Gedenkbuch

Katzenstein, Bernhard

Bernhard Katzenstein kam am 14. April 1880 als Sohn des Lehrers und Kantors Sußmann Katzenstein (1853-1916) und seiner Frau Betty Katzenstein (1857-1903), geborene Bacharach, in Wetzlar zur Welt. Mit Josef (geboren 1879) hatte er einen älteren Bruder. Es folgten die jüngeren Geschwister Clara (geboren 1882), Albert (geboren 1884), Fanny (geboren 1888) und Arthur (geboren 1893).
1903 verstarb Bernhards Mutter Betty Katzenstein im Alter von 46 Jahren. Sein Vater Sußmann heiratete noch im selben Jahr Emilie Peyser. Sie war die Schwester von Flora Peyser aus Bromberg, die Julius Badt heiratete und mit ihm zunächst in Breslau und später in Berlin lebte. Am 27. Februar 1884 kam in Breslau ihre Tochter Magda Badt zur Welt.

Am 18. März 1909 heirateten in Berlin Bernhard Katzenstein und Magda Badt. Das Ehepaar bekam zwei Söhne, die beide in Berlin geboren wurden: Heinz Fritz Katzenstein (geboren am 13. Februar 1910) und Günther Julius Katzenstein (geboren am 24. September 1920). Bernhard Katzenstein hatte als Soldat im Ersten Weltkrieg gekämpft und war mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden.

Die Familie Katzenstein zog 1924 nach Düsseldorf und wohnte bis 1932 in der ersten Etage auf der Herzogstraße 32. Am Schwanenmarkt 13 betrieb Bernhard Katzenstein eine Vertretung für Stoffe und Gardinen. Die Kontakte für die Firma „Rudolf Mehrgut“, für die er arbeitete, kamen über die Schwester seiner Frau, Gertrud Mehrgut, geborene Badt (1885-1977).

Auch Bernhards Bruder Albert Katzenstein lebte in Düsseldorf. Er hatte die Düsseldorferin Erna Hartoch geheiratet und arbeitete für das gleichnamige Warenhaus in der Düsseldorfer Altstadt. Er wohnte mit seiner Frau und den zwei Töchtern Lotte und Gerda in der Steinstraße 82. Bernhard Katzenstein und seine Familie zogen 1933 nur einige Häuser weiter in der Nummer 67 (heute Stresemannstraße 29). Im hinteren Teil der Wohnung lebte die Familie privat. Am 14. Oktober 1933 wurde hier Günthers Barmitzwa gefeiert. Der vordere Teil der Wohnung diente Bernhard Katzenstein als Geschäftsräume.

In der Pogromnacht vom 10. November 1938 wurde ihre Wohnungseinrichtung in der Steinstraße 67 vollständig zertrümmert. Bernhards jüngerer Sohn Günther Katzenstein erinnerte sich in einem Interview an die Ereignisse: „Ja, dort haben wir gewohnt bis zur „Kristallnacht“. Dort hat man alles rausgeworfen, dort auf einen Trümmerhaufen oben, dort hat alles gesessen. (…) Und dann waren wir ja gezwungen, erstmal die ganzen Schäden zu bezahlen, die entstanden waren. Wir hatten einen Mignon-Flügel, einen Bechstein, der ging durch das Fenster auf die Straße. (…) Jedenfalls von dort mussten wir raus, aus der Steinstraße.“

Während der ältere Sohn Heinz 1939 nach Großbritannien emigrieren konnte, blieb der jüngere Günther bei den Eltern. In Folge des Pogroms zog die Familie auf die Aderstraße 8. Ende Oktober 1941 erhielten Bernhard, Magda und Günther Katzenstein die Aufforderung zur „Ausreise“ nach Minsk. Der Transport in das Ghetto ging am 10. November 1941 vom Güterbahnhof Düsseldorf-Derendorf ab. Mit deportiert wurden auch Günthers „halb-jüdische“ Verlobte Rosa Thielen und deren Bruder Max sowie Bernhards Bruder Albert Katzenstein und dessen Frau Erna. Aus dem Ghetto Minsk sind keine Dokumente überliefert, die Bernhard und Magda Katzensteins weiteren Weg dokumentieren. Doch Günther Katzenstein schrieb in einem Brief im Jahr 1966: „Meine Mutter starb nach ungefähr 5 Monaten an Hunger, mein Vater wurde bei einer Aktion erschossen und meine Verlobte wurde ebenfalls umgebracht.“
Günther Katzenstein gelangte über verschiedene Arbeitslager 1945 ins Lager Bergen-Belsen und erlebte dort schwerkrank die Befreiung des Lagers. Nach dem Krieg lebte er in Schweden.

Autorinnen: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, und Frederike Krenz, Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf