Cohn, Rudolf
Am 13. Oktober 1869 kam Rudolf Cohn in Posen als Sohn von Isaac und Rosalie Cohn, geborene Kottwitz, zur Welt. Er hatte noch drei Geschwister: Therese (1863-1952), Leo (1865-1935) und Samuel (1867-1919). Später zog seine Familie von Posen nach Stettin. Rudolf Cohn erhielt eine kaufmännische Ausbildung. Um die Jahrhundertwende wohnte Rudolf Cohn bereits in Köln. Im Jahr 1903 war seine dortige Adresse Engelbertstraße 88. Im Mai 1903 verlobte er sich mit Anna Eschelbacher. Sie heirateten im gleichen Jahr in Frankfurt am Main. Seine Frau stammte aus Hardheim im Neckar-Odenwald-Kreis, wo sie als Tochter von Michael und Regina Eschelbacher, geborene Spiegel, am 4. Juni 1883 zur Welt gekommen war.
Nach der Hochzeit zogen die beiden nach Limburg an der Lahn. Rudolf Cohn arbeitete als selbstständiger Vertreter von Möbelfirmen. Am 5. Juni 1906 wurde er im Handelsregister von Neuwied als Mitinhaber der Firma Jakob Levy in Neuwied eingetragen. Am 1. Oktober 1905 kam ihre Tochter Lilly in Neuwied zur Welt. Vor dem Haus Mittelstraße 43 wurde später ein „Stolperstein“ für seine Frau verlegt.
In Neuwied wohnte später auch sein Schwager Alfred Eschelbacher, der Zahnarzt geworden war. Am 2. November 1907 verstarb in Neuwied sein Schwiegervater Michael Eschelbacher Vater. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof in Niederbieber begraben.
Seit 1919 lebten Rudolf Cohn mit seiner Frau in Koblenz. Dort wohnte später auch sein Schwager Siegfried Eschelbacher. Auch seine Schwägerin Klara Eschelbacher wohnte mit ihrem Ehemann Richard Herz dort.
Im August 1923 stieg Rudolf Cohn aus der Firma Jakob Levy aus und in die Firma von Johann Kleemann mit ein. Firmensitz war Koblenz-Lützel. Seine Frau Anna erhielt eine Einzelprokura für den Betrieb. 1928 traten beide aus der Firma wieder aus. Ein Jahr später verstarb seine Schwiegermutter Regina Eschelbacher in Neuwied. Sie wurde neben ihrem Ehemann begraben.
Am 21. Mai 1930 heiratete seine Tochter Lilly in Den Haag Chaim (Hans) Holzer. Er war am 7. August 1901 in Leipzig als Sohn von Nathan und Fanny Holzer, geborene Bindefeld, zur Welt gekommen. Am 3. Mai 1931 wurde in Den Haag Annas Enkelin Ellen Ruth Holzer geboren.
Am 27. Juli 1933 zog das Ehepaar Cohn von Koblenz nach Düsseldorf. Zunächst bezogen sie eine Wohnung in der Luegallee 4. Später zogen sie in die Arnulfstraße 19. Ab dem 4. August 1936 wohnten sie in der Luegallee 66.
Seine Schwägerin Klara Herz zog mit ihrer Familie im September 1935 nach Amsterdam. Am 4. März 1939 meldete sich auch das Ehepaar Cohn von Düsseldorf nach Den Haag in die Niederlande ab. Da Juden ab Mai 1940 die Küstenorte verlassen sollten, zogen sie notgedrungen nach Gouda. Sie bezogen kurz darauf eine Wohnung in der Sophiastraat 47. Später zogen sie in die Ijssellaan 144. Dort lebten sie bis zum April 1943. Ob seine Ehefrau Anna Cohn in Gouda auch den vormaligen Düsseldorfer Felix Wertheimer traf, der wie sie 1886 in Hardheim zur Welt gekommen war, ist nicht bekannt, wäre aber durchaus möglich.
Ab der Besetzung durch die Deutsche Wehrmacht wurde auch in den Niederlanden der Alltag für jüdische Menschen kontinuierlich schwieriger und letztlich gefährlicher. Ab 1942 folgten die antijüdischen Maßnahmen in rascher Folge, wobei die sichtbarste Maßnahme am 3. Mai 1942 erfolgte: die Einführung des sogenannten Judensterns, der sichtbar auf der Kleidung angenäht werden musste.
Bei der großen SS- und Polizeirazzia am 9. April 1943 wurden fast alle jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner in Gouda zusammengetrieben. Wer versuchte sich zu verstecken, wurde durch Polizisten und niederländische „Judenjäger“ aufgespürt. Ab dem 10. April 1943 waren auch Rudolf Cohn und seine Frau im Durchgangslager Westerbork interniert. Am 20. April 1943 wurde der 73-jährige Rudolf Cohn zusammen mit seiner 59-jährigen Frau in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und nach der Ankunft dort am 23. April 1943 ermordet.
Ihre Tochter Lilly Holzer überlebte die NS-Zeit und stellte nach dem Krieg aus Brasilien einen Suchantrag, um das Schicksal ihrer Eltern zu klären. In Gouda wurde ein Stolperstein für ihn und seine Frau vor dem Haus IJssellaan 144 verlegt.