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Gedenkbuch

Oberländer, Karl Otto

Karl Otto Oberländer wurde am 30. Juni 1886 als jüngstes Kind von Josef und Fanny Oberländer, geborene Aberle, in Mannheim geboren. Er hatte noch vier Brüder und zwei Schwestern: Leopold (1876-1928), Richard (1879-1923) und die Zwillinge Paul (1884-1925) und Friedrich (1884- 1941) sowie die Schwestern Martha (1880-1944) und Johanna (1882-1942). Seine Mutter Fanny Oberländer verstarb am 19. Januar 1907 in Mannheim. Sein Vater, der eigentlich vom Niederrhein stammte, blieb in Mannheim wohnen.

Karl Oberländer dagegen verließ  am 10. Juni 1911 seine Geburtsstadt Mannheim und zog nach Düsseldorf in die Harkortstraße 19. Er arbeitete als Generalvertreter einer Zigarettenfabrik. Am 19. September 1919 heiratete er Frieda Schwarz aus Paderborn. Ihre gemeinsame Tochter Inge wurde knapp ein Jahr später, am 1. August 1920, geboren. Am 15. Mai 1931 zog die Familie Oberländer in die Brehmstraße 69 in das Düsseldorfer Zooviertel. 

Die Familie war auch im Gemeindeleben der Synagogengemeinde aktiv. So wurde beispielsweise am 1. Januar 1938 im Gemeindeblatt angekündigt, dass Karl Oberländer im Gemeindehaus Grafenberger Allee 78 „Zwei vergnügte Stunden im Zauberreich“ für kleinere Gäste anbietet.

In der Pogromnacht am 9. November 1938 wurde die Familie Oberländer in ihrer Wohnung im Hochparterre überfallen und die Einrichtung beschädigt. Am 25. November 1938 zog Karl Oberländer mit seiner Familie in die Grunerstraße 19. Dieses Haus gehörte den jüdischen Brüdern Ignatz und Theodor Hirsch. Tochter Inge konnte am 15. Februar 1939 im Alter von 18 Jahren nach Dänemark emigrieren.

Karl Oberländer wurde zusammen mit seiner Frau am 27. Oktober 1941 von Düsseldorf in das Ghetto von Litzmannstadt/Łódź deportiert. Dort mussten sie in der Wohnung 3 der Kollektivunterkunft Fischstraße 15 leben. Am 6. Dezember 1941 schrieb Karl Oberländer eine Postkarte an die Familie Josef Cahn, wohnhaft in der Grupellostraße 8 in Düsseldorf. Er schrieb: „Lieber Herr Cahn! Endlich kann ich Ihnen schreiben, daß wir alle gesund sind & denken wir viel an Sie, Päckchen wollen Sie uns nicht senden, doch sind Geldsendungen in jeder Höhe erlaubt.- Wir sind mit Hirsch & Davidson zusammen. Unsere Adresse: Litzmannstadt-Getto, Warthegau, Fischstraße 15. Hoffentlich hören wir recht bald von Ihnen. Wir erwarten mit Sehnsucht Ihre Nachrichten im Brief, wir werden Ihnen sofort wieder schreiben. Wir denken viel an unser früheres Leben & die schönen Tage, die wir mit Ihnen verbrachten. Schreiben Sie bald, herzlich grüßt in alter Freundschaft, Ihr Karl Oberländer & Frau

Diese Postkarte verblieb im Ghetto und kam daher nie beim Empfänger an. Am 29. Dezember 1941 vermerkte die Kollektivbuchhaltung den Eingang von 48,40 RM für Karl Oberländer. Davon musste er zwei Drittel an das „Düsseldorfer Kollektiv“ abführen. Im Januar 1942 erhielt er drei weitere Zahlungen über jeweils 9,60 RM.

Karl Oberländer konnte sich und seine Frau aufgrund des Nachweises seines Eisernen Kreuzes II. Klasse aus dem Ersten Weltkrieg vom „Aussiedlungstransport“ am 5. Mai 1942 zurückstellen lassen. Am 24. Mai 1942 zogen sie nach der Auflösung der Kollektivunterkünfte in die Wohnung 5 in der Sudetenstraße 16. Seit dem 23. August 1942 arbeitete Karl Oberländer als Verkäufer im Ressort für Büroarbeiten in der Tabakabteilung. Er überlebte bis 1944 im Ghetto von Litzmannstadt/Łódź. Am 6. Mai 1944 wurde seine Arbeitsstelle aufgelöst und Karl Oberländer wurde am 28. Juni 1944 zusammen mit seiner Frau mit dem Transport Nr. 546 aus dem Ghetto in das Vernichtungslager Chełmno gebracht und ermordet.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf