte er zusammen mit seiner Frau aus dem Ghetto von Litzmannstadt/Łódź „ausgesiedelt“ werden. Er konnte noch erreichen, dass sie beide von der Transportliste des II. Transports am 5. Mai 1942 gestrichen wurden, bevor er am 2. Mai 1942 im Ghetto von Litzmannstadt/Łódź verstarb.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf