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Gedenkbuch

Mendel, Max

Max Mendel wurde am 18. September 1886 in Borken geboren. Seine Eltern waren Josef und Johanna Mendel, geborene Eber. Er hatte zwei Brüder: Paul Mendel (1883-1943) und Karl Mendel (1884-1902). Außerdem hatte er noch einen Stiefbruder aus der ersten Ehe seines Vaters mit Henriette Oppenheim. Sein Stiefbruder Eduard Mendel war 1879 in Borken zur Welt gekommen.

Max Mendel absolvierte ein Jurastudium in Köln und Heidelberg. Er heiratete Martha Cohen (1885 Gelsenkirchen – 1965 Fullerton, USA). Am 2. Februar 1920 wurde in Gelsenkirchen ihr Sohn Dieter Arnold geboren.

In Düsseldorf kam am 27. Juni 1924 ihre Tochter Doris (später Dorrit) Charlotte zur Welt. Dr. jur. Max Mendel praktizierte ab Mitte der 1920er Jahre in der Schadowstraße 89/93. Das Haus war im Besitz der Stadt Düsseldorf. Er hatte eine Zulassung als Rechtsanwalt („Mendel I“) beim Landgericht Düsseldorf. Privat wohnte die Familie ab 1933 in der Faunastraße 53. Am 11. Februar 1933 feierte sein Sohn Dieter seine Barmizwa.

Max Mendel war von 1933 bis 1939 im Vorstand der jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Seine anwaltliche Tätigkeit an Gericht wurde durch die nationalsozialistischen Boykottgesetze verboten. So arbeitete Max Mendel seit Mitte des Jahres 1933 als Berater und Bevollmächtigter von jüdischen Auswanderern. Diese Arbeit übte er bis Ende 1938 gemeinsam mit dem jüdischen Anwalt Josef Neuberger aus. 

Seine Tochter Doris hatte die Volksschule an der Brehmstraße besucht. Sie bestand die Aufnahmeprüfung des Auguste-Viktoria-Lyzeums, wurde aber wegen des mangelnden „Ariernachweises“ nicht aufgenommen. Daraufhin musste sie an die private jüdische Volksschule wechseln. In einem Interview mit der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf erzählte sie, dass ihr Vater gerne und gut Klavier in seiner Freizeit spielte.

Da Dr. Max Mendel nicht mehr als Rechtsanwalt arbeiten durfte, waren 1937 die finanziellen Rücklagen nahezu aufgebraucht und die Familie war gezwungen ihr großes Haus mit 13 Zimmern zu verkaufen. Am 4. Juni 1937 zog die Familie in eine Wohnung in der Grunerstraße 22. Der Sohn Dieter Mendel emigrierte am 5. November 1937 über Rom nach Großbritannien.

In Düsseldorf blieb Doris mit ihren Eltern. Sie wurden während des Novemberpogroms in ihrer Wohnung überfallen und die Wohnungseinrichtung beschädigt. Das Esszimmer der Familie wurde zerstört, ebenso das Wohnzimmer mit den Biedermeiermöbeln, auch das Klavier wurde ein Opfer der Gewalt. Es wurde auch geplündert. Dr. Max Mendel wurde verhaftet und im Polizeigefängnis festgehalten. Vom 10. bis 15. November 1938 blieb er in Haft im Polizeipräsidium, dann wurde er “entlassen”. 

Seine Tochter konnte am 11. Februar 1939 mit einem Kindertransport nach England ausreisen. In einem Brief an die Düsseldorfer Historikerin Dr. Barbara Suchy schrieb sie am 22. April 1988 über die Trennung von ihren Eltern: „Meine schlimmste Erinnerung ist am Bahnhof, wie ich meine Eltern verlassen musste und ich die Tränen auf meinem Vaters Backe sah, weil er wusste, er würde mich nie wieder sehen. Das vergesse ich nie, und weine noch manchmal jetzt darüber, dass ich von meinem Vater nie was gehabt habe.“

Am 1. März 1939 zog das Ehepaar Mendel um in die Grunerstraße 44. Von dort zogen sie am 17. Juli 1939 in die Aderstraße 8. Am 27. September 1939 floh Max Mendel zusammen mit seiner Frau Martha schließlich nach Brüssel. Durch die Flucht wurde ihnen vom nationalsozialistischen Staat die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen. Das Ehepaar Mendel galt nun in Belgien als „staatenlos“.

Als die deutsche Wehrmacht im Frühjahr 1940 das Land besetzte, wurde Dr. Max Mendel als „feindlicher Ausländer“ verhaftet und von Belgien nach Frankreich abgeschoben. Sechs Monate musste er im Internierungslager Saint Cyprien in Südfrankreich verbringen. Die Bedingungen im Lager schadeten sehr seiner Gesundheit. Am 15. November 1940 konnte er das Lager verlassen. Mit seiner Frau lebte er dann bis August 1942 im unbesetzten Frankreich. Als die Deportationen 1942 auch dort begannen, gingen Max und Martha Mendel in den Untergrund und lebten dort unentdeckt bis zum Kriegsende in Lyon. Zu diesem Zeitpunkt war Dr. Max Mendel schon sehr krank und geschwächt. Am 13. Dezember 1945 starb er in Lyon im Alter von 59 Jahren.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf