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Gedenkbuch

Blech, Helene

geb. Frankenberg

Helene Frankenberg kam am 31. Dezember 1893 als Tochter des Metzgermeisters Eduard Frankenberg (1887-1936) und seiner Frau Amelie Frankenberg (1856-1918), geborene Klein, in Recklinghausen zur Welt. Sie hatte mit Johanna (1885-1945), Ewald (1887-1936), Juliane (1889-1923), Friedrich (1890-1944) und Julius (geboren 1892) fünf ältere Geschwister. Es folgten die jüngeren Geschwister Otto (geboren 1895) und Joseph (1898-1900). Joseph verstarb bereits zwei Jahre nach seiner Geburt.

Helene wohnte bis zu ihrer Hochzeit in ihrem Elternhaus auf der Kunibertisstraße 20 in Recklinghausen. Am 12. November 1918 heiratete sie den in Hochneukirch geborenen Bankprokuristen Salli Blech (geboren 1889). Im selben Jahr verstarb Helenes Mutter Amalie Frankenberg im Alter von 62 Jahren. Helenes älterer Bruder Friedrich Frankenberg heiratete die jüngere Schwester ihres Mannes Sabine Blech.

Helene und ihr Mann Salli zogen nach Düsseldorf, wo am 3. September 1919 ihr Sohn Helmut zur Welt kam. Wenige Jahre später verstarb Helenes ältere Schwester Juliane mit 34 Jahren. Helenes Mann Salli Blech arbeitete bis zu seiner Pensionierung 1937 als Prokurist bei der Bank Siegfried Falk auf der Steinstraße 20. Hier wohnte die Familie mindestens seit 1924 in der zweiten Etage, wo Helenes und Sallys Sohn Helmut am 10. September 1932 seine Barmizwa feierte. Über die Feier wurde in der Gemeindezeitung berichtet.

Helenes älterem Bruder Julius Frankenberg gelang 1937 die Emigration in die Dominikanische Republik. Ihr jüngerer Bruder Otto Frankenberg befand sich seit 1936 auf Reisen und emigrierte 1937 nach Palästina.

Mitte des Jahres 1937 leitete die Gestapo Ermittlungen gegen Helenes Mann Salli Blech ein, der angeblich „genaue Kenntnis über die Zusammenhänge der Auflösung der UOBB“ gehabt haben soll. Die UOBB, auch Unabhängiger Orden Bne Briss, war eine jüdische Organisation, die 1843 zunächst in New York und 1883 als Ableger in Berlin gegründet wurde. Im April 1937 mussten alle Logen aufgelöst werden und es kam in Düsseldorf zu zahlreichen Verhaftungen. Am 13. September 1937 vermerkte die Gestapo: „Die Ermittlungen über den Juden Salli Blech konnten bisher nicht zum Abschluss gebracht werden, da ein V-Mann, der angeblich ein guter Kenner der persönlichen Verhältnisse des Blech ist, sich zur Zeit in Berlin aufhält und daher nicht gehört werden konnte.“ Die Ermittlungen gegen Salli Blech wurden jedoch letztlich von der Gestapo als ergebnislos eingestellt.

1940 wohnten Helene, Salli und Helmut Blech auf der Ellerstraße 155. Von hier aus zogen sie zur Untermiete in ein sogenanntes Judenhaus auf der Graf-Recke-Straße 21.

Im August 1941 beantragte Helens Mann Reisepässe, um aus dem Deutschen Reich auswandern zu können. Der Familie gelang eine rechtzeitige Emigration jedoch nicht. Nur wenige Monate später wurde die fast 48-jährige Helene gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem Sohn am 11. Dezember 1941 von Düsseldorf aus in das Ghetto Riga deportiert. Hier verstarb ihr Mann Salli Blech am 20. September 1942 im Zentrallazarett an einem Herz- und Blasenleiden. Am 26. März 1942 schrieb die Commerzbank in Düsseldorf an die Gestapo Düsseldorf: „Wir erhalten von dem Oberfinanzpräsidenten Düsseldorf (…) die Mitteilung, dass das Vermögen des Juden Sali Israel Blech (…) auf Grund des § 3 der 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 25.11.41 dem Reich verfallen ist. Gleichzeitig werden wir aufgefordert, die bei uns bestehenden Werte: Guthaben (…) RM 2.065, Wertpapierdepot RM 4.000 (…) an die Oberfinanzkasse zu überweisen. (…) Wir bemerken noch, dass Bl. uns unter dem 11.12.41 mitgeteilt hat, dass er nach Riga evakuiert werden würde.“

Für Helene und ihren Sohn Helmut sind aus dem Ghetto keine Dokumente und Informationen überliefert. Sie haben nicht überlebt.

Helenes ältere Schwester Johanna Michel, geborene Frankenberg, wurde am 27. Januar 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Von dort wurde sie über Kauen in das Konzentrationslager Stutthof deportiert, wo sie am 5. Januar 1945 verstarb. Helenes älterer Bruder Friedrich Frankenberg und seine Familie wurden mit demselben Transport wie Helene am 11. Dezember 1941 von Düsseldorf aus in das Ghetto Riga deportiert. Von dort wurde Friedrich Frankenberg über das Konzentrationslager Stutthof in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert, wo er 1944 verstarb. Helenes Schwägerin Sabine Frankenberg, geborene Blech, überlebte den Holocaust und wurde aus Buchenwald befreit.

Autorin: Frederike Krenz, Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf