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Gedenkbuch

Philipp, Louis

Louis Philipp kam am 11. März 1891 in Wanne als Sohn von Heimann und Rosalie Philipp, geborene Leser, zur Welt. Er heiratete am 8. März 1920 in Oberhausen Erna Schartenberg. Seine Frau stammte aus Euskirchen, wo sie am 8. Dezember 1889 zur Welt gekommen war.  Am 28. Januar 1921 kam in Düsseldorf ihr Sohn Werner zur Welt. Die Familie Philipp wohnte seit dem 24. März 1921 in einer Wohnung in der zweiten Etage in der Zietenstraße 38. Am 26. Januar 1925 wurde die Tochter Hannelore in Düsseldorf geboren.

Louis Philipp arbeitete als Handelsvertreter. Ab 1930 bis zu seiner Entlassung Ende des Jahres 1938 arbeitete er für die Steingutfabrik Grünstadt H. Kalau vom Hofe. Am 27. Februar 1939 erhielt er ein abschließendes Zeugnis von seinem langjährigen Arbeitgeber. Darin hieß es: „Wir bestätigen hiermit, dass Herr LOUIS PHILIPP, DÜSSELDORF, vom 1. Januar 1930 ununterbrochen bis zum 31. Dezember 1938 für unsere Firma tätig gewesen ist. Zunächst war Herr Philipp als Vertreter in Rheinland und Westfalen beschäftigt. Im Jahren 1934 wurde er fest als Reisender angestellt, zuletzt mit Auslieferungslager in Düsseldorf. In dieser Tätigkeit hatte er ausser der Vertreterarbeit in seinem Bezirk auch die Zusammenstellung unserer Kollektionen und die Entwicklung neuer Artikel zu erledigen. Außerdem war Herr Philipp mit der Betreuung unseres Ausstellungsraumes in Leipzig während der Messe sowie mit den Verhandlungen mit der Kundschaft beauftragt. (…) Wir waren mit den Leistungen des Herrn Philipp stets sehr zufrieden. Er hat mit großem Eifer die Interessen der Firma vertreten und sich jederzeit den ihm gestellten Aufgaben gewachsen gezeigt. Wir können ihn daher bestens empfehlen und wünschen ihm für seinen ferneren Lebensweg alles Gute.“

Möglicherweise hatte Louis Philipp das Zeugnis erbeten, da er mit seiner Familie auswandern wollte. Die Familie war in der Pogromnacht 1938 in ihrer Wohnung überfallen worden. Eine Augenzeugin berichtete nach dem Krieg in einem Brief an die Stadt Düsseldorf, dass auch die Wohnung der Familie Philipp im erheblichen Maße zerstört wurde. Der Überfall verbunden mit dem Verlust des Arbeitsplatzes intensivierte die Emigrationsbemühungen sicherlich. Es gelang Louis Philipp und seiner Frau den Sohn Werner am 30. März 1939 mit auf einen sogenannten „Kindertransport“ nach Großbritannien zu geben. Scheinbar versuchten sie auch Hannelore ausreisen so zu lassen, aber es kam nicht dazu. 

Am 2. Juli 1940 musste Louis Philipp mit seiner Familie in ein sogenanntes Judenhaus ziehen. In die Wohnung im Haus Fürstenwall 198 zog am gleichen Tag auch seine Schwägerin Martha Gumpertz, geborene Schartenberg, mit ihrem Ehemann ein. Louis Philipp musste seit Juli 1940 Zwangsarbeit im Rahmen des sogenannten Jüdischen Arbeitseinsatzes leisten. Er erhielt dafür einen geringen Lohn von der Stadt Düsseldorf.

Louis Philipp wurde mit seiner Familie am 10. November 1941 in das Ghetto von Minsk deportiert. Sie haben nicht überlebt. 

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf