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Gedenkbuch

Jung-Danielewicz, Hedwig

geb. Danielewicz

Hedwig Danielewicz wurde am 15. Dezember 1880 in Berlin geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Michaelis Danielewicz und dessen Frau Henriette, geborene Nehab. Hedwig hatte einen Bruder, Richard (1879-1964), sowie drei Schwestern: Else (geboren 1882), Klara (geboren 1886) und Käte (1890-1978). Die Familie wohnte in Berlin.

1901 bestand Hedwig das Abitur und begann in Berlin mit dem Medizinstudium. Da sich der dortige Ordinarius für Anatomie weigerte, Frauen zu seinen Vorlesungen und Semesterübungen zuzulassen, setzte Hedwig Danielewicz ihr Studium an den Universitäten in Heidelberg und Freiburg fort. In Heidelberg wurde sie als „Sohn“ des Michaelis Danielewicz eingetragen.

Hedwig beschrieb ihre Studienzeit als nicht sehr glücklich: Sie lebte sehr zurückgezogen und musste mit Vorurteilen sowohl gegen weibliche als auch gegen jüdische Studierende kämpfen. 1908 in Bonn promoviert, zog sie 1911 nach Düsseldorf und eröffnete ihre Praxis als „Praktische Ärztin für Frauen und Kinder“ auf der Schadowstraße 72. Sie inserierte in der Düsseldorf-Gerresheimer Zeitung vom 16. Januar 1911 „Nach langjähriger Assistententätigkeit an rheinischen Krankenanstalten und der Kgl. Frauenklinik und Charité zu Berlin habe ich mich als praktische Ärztin für Frauen und Kinder in der Schadowstraße 72 niedergelassen“. Der Paderborner Anzeiger berichtete in seiner Ausgabe vom 28. Januar 1911: „Als erste Frauenärztin in Düsseldorf hat sich Fräulein Dr. Hedwig Danielewicz niedergelassen. Fräulein Dr. Danielewicz war vordem an rheinischen Krankenhäusern in Koblenz, Aachen usw. tätig.“

1912 lernte sie den zwei Jahre jüngeren Maler Carl Jung-Dörfler kennen, der aus einem kleinen Ort im Siegerland stammte. Hedwig Danielewicz konvertierte zum katholischen Glauben, bevor sie ihn 1916 heiratete. Nach Carl Jung-Dörflers Entlassung aus dem Kriegsdienst – er war nach einem Zusammenbruch dienstuntauglich geschrieben worden – zog das Paar in die Uhlandstraße 23, wohin Hedwig Jung-Danielewicz auch ihre Praxis verlegte. Die Ehe blieb kinderlos.

Im Dezember 1927 starb Carl Jung-Dörfler im Alter von 49 Jahren. Unermüdlich versuchte Hedwig Jung-Danielewicz, die etwa 200 Werke ihres Mannes als zusammenhängenden Nachlass zu sichern. 1934 erkrankte sie an Krebs, ihr Einkommen nahm stetig ab. Immer weniger Patientinnen trauten sich, ihre Praxis aufzusuchen, und zum 1. Oktober 1938 wurde ihr als „Nichtarierin“ die Zulassung als Ärztin endgültig entzogen. Hedwig Jung-Danielewicz zog daraufhin zu ihrer alleinstehenden Schwester Else und ihrer Mutter Henriette Danielewicz in die Uhlandstraße 28. Die Wohnung der Mutter befand sich in der ersten Etage, die von Hedwig Jung-Danielewicz in der zweiten Etage. Im Juni 1940 starb ihre Mutter Henriette in Düsseldorf. Sie wurde 80 Jahre alt.

Am 10. November 1941 wurden die Schwestern ins Ghetto von Minsk deportiert. Zwei Wochen zuvor hatte Hedwig ihre 1933 begonnenen Aufzeichnungen mit dem Titel „Das Leben einer Konvertitin“ an die katholische Schriftstellerin Gertrud von le Fort geschickt, und in einem kurzen Brief an ihren Neffen Hans in der Schweiz um schnellstmögliche Hilfe zur Einreise nach Kuba oder „evtl. einem anderen Land“ gebeten und sich verabschiedet: „…lebt alle herzlich wohl, ich habe Mut und Gottvertrauen und halte den Kopf hoch…

Im Minsker Ghetto wirkte Hedwig als Krankenbetreuerin. Es gelang ihr, über den deutschen Wehrmachtsangehörigen Max Luchner den Kontakt zu ihrer Schwester Klara aufzubauen. Klara konnte über Luchner Lebensmittel und Medikamente ins Ghetto schmuggeln. Else Danielewicz wurde im Zuge einer „Aktion“ im Ghetto getötet. Auch Hedwig Jung-Danielewicz hat nicht überlebt.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf