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Gedenkbuch

Schöndorff, Marie

geb. Gross

Marie Gross wurde am 5. Dezember 1871 in Bruchsal geboren. Ihre Eltern Leopold Löw Gross (1833-1881) und Rosa Klara Heymann (1847-1926) hatten noch eine weitere Tochter: die am 18. Juli 1870 geborene Betty. 

Marie Gross heiratete den Kaufmann Albert Schöndorff. Ihr Mann war am 23. Dezember 1870 in Westheim im Kreis Büren als Sohn des Pferdehändlers David Schöndorff und dessen Frau Bernhardine, geborene Cohn, zur Welt gekommen. Zusammen mit seinem Bruder Hermann Schöndorff hatte ihr Mann Albert Schöndorff 1890 das Ladengeschäft „Gebr. Schöndorff – Düsseldorfer Bettenfabrik“ in der Düsseldorfer Altstadt, Flingerstraße 28, gegründet. 

Nach der Hochzeit mit Albert Schöndorf bekam Marie Schöndorff zwei Söhne: Walter wurde 1896 geboren und Rudolf kam 1900 in Düsseldorf zur Welt. Mittlerweile unterhielt ihr Mann zusammen mit seinem Bruder Hermann Schöndorff eine Holzbearbeitungs- und Möbelfabrik in der Rather Straße 49.

Von 1912 bis 1917 war ihr Mann Albert Schöndorff Stadtverordneter für die Liberale Vereinigung. 1920 gründeten die Brüder Schöndorff eine Waggonfabrik. Auf dem Werksgelände an der Königsberger Straße 100 wurden u. a. die Straßenbahnen für Düsseldorf und andere Städte gebaut. Die Gebäude wurden zwischen 1916 und 1920 errichtet. Ihr Mann war nun Generaldirektor der Firma „Gebrüder Schöndorff, Waggonfabrik und Karosseriebau, Fabrik für Warenhaus-Einrichtungen, Schaufenster-Dekorationsgegenstände und Wachsblüten“ wie das Düsseldorfer Adressbuch von 1927 ausweist. Mittlerweile wohnte  Marie Schöndorff mit ihrem Mann in einer Doppelvilla zusammen mit ihrem Sohn Rudolf Schöndorff in der Cecilienallee mit Blick auf den Rhein. 

Am 30. September 1933 wurde ihr Mann als „Nichtarier“ aus seinem Unternehmen geworfen. Kurz zuvor hatte ein Düsseldorfer Bankenkonsortium aus Commerzbank, Deutscher Bank und Dresdner Bank alle Schöndorff-Aktien erworben und war so Eigentümer der „Gebr. Schöndorff AG“ geworden. Die Firma erhielt die neue Namensbezeichnung „Düsseldorfer Waggonfabrik AG“ (Düwag).

Ihr Sohn Walter Schöndorff, der als Arzt in Düsseldorf in seinem Haus in der Gartenstraße 19 praktizierte, emigrierte am 9. Dezember 1937 nach New York. Sohn Rudolf Schöndorff, seit 1927 stellvertretendes Vorstandsmitglied der „Gebr. Schöndorff AG“, zog 1933 nach der „Arisierung“ der Firma nach Berlin. Mit seiner Frau Elsa, geborene Sostheim, flüchtete er später nach Spanien.

Marie  und Albert Schöndorff emigrierten am 12. September 1938 nach Amsterdam. Dort wohnten sie in der Jan van Eijckstraat 30. 1941 wurden auch in den Niederlanden jüdische Einwohner registriert. Ab dem 3. Mai 1942 mussten alle Juden in den Niederlanden einen „Judenstern“ an ihrer Kleidung tragen.
Am 12. September 1942 wurden Albert und Marie Schöndorff verhaftet: Den Transport vom „Judendurchgangslager“ Westerbork in das Vernichtungslager Auschwitz überlebten sie nicht.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf