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Gedenkbuch

Mendel, Ruth

Ruth Mendel wurde am 28. Dezember 1921 in Düsseldorf geboren. Ihre Eltern waren Paul und Meta Mendel, geborene Süßkind. Ruth war ihr zweites Kind. Ihr Bruder Günther war bereits am 2. Juli 1919 in Düsseldorf zur Welt gekommen. Ihr Vater Paul Mendel verdiente den Lebensunterhalt für seine Familie als Bankdirektor und Kaufmann. Die Familie wohnte in Düsseldorf in der Bahnstraße 67, seit dem 12. Dezember 1934 in der Schützenstraße 8, und schließlich ab Ende 1936 in der Stromstraße 7.

Ruth Mendel besuchte die private jüdische Volksschule in Düsseldorf. Von ihr sind Zeichnungen aus dem Kunstunterricht erhalten geblieben. Nach der Schulzeit absolvierte sie eine Ausbildung zur Stenotypistin. 1938 wohnte bei ihnen in der Stromstraße 7 auch ihr Großvater Mayer Süßkind und ihre Tante Jenny Müller. Sie alle wurden Opfer eines Überfalls auf die Wohnung der Mendels in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938. Am 30. November 1939 emigrierte ihr Bruder Günther nach Belgien. Ruth blieb bei den Eltern.
Sie musste vor ihrer Deportation in das Ghetto von Litzmannstadt/Łódź Zwangsarbeit in Düsseldorf leisten. Ihr Arbeitsbuch trug die Nummer 169/229185.

Zusammen mit ihren Eltern wurde Ruth Mendel am 27. Oktober 1941 von Düsseldorf in das Ghetto von Litzmannstadt/Łódź deportiert. Die Familie musste mit 63 weiteren Deportierten in das Zimmer 9 der Kollektivunterkunft Fischstraße 15 einziehen. Ruth Mendel erhielt eine Brotkarte mit der Nummer 168638. Vom „Düsseldorfer Kollektiv“ wurde sie für eine Arbeit zur Anfertigung von Strohschuhen vorgeschlagen.

Ruth Mendel überlebte die Deportationen im Mai und September 1942. Ihre Mutter dagegen wurde während der sogenannten „Sperre“ im September 1942 ermordet. Ruths Vater verstarb im Ghetto am 12. April 1943. Ruth wohnte zu dieser Zeit in einem Zimmer der Wohnung 3 im Haus Fischstraße 18. Sie arbeitete seit dem 5. März 1943 als Stickerin im Betrieb Nr. 82, einer Handstickerei in der Fischstraße 21. Ihre Arbeiternummer lautete dort 72613. 

Am 2. Juli 1944 versuchte Ruth Mendel durch ein Schreiben an die „Zwischen-Ressortkommission“, dem sie ein ärztliches Attest beilegte, ihre „Ausweisung“ aus dem Ghetto zu verhindern: „Bin 22 Jahre alt und fühle mich durch mein Herzleiden so schwach, dass ich mich den Strapazen des Transportes nicht gewachsen fühle und bitte deshalb um Befreiung.“ Ihr wurde am 5. Juli 1944 von der Kommission mitgeteilt, dass ihr Antrag abgelehnt worden sei. Sie wurde vom 11. bis 12. Juli 1944 im Zentralgefängnis des Ghettos festgehalten. Am 12. Juli 1944 wurde Ruth Mendel mit dem Transport Nr. 451 in das Vernichtungslager Chełmno gebracht und am nächsten Tag ermordet.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf