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Gedenkbuch

Bial, Elfriede Ella

Elfriede, genannt Ella, Bial wurde am 13. Oktober 1886 in Hirschberg in Schlesien geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Felix und Emma Bial, geborene Lubowski. Sie wohnten in Hirschberg Markt 52. Ein Bruder war Franz Bial (geboren 1883), der um die Jahrhundertwende als Gärtner in Posen arbeitete. Sie hatte noch einen weiteren Bruder, der in Breslau lebte: Salo Otto Bial (05.12.1882 Hirschberg – 22.03.1943 Auschwitz).

Ella Bial arbeitete seit dem 1. April 1909 als Gemeindeschwester für die Synagogengemeinde Düsseldorf. Während des Ersten Weltkriegs leistete sie Frontdienst als Krankenschwester. In Düsseldorf wohnte sie in der Wilhelm-Tell-Straße 4. 1933/34 hatte sie ein Büro in der Kopernikusstraße 56.

Die Position als Gemeindeschwester der Synagogengemeinde Düsseldorf übte sie jahrelang aus, bis sie sich Anfang 1941 einer schweren Operation unterziehen musste. Der Düsseldorfer Rabbiner Dr. Siegfried Klein schrieb darüber am 17. Juni 1941 an seine Kinder in England: „Ostern hatten wir Schwester Ella zu Gast, die leider vor einigen Tagen operiert werden musste. Es geht ihr aber gut.“ Und am 20. August 1941 berichtete er: „Schwester Ella. Letztere ist wieder im Dienst, muss sich aber noch schonen.“

Als Ella Bial wieder arbeitsfähig war, waren die Vorbereitungen zur Deportation der jüdischen Bürger voll im Gange, und Ella Bial musste am 2. Oktober 1941 in die Erasmusstraße 18 – ein „Judenhaus“ – ziehen. Kurze Zeit später wurde sie darüber in Kenntnis gesetzt, dass sie zur „Transportleitung“ des Deportationszuges ins Ghetto von Łódź vom 27. Oktober 1941 gehöre. Im Auftrag der Transportleitung wurden am 24. Oktober 1941 die als Ordner vorgesehenen Personen gebeten, „zwecks dringender Besprechung mit der Transportleitung Sonntag, den 26. ds. Mts. spätestens 16 Uhr pünktlich im Versammlungslokal Ratherstr. 23 zu erscheinen“.

Im Ghetto wurde Ella Bial zunächst mit 76 weiteren Personen in das Zimmer 3 der Kollektivunterkunft Fischstraße 15 eingewiesen. Seit dem 1. Dezember 1941 arbeitete sie als Krankenschwester im Greisenheim II in der Gnesener Straße. Ella Bial war für den IV. „Aussiedlungstransport“ am 7. Mai 1942 vorgesehen und erhielt daher am 7. Mai 1942 keine Lebensmittel mehr zugeteilt. Sie schrieb daraufhin am selben Tag an die „Aussiedlungskommission“: „Mir wurde heute die Ausgabe des Brotes verweigert unter dem Hinweis, daß ich ausgesiedelt wäre. Ich habe keinerlei Aufforderung bekommen und sagte man bei Nachfrage in der Fischstraße 8, ich hätte mit dem IV. Transport ausreisen sollen, Nr. 1664. Ich bin alleinstehend, habe noch keinen Arbeitstag versäumt, bitte höflichst mich an meinem Arbeitsplatz zu lassen und die Aussiedlung zurück zu nehmen.“ Das Dokument wurde mit einem Stempel in polnischer Sprache versehen: „UWZGLEDNIONE“ (= berücksichtigt).

Zusätzlich bescheinigte ihr der Chefarzt des Greisenheims per Schreiben vom 7. Mai 1942, dass Ella Bial sich nicht nur durch ihre Kenntnisse als staatlich geprüfte Krankenschwester, sondern auch durch ihren Fleiß und ihre mustergültige Art, auf die Bedürfnisse der Patienten einzugehen, unentbehrlich gemacht habe. Am 15. Juni 1942 zog Ella Bial innerhalb des Ghettos in die Gnesener Straße 15, Wohnung 25. Als das Greisenheim nach dem brutalen Abtransport seiner Bewohner aufgelöst wurde, musste sich Ella Bial zum 30. September 1942 zur „Disposition der Personalabteilung“ stellen.

Elfriede Bial lebte bis August 1944 im Ghetto. Im Zuge der Auflösung des Ghettos wurde sie Anfang Juli 1944 mit weiteren Ghettobewohnern mit der Kartothek Nr. 11315 auf der Blockierungsliste Nr. 1/R geführt. So sollte erreicht werden, dass die Ghettobewohner, deren Lebensmittelversorgung „blockiert“ wurde, sich „freiwillig“ zur „Aussiedlung“ melden. Elfriede Bial wurde im August 1944 nach Auschwitz deportiert und dort vermutlich sofort ermordet.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf