Pineas, Hannelore
Am 19. Januar 1937 kam Hannelore Pineas in Düsseldorf zur Welt. Ihre Mutter Mathilde (Tilly) stammte aus Bad Homburg, wo sie am 10. Februar 1899 als Tochter von Isidor und Helene Holzmann, geborene Mayer, zur Welt gekommen war. Hannelores Vater Leo Pineas war Düsseldorfer. Er war am 24. April 1897 in Düsseldorf als Sohn des Ehepaars Aron und Therese Pineas, geborene Oppenheimer, geboren worden.
Hannelores Eltern hatten am 15. Juni 1934 in Bad Homburg vor der Höhe geheiratet. Ihre Mutter war aus Bad Homburg kommend zu ihrem Ehemann am 10. Juli 1934 nach Düsseldorf gezogen. Sie wohnten in der Klever Straße 31 in einer Wohnung in der dritten Etage. Als Hannelore ein Jahr alt war, zog ihre Großmutter Helene Holzmann am 25. Juni 1938 mit ihrer erwachsenen Tochter Irma zu ihnen ins Haus Klever Straße 31.
Im Zuge des Pogroms im November 1938 wurde die Familie Pineas in der Wohnung überfallen. Die Möbel wurden mit Beilen zerschlagen, die Vorhänge zerschnitten und alles durch die zerhackten Fensterkreuze auf die Straße geworfen. Ihre Großmutter Therese Pineas zog nach diesem schlimmen Ereignis am 26. November 1938 von Düsseldorf nach Berlin. Dort wohnte ihr Sohn Dr. med. Hermann Pineas mit seiner zweiten Frau Hertha. Er notierte 1946 in seinem Lebensbericht: „Am 6. November 1938 war ich zum 90. Geburtstag von Louis Cohen, dem Vater meines guten Freundes Josef in Düsseldorf, und auch zum Gottesdienst in der Synagoge. Mit Mutter war verabredet worden, dass sie baldigst zu uns nach Berlin ziehen sollte, da vorauszusehen war, dass man ihr als einzelner Frau die Wohnung, in der sie seit 1897 gewohnt hatte, nicht länger belassen würde. Im Zuge der Rath-Aktion zerstörte man der 78-jährigen Frau heldenhaft die Wohnung, sodass sie noch im selben Monat schweren Herzens zu uns nach Berlin übersiedelte.“
In der Folgezeit emigrierten Hannelores Onkel und Tante mütterlicherseits. Ob auch ihre Eltern eine Emigration planten, ist nicht bekannt, aber gut möglich. Möglicherweise musste ihr Vater Leo Pineas zuletzt Zwangsarbeit im „geschlossenen jüdischen Arbeitseinsatz“ in Düsseldorf leisten. Auf der Deportationsliste wurde sein Beruf mit „Schlosser“ angegeben. Am 10. November 1941 wurde die vierjährige Hannelore mit ihren Eltern vom Düsseldorfer Güterbahnhof Derendorf ins Ghetto Minsk deportiert. Sie haben nicht überlebt.
Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf