Gedenkbuch

Springer, Regina

geb. Fuchs

Am 11. April 1885 kam Regina Fuchs in Jutrosin als Tochter des Kaufmanns Nathan Fuchs und dessen Frau Flora, geborene Sklarek, zur Welt. Der Ort lag südwestlich von Krotoschin (Posen) und östlich von Rawitsch/Rawicz in Posen. Zum Zeitpunkt von Reginas Geburt lebten 148 jüdische Menschen im Ort, das waren 8 Prozent der Gesamtbevölkerung.
Regina bekam noch eine Schwester namens Berta, die am 4. Juli 1887 geboren wurde. Als Regina drei Jahre alt war, verstarb ihre Mutter. Zu diesem Zeitpunkt lebte die Familie in Leipzig.
1890 heiratete ihr Vater Auguste Grunwald (1851-1916) aus Posen. Sie zog nach der Hochzeit zu ihnen nach Leipzig. Ihr Vater Nathan Fuchs arbeitete in Leipzig für die Firma „S. Ostwald Waaren Credit Geschäft. Im März 1903 wurde er Eigentümer der Zweigniederlassung in Breslau. Daraufhin zog die Familie auch dorthin. Ihre Adresse war Höfchenstraße 101.

Am 25. Januar 1906 heiratete die 21-jährige Regina Fuchs in Breslau den Kaufmann Moritz Springer. Ihr Ehemann stammte aus Borek im Kreis Posen, wo er am 29. Juli 1878 als Sohn von Hermann und Henriette Springer, geborene Bloch, zur Welt gekommen war. Die beiden zogen nach der Hochzeit nach Dortmund. Ihr Ehemann übernahm im Februar 1906 von dem Kölner Kaufmann Jacques Sklarek die Firma „S. Oswald“, mittlerweile ein Möbelgeschäft. Ihre Tochter Flora kam am 15. April 1908 dort zur Welt. In Dortmund erwarb ihr Ehemann Grundbesitz in der Kampstraße 72 und im Westenhellweg 75.

Von Dortmund zog die Familie Springer nach Mönchengladbach. 1920 erwarb ihr Ehemann ein Grundstück in Düsseldorf und ließ sich dort ein Einfamilienhaus erbauen. Am 26. August 1921 bezog die Familie Springer ihr eigenes Haus in der Lützowstraße 2 in Düsseldorf-Derendorf. Regina Springer kümmerte sich als Hausfrau um ihre Familie. Sie unterstützte auch mittellose Familienmitglieder finanziell. Unter anderem unterstützte sie ihre Nichte Loni Wolff. Diese war 1913 in Essen als Tochter ihrer Schwester Bertha Fuchs, verheiratete Wolff, zur Welt gekommen. 1934 war Loni Wolff in die Niederlande geflüchtet.

In ihrer vor der Deportation ausgefüllten Vermögenserklärung gab Regina Springer ein Sperrkonto bei der Commerzbank Düsseldorf mit einem Guthaben von 27.629,75 RM an. Außerdem besaß sie Reichsschatzanweisungen in Höhe von 76.000 RM. Regina Springer wurde am 27. Oktober 1941 zusammen mit ihrem Ehemann von Düsseldorf in das Ghetto von Litzmannstadt/ Łódź deportiert. Dort mussten sie in das Zimmer 1 der Kollektivunterkunft Fischstraße 15 einziehen. Am 5. Dezember 1941 schrieben sie eine Postkarte an Alma und Rudolf Kremser, Rolandstraße 12, in Düsseldorf. Darin baten sie um Nachrichten und insbesondere um regelmäßige Geldsendungen. Diese Postkarte wurde zugestellt. Als Absenderadresse war angegeben: „Wohnung 33, Mühlgasse 36 bei Werner.“
Am 27. Januar 1942 wurde derweil in Düsseldorf das gesamte Vermögen der Familie Springer eingezogen. Ihr Ehemann Moritz Springer konnte während der Mai-Deportationen 1942 sich und seine Ehefrau vom II. Transport am 5. Mai 1942 aufgrund seiner Kriegsauszeichnungen aus dem Ersten Weltkrieg zurückstellen lassen. Regina Springer wurde mit ihrem Ehemann im September 1942 aus dem Ghetto von Litzmannstadt/Łódź in das Vernichtungslager Chełmno gebracht und ermordet.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf