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Gedenkbuch

Blankenstein, Helmut Max

Helmut Blankenstein kam am 22. April 1920 als Sohn von Alfred und Rosa Blankenstein, geborene Bloch, in Düsseldorf zur Welt. Er hatte noch einen jüngeren Bruder, Rolf, der 1924 geboren worden war. Außerdem lebte einige Jahre im Haushalt der Familie auch Helmuts Halbbruder Alfred (geboren 1912) aus der ersten Ehe seines Vaters.

Die Familie wohnte in den 1930er Jahren in der Hüttenstraße 129 in Düsseldorf. Sein Stiefbruder Alfred beschrieb seinen Vater als sehr religiös, sie hatten viele rituelle Gegenstände in ihrer Wohnung. In ihrer dritten Ausgabe vermeldete die Gemeindezeitung für den Synagogenbezirk Düsseldorf, dass am 1. Oktober 1930 sein Vater Adolf Blankenstein sein 25-jähriges Angestelltenjubiläum bei der „Leonhard Tietz AG“ feierte. 1933 musste sein Vater hinnehmen, dass sein Gehalt gekürzt wurde. Daraufhin konnte die Familie ihre Wohnung nicht länger bezahlen und war gezwungen, im Dezember 1934 in die Schwerinstraße 53 umzuziehen. 1935 wurde sein Vater Adolf Blankenstein endgültig entlassen.

Helmut Blankenstein absolvierte eine Lehre als Klempner und arbeitete später als Gärtner auf dem jüdischen Friedhof an der Ulmenstraße. Mit 16 Jahren wurde er am 29. Juli 1936 nach Hamburg abgemeldet, kehrte aber vor der Deportation seiner Eltern vom 27. Oktober 1941 nach Düsseldorf zurück.

Im Ghetto von Litzmannstadt/Łódź musste er mit 65 anderen Deportierten im Zimmer 9 der Kollektivunterkunft Fischstraße 15 leben. In einer undatierten Postkarte an eine Ruth Meyer aus Paderborn, schrieb er: „Liebe Ruth! Kann gar nicht verstehen, auf meine verschiedenen Karten noch keine Nachricht von Dir zu haben und bin ich in größter Sorge um Dich mein gutes Kind. Gestern hörte ich aber, daß Ihr einstweilen noch in Westfalen bleibt u. so hoffe ich doch, recht bald von Dir zu hören, damit ich beruhigt bin. Sende mir bitte auch recht bald Geld, die Höhe ist unbegrenzt. Bist Du noch immer in der Gärtnerei tätig? Was war Chanukah bei Euch los. Habt Ihr eine schöne Feier gehabt? Wir haben auch eine schöne Feier hier veranstaltet u. war es sehr nett, vor allem für die Kinder bis 14 Jahre, die alle beschenkt wurden. Liebe Ruth, wenn Du mir antwortest so sende mit bitte die Rückantwortkarten, wenn Du mir einen Brief sendest, so füge mir bitte im Brief Geld bei, dann sende keine Antwortkarten. Indem ich nun hoffe recht bald von Dir mein liebes Ruthchen zu hören, grüße ich dich recht herzlich u. sende dir viele Küsse, dein Helmut. Grüße bitte Erwin, Kläre“.

Die Adresse in Paderborn (Grüner Weg 86) weist auf das 1939 dort errichtete jüdische Umschulungslager hin, das im Laufe des Jahres 1941 zu einem Zwangsarbeitslager geworden war. Helmut Blankenstein war dort seit dem 1. Februar 1941 bis zum 20. April 1941. An diesem Tag wurde er nach Düsseldorf, Schwerinstraße 53, abgemeldet.
Im Ghetto gab Helmut Blankenstein sein Arbeitsbuch mit der Nummer 169/81231 ab. Als Beruf gab er auf seiner Anmeldungskarte im Ghetto „Gärtner“ an.

Vom XII. „Aussiedlungstransport“ im Mai 1942 konnte er sich und seine Mutter unter Hinweis auf seine Arbeit im Getto zurückstellen lassen. Zunächst arbeitete er – wie er an das Amt für Eingesiedelte am 12. Mai 1942 schrieb – „in Marysin. Seit dem 23. Januar des Monats laut beiliegender Bescheinigung im Krankenhaus 3 (…).“ Im Dezember 1941 hatte er 9,60 Mark als Lohn erhalten.

Ab Juli 1943 war Helmut Blankenstein für längere Zeit im Gefängnis des Ghettos. Der Grund für die Haft geht aus den überlieferten Dokumenten nicht hervor. Laut einer Liste des Zentralgefängnisses wurde er bis zum 11. August 1943 „verproviantet“, d.h. verpflegt. Die Meldestelle des Ghettos schrieb am 14. Januar 1944 an die Wirtschafts-Abteilung in der Fischgasse 6 „Wollen Sie die bisher in Ihrer Evidenz figurierenden (…) 6. Blankensztajn Helmut, geb. 1920, Fischgasse 9 (…), z.Zt. Häftlinge im Zentralgefängnis mit dem 10. Januar des Jahres aus Ihrer Evidenz streichen.“

Zuvor hatte Helmut Blankenstein mit 13 anderen Häftlingen aus Marysin Arbeit auf dem Kohlenplatz ausführen müssen. Am 2. Februar 1944 wurde auf seiner Abmeldekarte „verreist außerhalb des Gettos“ vermerkt. Auf der diesbezüglichen Transportliste sind weitere 24 männliche etwa gleichaltrige Personen vermerkt – wahrscheinliches Indiz dafür, dass Helmut Blankenstein tatsächlich auf einen Arbeitstransport außerhalb des Ghettos geschickt wurde. Am 5. Februar 1944 wurden seine Legitimationskarten vom Zentralgefängnis an das Arbeitsamt zurückgeschickt. Er hat nicht überlebt.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf