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Gedenkbuch

Vogel, Ilse

geb. Hecht

Am 21. Mai 1905 kam Ilse Hecht in Salzkotten bei Büren als Tochter von Sally und Emma Hecht, geborene Stern, zur Welt. Sie hatte noch eine ältere Schwester, Johanna (Geboren 1899). Ihr Vater Sally Hecht verstarb am 1. September 1922 in Salzkotten im Alter von 53 Jahren. Die Zeitung des Central-Vereins brachte in der Ausgabe vom 14. September 1922 eine ausführlichen Nachruf über ihren Vater, der Mitglied und 2. Vorsitzender der Ortsgruppe Geseke-Salzkotten-Büren des Central-Vereins gewesen war.

Im Israelitischen Familienblatt ließ ihre Mutter Emma Hecht am 21. Februar 1924 folgende Anzeige veröffentlichen: „Für meine 19jährige Tochter, die die höhere Töchterschule besucht hat, suche ich in besserer Familie Aufnahme als Haustochter zwecks weiterer Ausbildung in gesellschaftlicher Gewandheit und des Haushalts. Wiesbaden oder Frankfurt a. M. bevorzugt. Dieselbe ist musikalisch. Austausch nicht ausgeschlossen. Offerten mit Angabe des Pensionspreises zu richten an Frau S. Hecht, Salzkotten i. W.
Am 6. März 1924 inserierte ihre Mutter folgende Anzeige im Israelitischen Familienblatt: „Für meine Tochter suche ich in besserem Hause angenehme Stelle als Haustochter, wo sie sich im Haushalt und gesellschaftlich weiter ausbilden kann, dieselbe ist musikalisch. Mittel- oder Großstadt, besonders, wo sich ein gutes Theater am Platze befindet, bevorzugt. Pensionspreis 100 Mark. Offerten richte man an Frau S. Hecht, Salzkotten in Westf.“. Ob sie über diese Anzeige ihren späteren Mann kennenlernte, ist leider nicht bekannt. 

Ein Jahr später, am 25. Oktober 1925, heiratete Ilse Hecht den Kantor und Lehrer Leopold Vogel aus Hebel. Ihr Mann war als Sohn der Eheleute David und Sarah Vogel, geborene Höchster, am 25. November 1895 in Hebel im Kreis Homberg geboren worden. Sein Bruder Isaak Vogel lebte mit seiner Familie in Düsseldorf. Ab 1925 lebte das Ehepaar Ilse und Leopold Vogel in Düsseldorf. Ihr Mann Leopold Vogel arbeitete als Kantor der Düsseldorfer Synagogengemeinde. Am 31. Juli 1926 wurde in Düsseldorf ihre erste Tochter Inge geboren. Am 5. Januar 1930 folgte die zweite Tochter, Lore. 1930 wohnte die Familie in der Graf-Adolf-Straße 75. Dann für eine kurze Zeit lebten sie in einer Wohnung in der dritten Etage am Kavallerieplatz 72. Ab dem 28. Mai 1934 wohnten sie im Haus Rochusstraße 9. Im Juni 1937 zog ihre verwitwete Schwiegermutter Sara Vogel aus Hebel zu ihnen nach Düsseldorf. 

Nach der Pogromnacht 1938 konnte das Ehepaar Vogel seine Töchter mit Kindertransporten nach Großbritannien in Sicherheit schicken. Sie selber versuchten ebenfalls eine Emigration in die Wege zu leiten. Am 17. Februar 1941 zog auch Ilses verwitwete Mutter Emma Hecht, geborene Stern, aus Salzkotten zu ihnen nach Düsseldorf. Am 10. November 1941 wurden Ilse und Leopold Vogel mit der zweiten Massendeportation aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf in das Ghetto von Minsk deportiert. Sie haben nicht überlebt. 

Die beiden Witwen Emma Hecht und Sara Vogel mussten am 19. November 1941 in das jüdische Altersheim in der Grafenberger Allee 78 umziehen. Sara Vogel verstarb dort am 10. Mai 1942. Emma Hecht wurde am 21. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Sie wurde am 21. September 1942 in Treblinka ermordet.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf