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Gedenkbuch

Jacoby, Ella

geb. Rosenthal

Ella Jacoby kam am 23. September 1888 in Neheim als zweites Kind von Julius und Hedwig Rosenthal, geborene Oppenheimer, zur Welt. Sie hatte noch eine Schwester, Käthe Karoline, die 1887 geboren worden war. Ella heiratete am 15. Juli 1910 in Neheim Arthur Jacoby. Ihr Mann war am 27. Oktober 1874 als Sohn der Eheleute Abraham und Julie Jacoby, geborene Philipp, in Dortmund geboren worden. Ella Jacoby hatte eine kunstgewerbliche Ausbildung absolviert. Nach der Eheschließung aber übte sie nicht einen Beruf aus, sondern kümmerte sich ganz um Haushalt und Familie in Düsseldorf. Ihr Mann Arthur Jacoby arbeitete als Handelsvertreter. Die Tochter Inge wurde am 18. Juni 1911 in Düsseldorf geboren, der Sohn Klaus am 20. November 1916. Zu diesem Zeitpunkt wohnte die Familie in der Sternstraße 76. Seit 1937 wohnten sie im Haus Venloer Straße 11 a.

Nachdem sich durch die Politik der Nationalsozialisten die Ausbildungspläne ihrer beiden Kinder zerschlagen hatten, planten Inge und Klaus Jacoby die Emigration aus Deutschland. Ihr Sohn Klaus meldete sich am 30. September 1938 nach New York, USA ab. In Rotterdam bestieg er am 15. Oktober 1938 die SS Nieuwe Amsterdam. Das war das letzte Mal, dass er seine Mutter sah, die zur Verabschiedung mit nach Rotterdam gereist war. Nachdem Klaus sicher auf dem Schiff war, fuhr Ella Jacoby mit dem Zug nach Düsseldorf zurück.

In der Pogromnacht vom 9. November 1938 drangen mehrere Nazis in die Wohnung des Ehepaars Jacoby in der Venloer Straße 11 a ein und zerschlugen alle wertvollen Einrichtungsgegenstände. Die meisten Teile warfen die Schläger durch die geschlossenen Fenster nach draußen. Die Zerstörungen erlebte auch Inge Jacoby, die auf ihrem Weg nach Südafrika ihre Eltern zum Abschied einige Tage besuchte. Nachdem ihre beiden Kinder ins Ausland geflüchtet waren, mussten Ella Jacoby und ihr Mann am 2. Juni 1939 ihre Wohnung aufgeben und zwangsweise in das spätere „Judenhaus“ in der Rochusstraße 57 ziehen. Am 9. Juni 1939 berichtete sie ihrem Sohn über den neuen Alltag in der Rochusstraße: „Die Wohnung ist ziemlich weitläufig, u. da muß man noch zu viel laufen, bis man weiß, wo man alles verstaut hat. Gleich will ich zum Friseur u. heute Abend opfere ich mich für Herrn Weinberg, welcher Fußpflege erlernt u. ich heute sein Objekt sein werde.“

Auch die beiden versuchten nun eine Ausreise aus Deutschland zu organisieren. Doch es gab viele Probleme und sie hatten nur eine hohe Wartenummer für eine Einreise in die USA bekommen können. Am 9. Oktober 1939 schrieb Ella Jacoby an ihren Sohn: „Uns geht es gut, wenn auch Krieg ist, mach Dir keine Sorgen. Wir hoffen und wünschen, dass der Krieg bald beendet ist und wir Dich und Inge wiedersehen werden. Wenn erst Friede ist und die Völker sich nicht mehr gegeneinander so absperren, wird es auch für uns möglich sein, mit unseren Kindern zusammen zu leben.“

Ella Jacoby besuchte einen Schneiderkurs in Krefeld, um danach etwas Geld verdienen zu können. Am 28. Oktober 1939 schrieb sie an ihren Sohn: „Ich fahre 3mal die Woche nach Krefeld und lerne nähen und zuschneiden. Vater besorgt an den Tagen den Haushalt und macht die Einkäufe. Du würdest Dich wundern, wenn Du sähest was er noch alles lernt auf seine alten Tage. Ganz viele Geburtstagsküsse von Deiner Mama“. Ihr Mann schrieb darüber einige Monate später am 15. Januar 1940 an den Sohn Klaus: „Mutter fährt trotz der Kälte 3mal die Woche nach Krefeld. Sie soll den Kursus in drei Wochen beenden, wir haben kein Geld mehr für solche Sachen.“

Am 29. Oktober 1940 anlässlich des Geburtstags ihres Sohnes schrieb Ella Jacoby: „Mein liebes Kläuschen, fast hätte ich das wichtigste vergessen, nämlich Dir zu Deinem Geburtstag zu gratulieren. Vor 24 Jahre als Du zur Welt kamst, war ich glücklicher als heute. Vater war im Feld und bekam sogar 5 Tage Urlaub um sich seinen Sohn anzusehen. Nun sind 24 Jahre dahingegangen und unsere Kinder sind weit von uns entfernt. Mein Wunsch am heutigen Tag ist nun mein liebes Klüske, dass wir zu Deinem nächsten Geburtstag gesund zusammen diesen Tag feiern können.“

Die letzte Nachricht an ihren Sohn verfasste Ella Jacoby am 9. November 1941: „Düsseldorf, 9.11.41, Liebster Junge, wir fahren morgen nach Minsk in Russland. Sobald wir können schreiben wir Dir die neue Adresse. Du kannst hier an Familie Schlesinger schreiben u. meiner Tante Laura. Wir haben den festen Willen gesund zu bleiben um Dich und Ingemaus wieder zu sehen. Leb wohl innigste Küsse, Deine Dich liebende Mutti u. Vati.“ Am 10. November 1941 wurden Arthur und Ella Jacoby vom Güterbahnhof Düsseldorf-Derendorf in das Ghetto Minsk deportiert. Sie haben nicht überlebt.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf