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Gedenkbuch

Rüdenberg, Else

Else Rüdenberg wurde am 10. September 1882 in Wuppertal-Elberfeld geboren. Ihre Eltern waren Hermann und Helene Rüdenberg, geborene Farnbacher. Ihr Vater stammte aus Vlotho und ging zusammen mit seinem Bruder Ludwig Rüdenberg (1836-1905) nach Elberfeld. Else hatte noch vier Geschwister: Paul, Ernst, Adele und Antonie (genannt Toni).

Else und ihre beiden Schwestern blieben unverheiratet. In Freiburg im Breisgau besaß sie als Erbin der Firma „Gustav Rüdenberg Nachf., Bad Oeynhausen“ ein Geschäftshaus an der Ecke Schuster- und Eisenstraße 15 im Wert von 52.000 RM. Weiterhin hatte sie Konten bei der Krebs-Bank und der Städtischen Sparkasse in Freiburg. Ihre Schwester Adele führte in Freiburg das Geschäft für Damenmode. Schwester Toni war Teilhaberin des Geschäfts Gustav Rüdenberg Nachf. in Bad Oeynhausen.

Ihr Bruder Paul Rüdenberg, der mit seiner Frau Ida, geborene Heymann, in Düsseldorf-Oberkassel lebte, verstarb am 6. September 1937. Else Rüdenberg zog am 7. Oktober 1937 von Freiburg nach Düsseldorf in die Rethelstraße 11. Am 23. November 1937 zog Else Rüdenberg in die Fischerstraße 32 II. Dort lebte sie bei der Familie Sostheim zur Untermiete. 

Ende des Jahres 1937 hatte (auch) ihre Schwester Toni das Geschäft in Bad Oeynhausen „arisieren“ müssen. Sie zog am 8. Januar 1938 von Bad Oeynhausen nach Neuss, Further Straße 84, zur Familie ihrer Verwandten Helene Seckelson, geborene Rüdenberg (1875-1959). So waren wenigstens in der schweren Zeit ein Teil der Geschwister wieder enger zusammen. Am 21. August 1938 verstarb in Freiburg ihre Schwester Adele Rüdenberg im Alter von 66 Jahren. Eine Quelle bezeichnet ihren Tod als Suizid. In der C.V. Zeitung vom 1. September 1938 erschien eine Todesanzeige mit folgendem Text: „Unsere geliebte Schwester Adele Rüdenberg ist nach langem schweren Leiden von uns gegangen. In tiefer Trauer Toni Rüdenberg, Else Rüdenberg, Ernst Rüdenberg, Ida Rüdenberg, geb. Heymann, Aenne Rüdenberg, geb. Neukamp. Freiburg, den 21. August 1938. Die Einäscherung hat bereits in aller Stille stattgefunden.“ Adele Rüdenberg wurde nach Wuppertal überführt und auf dem jüdischen Friedhof Weinberg in der Nähe ihrer Eltern begraben.

Nur wenige Monate nach diesem traurigen Ereignis erging das nächste Unheil über Else Rüdenberg. Während der Pogromnacht im November 1938 wurden die gesamten Möbel der Wohnung der Familie Sostheim, und auch das Zimmer von Else Rüdenberg, vollständig durch die SA zerstört. Ernst Sostheim wurde am 10. November 1938 verhaftet. Der Rest der Familie und Else Rüdenberg blieben schockiert zurück. Auch Else Bruder Ernst Rüdenberg wurde während des Pogroms in Hannover verhaftet und ins KZ Buchenwald verschleppt.

Ob Else Rüdenberg nach diesen Ereignissen ihre Emigration betrieb ist leider nicht bekannt, doch sehr gut möglich. Ihre Schwester Toni Rüdenberg gehörte zu den wenigen Glücklichen, die kurz vor den Deportationen noch Deutschland verlassen konnten. Sie konnte am 14. Oktober 1941 nach Kuba ausreisen.

Else Rüdenberg wurde am 27. Oktober 1941 von Düsseldorf in das Ghetto von Litzmannstadt/Łódź deportiert. Laut Zeitzeugenaussagen wurden nach ihrer Deportation ihre gesamten Habseligkeiten mit Lastwagen durch die SA zur Graf-Recke-Straße abtransportiert. Möglicherweise hatte Else Rüdenberg noch ihren Bruder Ernst von der bevorstehenden Deportation berichten können. Ernst und seine Frau Aenne Rüdenberg, geborene Neukamp, sollten auch abtransportiert werden. Sie nahmen sich am 17. November 1941 das Leben.

Im Ghetto von Litzmannstadt/Łódź musste Else Rüdenberg im Zimmer 10 der Kollektivunterkunft Fischstraße 15 leben. Im Dezember 1941 unterband der deutsche Verwaltungsleiter des Ghettos Hans Biebow die Weiterleitung eines Schreibens eines Immobilienmaklers aus Freiburg im Breisgau an Else Rüdenberg. Es ging darin vermutlich um von ihr beschlagnahmtes Eigentum und Material, das im Ghetto gebraucht wurde. Am 31. Dezember 1941 erhielt sie vermutlich eine Zahlung über 19,30 Mark, von der sie zwei Drittel als Beitrag an sie Solidargemeinschaft des „Düsseldorfer Kollektivs“ abführte. Nach einer anderen Quelle wurde ihr Name aber auf dieser Liste wieder durchgestrichen. 

Else Rüdenberg wurde am 7. Mai 1942 mit dem IV. Transport aus dem Ghetto von Litzmannstadt/Łódź gebracht und am nächsten Tag im Vernichtungslager Chełmno ermordet.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf