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Gedenkbuch

Karpe, Elisabeth Charlotte (Liselotte)

geb. Mehler

Elisabeth Charlotte Mehler, die in ihrer Familie Liselotte genannt wurde, wurde am 11. Februar 1909 in Düsseldorf geboren. Ihre Eltern waren Alfred (1878 Köln – 1942 Kulmhof [Chełmno]) und Johanna Mehler, geborene Levy (1880 Lippstadt – 1942 Kulmhof [Chełmno]. Sie hatte noch eine ältere Schwester, Ruth Mehler, die am 29. Juni 1906 in Düsseldorf zur Welt gekommen war. Lieselotte Mehler wohnte zunächst bei ihren Eltern in Düsseldorf. Sie begann nach ihrer Schulausbildung an einem Lyzeum und einem Realgymnasium, das sie mit der Hochschulreife abschließen konnte, zu studieren. Ihr Studium beendete sie nach zwölf Semestern 1933 in Bonn mit ihrer kunstgeschichtlichen Dissertation über die Laurentiuskirche in Ahrweiler. Sie arbeitete danach als Lehrerin und später auch als Büroangestellte bei dem Düsseldorfer Rechtsanwalt Dr. Siegfried Orzegow . 

Von 1929 bis 1939 unterhielt sie mit dem Studienassessor Dr. Hans Schuckart, der in Aachen in der Oranienstraße 27 wohnte, Briefkontakt. Die Gestapo konstruierte daraus im März 1940 eine Anklage wegen „Rassenschande“. In der Folge wurde Liselotte Mehlers Wohnung und die ihrer Eltern in der Schumannstraße 38 durchsucht und sie selbst verhört. Sie wurde von der Gestapo verhaftet und sollte in ein „Umerziehungslager“ oder das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück eingewiesen werden. Letztlich konnte sie mit Hinweis auf ihre Auswanderungsvorbereitungen das „Jüdische Umschulungslager Landwerk Ahrensdorf“ besuchen. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann Hans Karpe kennen. 

Nach der Verurteilung des Studienassessors Dr. Hans Schuckart überlegte die Düsseldorfer Gestapo, ob auch Liselotte Mehler doch in ein Konzentrationslager eingewiesen werden könnte, verwarf aber diese Überlegungen wegen der Auswanderungspläne Mehlers. Die Auswanderung im August/September 1940 mit Ziel Palästina konnte sie jedoch nicht wahrnehmen, da zu diesem Zeitpunkt das Auswanderungsvorbereitungslager, in dem sie sich befand, unter Diphtherie-Quarantäne stand. Später war ihre Auswanderung wegen der Kriegssituation nicht mehr möglich. Daraufhin beantragte die Düsseldorfer Gestapo eine erneute Inhaftierung Liselotte Mehlers, welche jedoch aufgrund ihrer Schwangerschaft zurückgestellt wurde. Sie wohnte zu diesem Zeitpunkt bei ihren Eltern am Kaiser-Wilhelm-Ring 1 in Düsseldorf-Oberkassel. Ihr Kind wurde am 30. August 1941 in Berlin geboren. Nach der Geburt kehrte Liselotte Karpe mit dem Baby zu ihren Eltern nach Düsseldorf zurück.

Am 27. Oktober 1941 wurde sie mit ihrem Ehemann und ihrem erst sieben Wochen alten Kind Tana sowie ihren Eltern in das Ghetto von Litzmannstadt/Łódź deportiert. Dort lebte sie mit ihrem Ehemann zusammen. Dieser schaffte es, sich und seine Familie von der drohenden „Aussiedlung“ mit dem XI. Transport am 14. Mai 1942 zurückstellen zu lassen. Danach zogen die drei am 19. Mai 1942 mit zwei weiteren Personen in ein Zimmer der Wohnung 11 in der Fischstraße 12a. 

Am 28. Mai 1942 nahm Liselotte Karpe einen Kredit mit der Nr. 111 in der für sie zuständigen Verteilerstelle 15 auf. Dieser wurde am 30. August 1942 wieder gelöscht. Liselotte Karpe wurde mit ihrer ein Jahr alten Tochter im September 1942 aus dem Ghetto gebracht und im Vernichtungslager Chełmno ermordet.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf