Gedenkbuch

Goldstein, Rudi (Rudolf)

Rudolf, genannt Rudi, Goldstein kam am 5. September 1904 in Ruda in Oberschlesien zur Welt.  Seine Eltern, der Kaufmann Georg Goldstein und Anna Kamm, hatten 1903 in Königshütte, dem Geburtsort seiner Mutter, geheiratet. Kurz nach Rudis Geburt zog die Familie von Zabrze nach Mannheim. Dort wurde sein Vater Geschäftsführer des Hutgeschäfts „Globus“ 1904. Im gleichen Jahr zog Rudi Goldstein mit seinen Eltern nach Karlsruhe. In der Karlsruher Zeitung vom 27. Dezember 1905 wurde bekannt gegeben, dass „Hutgeschäft Globus, Inh. Georg Goldstein“ in Mannheim „erloschen“ sei. In den ersten Karlsruher Jahren scheint die Familie Goldstein mehrfach umgezogen zu sein. Im Karlsruher Adressbuch von 1912 ist sein Vater Georg Goldstein mit der Adresse Waldhornstraße 2 verzeichnet, 1914 bereits mit Ludwig-Wilhelm-Straße 8. Es folgen weitere oft wechselnde Adressen.

Im Karlsruhe Adressbuch aus dem Jahr 1920 ist für seinen Vater Georg Goldstein als Adresse Lachnerstraße 8 angegeben. Am 7. September 1922 verstarb sein Vater Georg Goldstein in Karlsruhe im Alter von 43 Jahren. Er wurde auf dem dortigen liberalen Friedhof beerdigt. In der Ausgabe vom 15. September 1922 des Karlsruher Tagblatt hieß es: „Die Ortsgruppe Karlsruhe der vereinigten Verbände heimatttreuer Oberschlesier lud (…) am Sonntag, den 10. Des Monats, die Mitglieder mit ihren Angehörigen zu einem Familienabend (…) ein. (…) Der erste Vorsitzende, Herr Krawutschke, (…) gedachte des schmerzlichen Verlustes eines Vorstandsmitgliedes, des Kaufmanns Georg Goldstein, der plötzlich am 7. September aus unserer Mitte gerissen wurde.“

Im Jahr 1933 wohnte Rudi Goldstein in Karlsruhe in der Kaiserstraße 50. Im Karlsruher Adressbuch aus dem Jahr 1937 ist dort immer noch auch seine Mutter verzeichnet. Rudi Goldstein verließ Karlsruhe und wohnte ab dem 25. Juli 1938 in Düsseldorf. Am 21. August 1938 heiratete er Ruth Boas. Seine Frau stammte aus Berlin-Wilmersdorf, wo sie am 25. Juli 1911 als Tochter von Philip und Mary Boas, geborene Levy, zur Welt gekommen war. Seit vielen Jahren hatte sie mit ihren Eltern in Düsseldorf gelebt.

Er zog zu seiner Frau Ruth und seiner verwitwete Schwiegermutter Mary Boas in die Stockkampstraße 34. Im Zuge des Novemberpogroms 1938 wurden sie in der Wohnung überfallen. Rudi Goldstein wurde verhaftet und ins Düsseldorfer Polizeigefängnis gebracht. Dort blieb er zusammen mit den anderen Verhafteten bis zum 16. November 1938. Am nächsten Tag wurde er mit weiteren Düsseldorfern in das Konzentrationslager Dachau überführt. Er erhielt dort die Häftlingsnummer 29454. Am 17. Dezember 1938 wurde Rudi Goldstein aus der KZ-Haft entlassen. Am 17. April 1939 zog er mit seiner Frau und seiner Schwiegermutter nach Hamburg. Seine Schwiegermutter Mary war gebürtige Hamburgerin.

Seine Mutter lebte immer noch in Karlsruhe. Sie wurde am 22. Oktober 1940, mit anderen badischen Juden in das Lager Gurs in Frankreich verschleppt. Die 63-jährige Anna Goldstein verstarb in Gurs am 14. November 1941.

Die letzte Adresse von Rudi Goldstein und seiner Frau Ruth war Rutschbahn 25 im Hamburger Stadtteil Rotherbaum. Auf der Deportationsliste wurde vermerkt, dass die beiden zur Untermiete bei „Lorenz“ wohnten. Gemeint war vermutlich das jüdische Ehepaar Adolf und Franziska Lorenz mit ihrer Tochter Erika. Sie wurden mit dem gleichen Transport deportiert. Adolf Lorenz musste sei 1939 Zwangsarbeit im Rahmen des sogenannten geschlossenen jüdischen Arbeitseinsatzes. Als Beruf für Rudi Goldstein ist auf der Liste bei ihm „Kaufm. Angestellter“ und bei seiner Frau „Arbeiterin“ verzeichnet. Möglicherweise mussten beide in den Monaten vor der Deportation ebenfalls Zwangsarbeit leisten. Seine Schwiegermutter Mary Marianne Boas meldete sich „Freiwillig“ zur gleichen Deportation. Vermutlich wollte die 60-Jährige nicht alleine in Hamburg zurückbleiben. Ihre letzte Adresse war Frickestraße 24.

Nach der Deportation in das Ghetto Minsk am 8. November 1941 verliert sich die Spur von Rudi Goldstein, seiner Frau und seiner Schwiegermutter. Sie haben nicht überlebt.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf