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Gedenkbuch

Oppenheim, Klothilde Tilli

geb. Stern

Klothilde Stern wurde am 1. Februar 1893 als Tochter von Siegmund und Sara Stern, geborene Levi, im hessischen Meerholz geboren. In ihrer Familie wurde sie mit dem Spitznamen Tilli angeredet. Tilli Stern hatte sechs Geschwister: Leo Stern (1877-1947), Dora (1880-1972), Katinka (1884-1966), Moritz (1885-1942) und Selma (1887-1942). Ihre Schwester Betty Paula verstarb im Alter von drei Jahren.

Klothilde Stern verdiente ihren Lebensunterhalt als Schneiderin. Am 9. April 1916 verstarb ihre Mutter in Meerholz. Knapp drei Jahre später starb auch ihr Vater. Sie inserierten eine Todesanzeige im Israelitischen Familienblatt in der Ausgabe vom 7. August 1919 mit dem Text: „Heute Morgen ist unser lieber, guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Siegmund Stern nach kurzer, schwerer Krankheit im vollendeten 70. Lebensjahr uns durch den Tod entrissen worden. Meerholz, den 1. August 1919. Die tieftrauerden Hinterbliebenen“.

1921 heiratete Klothilde Stern in Meerholz den Kaufmann Samuel Oppenheim. Sie zog nach der Hochzeit zu ihm nach Düsseldorf. Zusammen wohnte das Paar in der Karolingerstraße 55 in Düsseldorf. Ihr Mann Samuel Oppenheim und dessen jüngerer Bruder Max (geboren 1892) führten in Düsseldorf die Firma „Gebrüder Oppenheim“, technische Öle und Fette. 1926 befand sich die Firma „Gebrüder Oppenheim“ auf der Kirchfeldstraße 139.

Samuel und Tilli Oppenheim blieben auch in der NS-Zeit in Düsseldorf in der Karolingerstraße 55 wohnen. 

Am 27. Oktober 1941 wurden sie in das Ghetto Litzmannstadt/Łódź deportiert. Dort mussten sie mit weiteren Deportierten im Zimmer 3 der Kollektivunterkunft Fischstraße 15 wohnen. Am 5. und 6. Dezember 1941 verfasste das Ehepaar Oppenheim mehrere Postkarten. An ihre ehemalige Nachbarin Magdalene Garvelmann schrieb sie am 5. Dezember 1941 aus dem Ghetto von Litzmannstadt/Łódź: „Liebe Frau Garvelmann! Hoffe, daß m. Zeilen Sie mit Ihrer Familie wohl & munter antreffen, von uns kann G.s.D. auch berichten, daß wir gesund & munter sind. Geldsendungen sind in unbegrenzter Höhe gestattet, Pakete nicht. Was gibt es Neues, was macht Ihr Vater, sicher haben Sie ihn wieder besucht. Wir würden uns sehr freuen, bald von Ihnen was zu hören. Noch viele Grüße für Sie & Ihre Familie, Ihre Klothilde Oppenheim [andere Schrift] Herzl. Grüße Samuel Oppenheim.

An ihren Bruder Moritz Stern in Offenbach schrieb sie am gleichen Tag und begann mit dem fast identischen Text: „Meine Lieben! Hoffe, daß Euch unsere Zeilen wohl & munter antreffen, auch kann ich von uns G.s.D. auch berichten, daß wir gesund & munter sind. Was macht l. Kalinka, hoffentlich fühlt sie sich wieder wohl, hoffe von l. Leo & Selma das gleiche. Geldsendungen sind an uns gestattet, Pakete nicht. L. Moritz & l. Hilde, wir würden uns freuen, wenn bald von Euch hören. Bleibt weiter gesund & mit herzlichen Grüßen & Küssen verbleibe Eure Tilli [andere Schrift] Herzl. Grüße Samuel

Ihr Bruder Moritz Stern und dessen Frau Hilde waren jedoch auch deportiert worden. Die ebenfalls angesprochene Schwester, die Witwe Selma Oppenheimer, geborene Stern, die in Gießen lebte, wurde später über Darmstadt deportiert.

Nach dem Tod ihres Mannes am 9. Mai 1942 im Ghetto von Litzmannstadt/Łódź und der Auflösung der Kollektivunterkünfte (Mitte Mai 1942) konnte Klothilde Oppenheim am 19. Mai 1942 in die Wohnung 17 in der Fischstraße 16 ziehen. 1943 musste sie in das Krankenhaus des Ghettos eingeliefert werden. Klothilde Oppenheim verstarb am 6. Juni 1943 im Ghetto von Litzmannstadt/Łódź. Die offizielle Todesursache wurde mit „Herzschlag“ angegeben.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf