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Gedenkbuch

Examus, Julius

Der Kaufmann Julius Examus kam am 22. September 1861 als ältestes von neun Kindern von Simon Examus (geboren 1834) und Selma Examus (geboren 1864), geborene Blank, in Heiligenkirchen bei Detmold zur Welt. Julius hatte mit Gustav (geboren 1864), Albert (geboren 1866), Selma (geboren 1869), Bertha (geboren 1874), Martha Marianne (geboren 1875), Rosa (geboren 1877), David (geboren 1878) und Else (geboren 1885) acht jüngere Geschwister.

Julius Examus besuchte seit dem 9. Lebensjahr bis zur 7. Klasse das Gymnasium. Im Alter von 15 Jahren begann er eine Lehre und machte sich 1888 mit einem Konfektionswarengeschäft selbstständig. Im selben Jahr lernte er Bertha Klein kennen und sie heirateten. Die Eheleute bekamen mit Elisabeth (geboren 1889), Paula Margarethe (geboren 1891) und Martha (1893-1948) drei Töchter. Doch ihre Ehe war nicht glücklich und das Paar ließ sich um 1900 scheiden. Nach der Scheidung gab Julius Examus sein Konfektionswarengeschäft auf und führte für kurze Zeit ein Schuhgeschäft in Barmen. 

Anschließend wohnte er für ein Jahr in Holland und zog 1904 nach Düsseldorf auf die Benrather Straße 12. In Düsseldorf führte er ebenfalls ein Schuhwarengeschäft, was sich laut Angaben des Düsseldorfer Adressbuchs seit mindestens 1906 auf der Schadowstraße 47 befand, den Namen „Klein & Co.“ trug und zu diesem Zeitpunkt von seiner Schwester Bertha Examus betrieben wurde. 1905 zog Julius Examus von Düsseldorf nach Mönchengladbach in die Crefelder Straße, später umbenannt in Hindenburgstraße 104, wo er bis 1919 wohnte. Hier führte er sein eigenes Schuhhaus unter seinem Namen „Examus“. 

1919 verließ Julius Examus Mönchengladbach und zog nach Krefeld in die Nordstraße 54. Das Schuhgeschäft in Mönchengladbach übernahm sein Schwiegersohn Karl Hamburger, der mit Julius Examus‘ ältester Tochter Paula Margarethe verheiratet war. In der Ausgabe vom 4. März 1920 des Israelitischen Familienblattes inserierte er folgende Anzeige: „Ein alleinstehender Kaufmann, 50er Jahr., sucht per sofort eine Haushälterin, Witwe oder Fräulein, 30 bis 40 Jahre, bei event. dauernd. Stellung. Bild und Gehaltsansprüche an J. Examus, Krefeld, Nordstraße 54“.

Am 10. Oktober 1931 kehrte Julius Examus nach Mönchengladbach zurück, wo er bis 1934 auf der Hauptstraße 13 wohnte. Hier gründete er ein weiteres Schuhgeschäft. Auch in Mönchengladbach folgten mehrere Umzüge und 1934 zog Julius Examus in die Hindenburgstraße 104, wo noch immer das von seinem Schwiegersohn geführte Schuhhaus ansässig war. 1937 zog Julius Examus in die Bismarckstraße 104, wo er bis März 1939. Vermutlich in Folge der Pogrome zog er auf die Bismarckstraße 41. Julius Examus‘ jüngere Tochter Martha war seit 1921 mit dem Kaufmann Arthur Rosenthal (geboren 1891) verheiratet, der in Mönchengladbach ein Geschäft für Herrenmode führte. Sie hatten mit Ernst und Gert zwei Kinder. 1938 musste Arthur Rosenthal sein Geschäft in Folge der gewaltsamen Übergriffe auf die jüdische Bevölkerung aufgeben. Martha und Arthur Rosenthal zogen mit ihren Kindern nach Düsseldorf und emigrierten von hier nach dem Pogrom nach Bolivien.

Die ältere Tochter von Julius Examus, Paula Margarethe, emigrierte mit ihrem Mann Karl Hamburger im Mai 1939 nach Buenos Aires, während der 78-jährige Julius Examus in Mönchengladbach blieb. Sein Enkel Ernst Rosenthal erinnerte sich 1998: „Mein Opa (…) Julius Examus. Der ist zurückgeblieben. Den haben die Töchter zurückgelassen. Das wollte er, das hätten sie nicht gemacht. Er war schon 80. Der hat gesagt: ‚Nein. Nach Südamerika gehe ich nicht mit. Das überlebe ich gar nicht. Die Schiffsfahrt schon nicht.‘“

Im Juni 1941 wurde Julius Examus denunziert und zur Gestapo vorgeladen. Bei seinem Verhör gab er an, dass er sich in Folge eines Bombenangriffes bei den Bewohnern der zerstörten Wohnungen nach einer Frau namens Grete Dickmeis erkundigen wollte: „Es ist richtig, dass ich am 10. Juli 1941 meinen Weg über die Lothringerstr. genommen habe. Vorausschicken möchte ich, dass ich einen Freund besucht habe (…). Bei dieser Gelegenheit habe ich mich überlegt, ob ich nicht mal (…) Grete Dickmeis (…) aufsuchen könnte. Ich wollte ihr nur mein Bedauern zum Ausdruck bringen.“ Grete Dickmeis hatte wie Julius Examus auf der Bismarckstraße 41 zur Untermiete gewohnt, da ihre Wohnung in Folge eines vorherigen Bombenangriffes zerstört worden war. Bei seinen Erkundigungen begegneten man Julius Examus ablehnend. Er wurde bedroht und im Anschluss denunziert. Die Gestapo verfolgte ihren Verdacht auf Landesverrat nicht weiter, hielt in einem internen Bericht jedoch fest: „Wie die Ermittlungen ergaben, handelt es sich bei dem Juden Examus um eine Person, die nahezu 80 Jahre alt ist. Wenn er nun die Frl. Grete Dickmeis aufsuchen wollte (…), so liegt das an der Neugierde des alten Israeliten. Er wollte sich lediglich die alten Häuser bezw. Wohnungen ansehen. (…) Ein Sp. Verdacht konnte nicht als begründet erwiesen werden. Er handelte ausschließlich aus Neugierde heraus. Dem Hebräer wurde die Auflage erteilt, keine Brandstellen mehr aufzusuchen, die durch Feindeinwirkungen entstanden sind.“

Im Februar 1942 folgte in Mönchengladbach der letzte Umzug auf die Knopstraße 31. Von hier zog Julius Examus nur wenige Monate später in das jüdische Altenheim auf der Grafenberger Allee 78 in Düsseldorf. Sein Einzug wurde im Hausbuch für den 3. Juni 1942 vermerkt. Am 21. Juli 1942 wurde der fast 81-jährige Julius Examus von Düsseldorf aus in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Am 21. September 1942 wurde er aus dem Ghetto Theresienstadt in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und ermordet.

Autorin: Frederike Krenz, Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf