Gedenkbuch

Lichtigfeld, Sala

geb. Weissberg

Die gelernte Schneiderin Sala (Helene) Weissberg heiratete am 6. September 1931 in Düsseldorf den Rechtsanwalt Dr. Leo Lichtigfeld. Sie stammte wie er aus Galizien – Rohatyn war ein Nachbarort von Bursztyn. Hier war Sala Helene Weissberg am 28. Dezember 1894 als Tochter von Hermann und Regina Weissberg zur Welt gekommen.

Zum Zeitpunkt der Hochzeit wohnte Sala Weissberg in Düsseldorf in der Leopoldstraße 48. 1933 zog das Ehepaar Lichtigfeld von der Königsallee 19 in eine Wohnung in der Königsallee 86, zwei Jahre später wohnten sie ihrer Schwiegermutter in der Schadowstraße 26.

Obwohl ihr Ehemann eigentlich bis zum 30. November 1938 als Rechtsanwalt beim Amts- und Landgericht Düsseldorf zugelassen war, musste er seine Kanzlei 1937 aufgeben und durfte nur noch eingeschränkt als „jüdischer Konsulent“ arbeiten.

Sala und Leo Lichtigfeld wurden am 27. Oktober 1941 von Düsseldorf in das Ghetto von Litzmannstadt/Łódź deportiert. Nach ihrer Deportation wurde ihr gesamtes Vermögen beschlagnahmt, u.a. Versicherungen bei der „Victoria Lebensversicherungs AG“.

Im Ghetto musste das Ehepaar Lichtigfeld im Zimmer 6 der Kollektivunterkunft Fischstraße 15 leben. Am 4. und 7. Dezember 1941 konnte ihr Mann zwei Postkarten aus dem Ghetto an Bekannte in Düsseldorf schicken. Darin bat er um die Nachsendung von Post und um die Überweisung von 20 RM. Beide Postkarten kamen bei ihren Adressaten an. Als Absender war auf der Postkarte „Fischstr. 15/6“ durchgestrichen und „Alexanderhofstraße 46/21“ angegeben. Auf der am 4. Dezember 1941 aus dem Ghetto geschriebenen Postkarte an Dr. Orzegow in Düsseldorf war am Rand vermerkt: „R. Kreisler Weissberg, Rohatyn über Przchany [D…]“ – vielleicht handelte es sich um einen Verwandten von Sala Lichtigfeld aus ihrer Geburtsstadt.

Nach dem Tod ihres Ehemanns lebte sie noch bis September 1942 im Ghetto von Litzmannstadt/Łódź. Während der „Sperre“ Anfang September 1942 wurde sie aus dem Ghetto gebracht und im Vernichtungslager Chełmno ermordet.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf