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Gedenkbuch

Mogendorff, Julius

Julius Mogendorff kam am 30. Dezember 1883 in Vreden als Sohn des Viehhändlers Elie Mogendorff und dessen Frau Johanette (Nette) geborene Liebreich zur Welt. Er hatte drei Geschwister: Minna (1887-1952), Bernhard (1885-1959) und Hermann (1886-1967).

Julius Mogendorff absolvierte das Gymnasium in Münster und zog danach nach Köln, um dort bei Rabbiner Dr. Carlebach zu studieren. Neben dem Rabbinatsstudium studierte Julius Mogendorff Philosophie. Zu dieser Zeit wohnte er zur Untermiete bei der ebenfalls jüdischen Familie Cohen. Hier lernte er auch seine zukünftige Frau kennen. Im Jahr 1910 heiratete er Ida Weinberg aus Uedem, die mit ihren Eltern Moses und Angelika Weinberg, geborene Cohen, in Düsseldorf lebte. Ihr Vater Moses Weinberg war Inhaber des Möbelgeschäfts „Weinberg & Feierabend“ auf der Klosterstraße 105 in Düsseldorf.

Nach der Hochzeit zog Julius Mogendorff nach Düsseldorf und bezog mit seiner Frau Ida eine Wohnung in der Adersstraße 59. Einige Häuser weiter wohnten seine Schwiegereltern Moses und Angelika Weinberg, geborene Cohen. Julius Mogendorff eröffnete eine Kunstblumenbinderei. Im Handelsregistereintrag wurde vermerkt, dass seine Frau Ida Prokura hatte.

Am 3. Mai 1911 wurde sein Sohn Erich in Düsseldorf geboren. Während des Ersten Weltkrieges wurde Julius Mogendorff zum Militär eingezogen. Seine Frau Ida musste die vier Jahre zusammen mit ihrem kleinen Sohn in Düsseldorf meistern. Als ihr Julius Mogendorff von der Front eine Karte schickte und berichtete, dass er mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde, schrieb sie ihm zurück: „Ein Pfund Butter wäre mir lieber.“ Julius Mogendorff kehrte unverletzt zu Kriegsende nach Düsseldorf zurück. 1919 wurde sein zweites Kind geboren. Es erkrankte an einer Hirnhautentzündung und starb 1920. Dies war ein schwerer Schlag für Julius Mogendorff und seine Frau Ida. Ende 1921 wurde seine Frau erneut schwanger und am 25. Juni 1922 wurde ein gesunder Junge geboren. Sie nannten ihn Hans Nathan.

In den 1920er Jahre ging das Geschäft von Julius Mogendorff sehr gut. Blumen für Modezwecke waren nun weniger gefragt, dafür Blumen für Schaufenster und für den jährlichen Karneval umso mehr. Sein Sohn Hans erinnert sich daran, dass einmal eine Million Papierrosen für den Prunkwagen von „Prinz Karneval“ im Geschäft seiner Eltern bestellt wurden. 

Julius Mogendorff war neben seiner beruflichen Arbeit sehr engagiert in der orthodoxen jüdischen Gemeinde „Agudas Jisrael“. Der Betsaal der kleinen Gemeinde befand sich in dem Gebäude an der Poststraße 4. Einige Jahre war Julius Mogendorff Vorsitzender dieser Gemeinde. Er war auch Vorsitzender des „Talmud-Thora-Vereins“. Ein 1907 in Düsseldorf gegründeter Schul- und Lernverein. Der Verein traf sich regelmässig in der Städtischen Mittelschule an der Luisenstraße.

1930 zog Julius Mogendorff mit seiner Familie und den Geschäftsräumen um in die Zietenstraße 8.

Seine Schwester Minna war seit 1915 mit dem Rabbiner Louis Frank verheiratet und lebte mit ihm in Eindhoven in den Niederlanden. Julius Mogendorff fuhr oft mit seiner Frau und den Söhnen zu ihnen, wo sie die Ferien verbrachten. So kam es, dass alle ganz gut niederländisch verstanden und auch sprachen.

Julius Mogendorff war eng befreundet mit Dr. Felix Wertheimer. Ihn hatte er während seines Rabbinatsstudiums in Köln kennengelernt. Er bereitete auch Hans Mogendorff für seine Bar-Mizwa vor. Doch an dem eigentlichen Festakt konnte Dr. Wertheimer nicht mehr teilnehmen, da er verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau überführt worden war. Nach seiner Freilassung aus dem KZ wohnte er einige Monate bei ihnen, bevor er in die Niederlande emigrierte. Für Julius Mogendorff war die Verhaftung und KZ-Haft seines guten Freundes ein Schock. Sein Sohn Hans erinnert sich: „Zu Hause ging das Leben scheinbar seinen gewohnten Gang. (…) Mein Vater war stiller geworden, der „Fall“ seines Freundes Wertheimer hatte ihn verändert.“ 

1937 emigrierte sein Sohn Hans nach Holland. Dort wollte er sich auf die Emigration nach Palästina („Alija“) in einem Vorbereitungslager („Hachschara“) landwirtschaftlich schulen lassen. Julius Mogendorff und seine Frau stimmten diesen Schritt zu, da ihr Sohn die Fachschulung in Eindhoven absolvierte. Dort wohnte ja die Familie Frank.

In Düsseldorf wurde Julius Mogendorff gezwungen, seine Blumenbinderei an einen „Arier“ zu geben. Im Zuge der „Arisierung“ zog Julius Mogendorff mit seiner Frau in eine kleinere Wohnung in die Harleßstraße 5. Im Frühjahr 1938 emigrierten Julius Mogendorff und seine Frau nach Holland. Sie zogen ebenfalls nach Eindhoven. Dort eröffneten sie eine kleine Pension. Kurze Zeit später begann Julius Mogendorff als Großhändler für Parfümerieartikel zu arbeiten.

Julius Mogendorff bedrückte, dass sein älterer Sohn Erich keine Einreisegenehmigung in die Niederlande erhielt und daher in Düsseldorf bleiben musste. Dagegen zog sein jüngerer Sohn Hans wieder zu ihnen in die Wohnung in der Jan Luikenstraat 32 in Eindhoven.

Im November 1941 erhielt Julius Mogendorff die Information, dass sein Sohn Erich aus Düsseldorf in das Ghetto Minsk deportiert worden war. Das war für ihn ein schwerer Schlag. Doch es gab auch eine schöne Nachricht. Am 20. August 1942 heiratete sein Sohn Hans. Kurz darauf tauchte er mit seiner Frau Sophie (Bina) de Winter unter. Anlässlich der Hochzeitsfeier erhielten Julius Mogendorff und seine Frau die Erlaubnis zu dem Brautpaar nach Enschede zu fahren. Mittlerweile war es für die jüdische Bevölkerung in den von den Deutschen besetzten Niederlanden nicht mehr erlaubt, sich frei im Land zu bewegen. Als Julius und Ida Mogendorff wieder nach Eindhoven fuhren, war es für ihren Sohn Hans ein Abschied für immer. Er sollte der einzige Überlebende der Familie bleiben.

Kurze Zeit nach ihrer Rückkehr wurden Julius Mogendorff und seine Frau bei einer Razzia verhaftet und am 29. August 1942 in das „Judendurchgangslager Westerbork“ gebracht. Von dort wurden beide am 31. August 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort am 3. September 1942 ermordet.

Hans Mogendorff und seine Frau überlebten die Verfolgungszeit. Sie emigrierten 1947 nach Palästina. Dort änderte Hans Mogendorff seinen Namen in Nathan Mageen. Das Paar und ihre drei Kinder lebten ab 1951 in Be’er Sheva.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf