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Gedenkbuch

Lazarus, Johanna

geb. Carsch

Am 20. Oktober 1879 wurde in  Mülheim Speldorf Johanna Carsch geboren. Ihre Eltern waren der Viehhändler Abraham Carsch und dessen Frau Emma, geborene Löbschen. Johanna hatte noch drei Geschwister: Otto (geboren 1895), Adele (geboren 1881) und Oscar (geboren 1883). Die Familie wohnte um 1890 in der Speldorfer Straße 3. Am 6. November 1903 heiratete Johanna Carsch in Mülheim an der Ruhr Leopold Lazarus aus Golkrath. Ihr Mann betrieb ein Manufaktur- und Modewarengeschäft in Duisburg-Beeck. 1911 wohnte das Ehepaar Lazarus in der Flottenstraße 17. 

Später zogen sie nach Düsseldorf in die Prinz-Georg-Straße 94. Hier verdiente ihr Mann Leopold Lazarus sein Geld als Immobilienmakler. Von 1925 bis 1935 arbeitete Klara Kriestel, geborene Minner, aus Xanten im Haus der Familie Lazarus als Hausangestellte, bis sie aufgrund der Bestimmungen der Nürnberger Gesetze ihre Stelle bei ihnen aufgeben musste. 1935 mussten Johanna Lazarus und ihr Mann in eine kleinere Wohnung in der Venloer Straße 9 umziehen. Ihre Hausangestellte Klara Kriestel blieb aber weiterhin in Kontakt, und als in der Pogromnacht 1938 die Wohnung in der Venloer Straße 9 erheblich zerstört worden war, konnten die beiden für drei Wochen zu Klara Kriestel nach Xanten ziehen. Zuletzt arbeitete Sophie Frank, geborene Levy, für 25 RM im Monat als Hausangestellte für das Ehepaar Lazarus.

Mit ihrem Mann wurde Johanna Lazarus am 27. Oktober 1941 ins Ghetto von Litzmannstadt/Łódź deportiert. Das Ehepaar Lazarus musste dort im Zimmer 9 der Kollektivunterkunft Fischstraße 15 leben. Im Ghetto erhielt Johanna Lazarus im Dezember 1941/Januar 1942 zwei Postanweisungen über jeweils 9,60 Mark. Sie führte davon zwei Drittel als Beitrag an die Solidargemeinschaft des „Düsseldorfer Kollektivs“ ab. Die Postanweisungen stammten vermutlich von ihrem Bruder Otto Carsch, der nach Frankreich geflüchtet war und ihr mehrfach Briefe und Päckchen ins Ghetto geschickt hatte. In einem erhaltenen Brief vom 5. März 1942 schrieb er von einem Dutzend Päckchen, die er bereits auf den Weg gebracht hätte und dass er gerne wieder 50 RM schicken wolle. 

Johanna Lazarus wurde mit ihrem Mann am 6. Mai 1942 mit dem III. „Aussiedlungstransport“ in das Vernichtungslager Chełmno gebracht und am nächsten Tag dort ermordet.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf