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Gedenkbuch

Leers, Wilhelm Friedrich

Wilhelm Leers kam am 19. Juni 1914 in Düsseldorf zur Welt. Seine Eltern waren Wilhelm und Frieda Leers, geborene Kahn. Seine Mutter war am 21. Mai 1883 in Bochum als Tochter von Jakob und Emilie Kahn, geborene Stern, zur Welt. Sie war – anlässlich ihrer Eheschließung – 1913 zum katholischen Glauben übergetreten. Sein Vater Mit ihrem Wilhelm Leers (1877-1933)  stammte aus Ratingen.

Wilhelm Leers junior hatte 1942 sechs Geschwister, die zwischen 15 und 30 Jahre alt waren. Seine Schwester Friederike war am 9. August 1911 in Düsseldorf zur Welt gekommen. Am 8. Oktober 1915 wurde seine Schwester Elisabeth geboren. Die am 12. Dezember 1916 zur Welt gekommenen Zwillinge Friedrich und Anton verstarben beide im Alter von nur zwei Monaten. Auch die am 2. Oktober 1918 geborene Schwester Emilie wurde nur acht Monate alt.

Knapp zwei Jahre wohnte Wilhelm Leers mit seiner Familie in Wülfrath. Sein Bruder Julius wurde dort am 29. Mai 1920 geboren. Auch der 1921 geborene Egon kam in Wülfrath zur Welt.

1922 wohnte die Familie Leers wieder in Düsseldorf. Doch seine Mutter Frieda Leers musste wieder den frühen Tod eines Kindes verkraften. Die am 5. November 1922 in Düsseldorf geborene Katharina verstarb am 5. Mai des darauffolgenden Jahres. Am 26. Oktober 1924 wurde sein Bruder Jakob geboren. Und als letztes Kind des Ehepaars Leers kam am 18. Januar 1926 in Düsseldorf seine Schwester Emma zur Welt.

Am zweiten Februar 1933 verstarb sein Vater Wilhelm Leers in Düsseldorf. In der Folgezeit unterstützte Wilhelm und seine Geschwister die Mutter finanziell. 1940 wohnte Wilhelm Leers junior in der Ulmenstraße 114. Später wohnte er mit seiner Mutter in der Ellerstraße 65 a.

Im September 1941, kurz nach der Einführung des „Judensterns“, wurde seine Mutter bei der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) denunziert. „Vertraulich wurde bekannt, dass die […] Witwe Leers Jüdin sein soll. Ihre Kinder Mischlinge 1. Grades.“ Am 23. September 1941 wurde seine Mutter von der Gestapo abgeholt. Aus dem Verhörprotokoll wird deutlich, dass sie völlig zurückgezogen lebte und weder von der Kennkartenverordnung noch von der „Kennzeichenverordnung“ wusste. Dennoch wurde am nächsten Tag, dem 25. September 1941, Anklage beim Oberstaatsanwalt beantragt. Seine Mutter wurde am 17. Mai 1942 vom Amtsgericht Düsseldorf zu einer Geldstrafe von 70 Reichsmark verurteilt. Da sie diese nicht aufbringen konnte, beantragte sie, die Summe in Raten abzahlen zu dürfen. Dies wurde abgelehnt. Gleichzeitig hatte sie mit der Eingabe wieder drei Strafbestände erfüllt: Sie hatte „mit Deutschem Gruß“ geschrieben, was sie als Jüdin nicht durfte, mit „Frau Wwe. Elfriede Leers“ unterschrieben, also den Zwangsnamen „Sara“ weggelassen, sowie weder den Kennkartenort noch die Kennkartennummer angegeben. Am 1. Juni 1942 wurde sie daher zum zweiten Mal vom Düsseldorfer Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 70 Reichsmark verurteilt.

Durch die Denunziation war seine Mutter jetzt in den Fokus der Gestapo geraten. Wenige Wochen nach der Verurteilung wurde sie benachrichtigt, dass sie am 20. Juli 1942 „umgesiedelt“ werden sollte. Wilhelm Leers sprach nach dieser Benachrichtigung mit seiner Mutter beim Judenreferenten der Gestapo, Pütz, vor. Wilhelm Leers erklärte, er wolle seine Mutter auf dem Transport begleiten; zu diesem Zweck sei er am 14. Juli 1942 zum Judentum übergetreten. Am 21. Juli 1942 wurden Wilhelm und Frieda Leers mit dem VII. Transport aus dem Gestapo-Bezirk Düsseldorf ins Ghetto Theresienstadt gebracht. Wilhelm Leers wurde am 28. September 1944, seine Mutter Frieda am 4. Oktober 1944 nach Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf