Gedenkbuch

Katz, Max

Max Katz kam am 24. März 1892 als sechstes Kind des Kaufmanns Baruch Bernhard Katz (1852-1929) und seiner Frau Jenni „Jettchen“ Katz (1860-1931), geborene Rosenblatt, in Guxhagen zur Welt. Er hatte mit David (geboren 1884), Bertha (1885-1941), Benjamin (1887-1942), Paula (1889-1942) und Sally (1890-1942) fünf ältere Geschwister. Auf Max folgten mit Selma (1893-1941), Willy (1895-1971), Rickchen (1896-1897), Bella (geboren 1897), Ludwig (1899-1970) und Johanna (geboren 1901) sechs jüngere Geschwister.

Max Katz wuchs in Guxhagen auf. Die jüdischen Kinder der Gemeinde besuchten in der Regel die Israelitische Volksschule, die sich im Gebäude der Synagoge befand. Hier gingen vermutlich auch Max und seine Geschwister zur Schule. Max Katz zog von Guxhagen vermutlich zunächst nach Recklinghausen, wo auch sein Bruder Willy Katz mit seiner Frau auf der Freiherr-vom-Stein-Straße 4 lebte. Anschließend zog Max nach Düsseldorf, wo er mindestens seit 1929 wohnte. Er arbeitete als Kaufmann und eröffnete 1929 ein Delikatessen und Fischgeschäft in der Mintropstraße 5.

Am 7. Juli 1929 heiratete Max Katz die 25-jährige Henny Plaut. Sein Frau Henny Plaut war am 25. Oktober 1904 als Tochter von Salomon Plaut und seiner Frau Regina Plaut, geborene Rosenthal, in Frankershausen zur Welt gekommen. Die Hochzeit wurde in ihrer Geburtsstadt geschlossen, wo ihr Vater Salomon Plaut seit 1924 gemeinsam mit Jakob Plaut Vorsteher der kleinen jüdischen Gemeinde war. Beide traten bei der Hochzeit als Zeugen auf. Nach der Hochzeit wohnten Max und Henny Katz in Düsseldorf, wo am 17. Juli 1930 ihr Sohn Rolf Bernhard geboren wurde. Mindestens seit 1934 wohnten sie in der ersten Etage auf der Gustav-Poensgen-Straße 49. Bis zum 4. Mai 1934 hatte hier auch Hennys Schwägerin Irmgard Plaut, geborene Rosenthal, gewohnt, bevor sie nach Siegen umgezogen war. Max Schwiegervater Salomon Plaut verließ Frankershausen und zog zunächst nach Düsseldorf in die Gustav-Poensgen-Straße 43, nur wenige Häuser von Max und seiner Familie entfernt.

Max Katz meldete sich am 20. Juni 1939 von Düsseldorf nach Rotterdam ab. Hier hatte bis zum 5. Dezember 1938 sein Schwager Ludwig Plaut mit seiner Frau gelebt, bevor diese über Frankreich in die USA emigrieren konnten. Auch Max Katz hoffte in den Niederlanden die Emigration in die Vereinigen Staaten vorantreiben zu können und dann seine Familie nachzuholen. Zum Zeitpunkt der Emigration in die Niederlande war Max‘ Frau Henny erst wenige Wochen mit dem zweiten Kind des Paares schwanger. Sie blieb also zunächst mit dem Sohn Rolf Bernhard in Düsseldorf zurück.

In den Niederlanden lebte Max Katz zunächst in Rotterdam. Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht am 10. Mai 1940 waren alle Ausreisebemühungen hinfällig. Max Katz saß in den Niederlanden fest und durfte seine Familie nicht zu ihm holen. 1941 zog Max Katz nach Gouda, etwa 20 km von Rotterdam entfernt, und wohnte hier in der Elizabeth-Wolffstraat 5. Er wohnte dort zur Untermiete bei der Familie von Cornelis Lok. Er erinnerte sich in den 1990er Jahren an das Geschehen während des Krieges: „Max Katz hatte eine stramme Statur und ein freundliches Gesicht mit klaren Augen. Er hatte nur einen Koffer und eine Tasche dabei“ als er bei ihnen einzog. „Seine Frau, sein Sohn und seine Tochter, die nach seiner Flucht geboren worden war, waren noch in Deutschland. Er wollte versuchen nach Amerika zu entkommen, dort nach Arbeit zu suchen und dann seine Familie rüberzuholen.“ Zu ihnen gekommen war er laut den unveröffentlichten Erinnerungen von Cornelis Lok durch die beiden deutsch-jüdischen Flüchtlinge Herta Neumeyer-Hausdorff und deren 1913 geborene Tochter Valerie Käthe Neumeyer. Die beiden Frauen hatten Max Katz auf einem Stuhl im jüdischen Altersheim sitzend vorgefunden und boten ihm an, zu ihnen in die Elizabeth-Wolffsstraat 5 zu ziehen. Lok erinnert sich weiter: „Es war riskant die jüdischen Flüchtlinge zu beherbergen, aber auch gemütlich. Max Katz spielte Schach mit Valerie Neumeyer und diese brachte es dem jungen Cornelis bei.“ Er erinnert sich auch daran, dass Max Katz oft unten bei seiner Mutter saß und sich die beiden unterhielten.

In dÜsseldorf waren nach der Ausreise von Max Katz seine Frau Henny und der Sohn Rolf Bernhard im Oktober 1939 für kurze Zeit in die Wagnerstraße 7 und anschließend in die Scheurenstraße 27 gezogen. Von hier zogen sie nach Recklinghausen, wo noch immer Max‘ Bruder Willy Katz mit seiner Frau lebte. Henny und ihr Sohn wohnten hier vermutlich in der Roonstraße 13. Am 2. März 1940 kam die Tochter Hilla in Recklinghausen zur Welt.

Ein Jahr später, am 1. Juli 1941, musste seine Frau Henny Katz mit ihren Kindern in ein sogenanntes Judenhaus auf der Kellerstraße 21 ziehen. Auch sein Bruder Willy Katz und seine Frau waren von diesem Zwangsumzug betroffen. Max Katz‘ Frau Henny, sein Sohn Rolf Bernhard und seine Tochter Hilla wurden am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen über Dortmund in das Ghetto Riga deportiert. Sie haben nicht überlebt.

In den Niederlanden endete das Beisammensein von Max Katz und Mutter und Tochter Neumeyer jäh. Herta Neumeyer war eines Tages das Eingesperrt sein leid. Sie trennte den Judenstern von ihren Kleidern und ging in ein Café. Dort wurde sie verhaftet. Am gleichen Abend wurde ihre Tochter Valerie von zwei Niederländern und einem SS-Mann in der Wohnung verhaftet und weggebracht. Beide wurden im Oktober 1942 in Auschwitz ermordet.

Max Katz blieb in Gouda wohnen. 1943 wurde die Situation für Juden immer gefährlicher. Am 9. April 1943 gab es eine große Razzia der SS und des Sicherheitsdienstes (SD) im jüdischen Altersheim in Gouda. Am 22. April 1943 erhielten dann alle noch in Gouda lebenden jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner die Aufforderung, sich im Lager Vught (KZ Herzogenbusch) einzufinden. Einige tauchten daraufhin unter, der 51-jährige Max Katz kam der Aufforderung nach. Der niederländische NSB Mann, Judenjäger und Polizeiagent Arie Oudenaarden notierte in seinem Bericht vom 23. April 1943: „Die unten aufgeführten Juden meldeten sich bei der Polizeistation in Gouda und erhielten eine Reisegenehmigung, um nach Vught zu reisen“. Unter der Meldung standen 33 Namen, darunter der von Max Katz.

Einen Monat später wurde Max Katz in das „Polizeiliche Durchgangslager“ Westerbork gebracht. Von hier wurde er in das Vernichtungslager Sobibór deportiert, wo Max Katz am 28. Mai 1943 ermordet wurde.

Autorinnen: Frederike Krenz, Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf und Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf