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Gedenkbuch

Lichtigfeld, Leo Wolf

Leo Wolf Lichtigfeld wurde am 20. Juni 1889 als Sohn des Händlers Josua Lichtigfeld und dessen Frau Klara, geborene Weissberg, im ostgalizischen Bursztyn im Kreis Lemberg geboren. Er hatte fünf Brüder: Jakob Elia, Simon Paul, Emil Isaak, Lorenz und Adolf. Alle wurden wie er in Ostgalizien geboren, nur sein jüngster Bruder Adolf kam 1904 in Düsseldorf zur Welt, wohin die gesamte Familie ausgewandert war. Sein Vater Josua Lichtigfeld (20.10.1860 Lecaysk – 10.03.1919 Düsseldorf) verdiente das Geld für die Familie als Eierhändler. Trotz der großen Familie konnten Leo Lichtigfeld studieren. Wie sein Bruder Isaak Emil studierte Leo Jura und schloss sein Studium mit der Promotion ab. 

Beide Brüder nahmen als Kriegsfreiwillige an den Kämpfen des Ersten Weltkriegs teil, Leo Lichtigfeld, im 15. Infanterieregiment. Am 25. Februar 1917 wurde er zum Offiziersstellvertreter ernannt, und am 30. März 1917 wurde ihm das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen. Auch sein Bruder, der in den Schlachten um Langemarck und bei Ypern gekämpft hatte, wurde zum Leutnant der deutschen Armee befördert.

Leo Lichtigfeld kehrte nach Düsseldorf zurück und war seit dem 10. Oktober 1921 als Rechtsanwalt beim Amts- und Landgericht Düsseldorf zugelassen. Im darauffolgenden Jahr, 1922, ließ sich auch sein Bruder als Rechtsanwalt beim Landgericht Düsseldorf nieder – Leo als „Lichtigfeld I“ und sein Bruder als „Lichtigfeld II“. Die Rechtsanwaltsbüros führte Leo Lichtigfeld in der Oststraße 115/117.

Am 6. September 1931 heiratete  Leo Lichtigfeld die ebenfalls aus Galizien stammende Schneiderin Sala Weissberg und wohnte mit ihr in der Düsseldorfer Königsallee 19. 1924 wurde Leo Lichtigfeld in den Vorstand der Synagogengemeinde Düsseldorf gewählt. 1933 zog das Ehepaar Lichtigfeld von der Königsallee 19 in eine Wohnung in der Königsallee 86, zwei Jahre später wohnten sie bei der Mutter von Leo Lichtigfeld in der Schadowstraße 26.

Obwohl Leo Lichtigfeld eigentlich bis zum 30. November 1938 als Rechtsanwalt beim Amts- und Landgericht Düsseldorf zugelassen war, musste er seine Kanzlei 1937 aufgeben. Sie wurde 1937 vom „arischen“ Rechtsanwalt Dr. Fritz Schmitz übernommen. Im gleichen Jahr zog das Ehepaar Lichtigfeld in die Leopoldstraße 48. Dieses Haus gehörte seiner Mutter Klara Lichtigfeld. In der Pogromnacht 1938 wurden sie in der Wohnung überfallen und Wertsachen in der Wohnung zerstört oder entwendet.

Am 25. November 1938 wurde Leo Lichtigfeld als „jüdischer Konsulent“ zugelassen. Er durfte nur für jüdische Firmen und Personen als Vermögens- und Konkursverwalter sowie als Rechtsanwalt arbeiten. Die Gestapo verhängte eine Postkontrolle über ihn. Am 14. März 1939 emigrierte seine Mutter nach London. Im gleichen Monat musste das Ehepaar Lichtigfeld umziehen. Sie wohnten zunächst in der Prinz-Georg-Straße 114, und zuletzt lebte das Ehepaar in der Wagnerstraße 7. Am 20. November 1940 versuchte Leo Lichtigfeld beim Arbeitsamt Düsseldorf seine Freistellung vom Zwangsarbeitseinsatz zu erreichen. Er begründete dies mit seinen Tätigkeiten als Vermögensverwalter und Rechtsanwalt. Währenddessen ermittelte die Gestapo Düsseldorf gegen ihn wegen unerlaubter Devisenberatung.

Leo Lichtigfeld wurde am 27. Oktober 1941 zusammen mit seiner Frau Sala von Düsseldorf in das Ghetto von Litzmannstadt/Łódź deportiert. Nach ihrer Deportation wurde ihr gesamtes Vermögen beschlagnahmt, u.a. Versicherungen bei der „Victoria Lebensversicherungs AG“.

Im Ghetto musste das Ehepaar Lichtigfeld im Zimmer 6 der Kollektivunterkunft Fischstraße 15 leben. Am 4. und 7. Dezember 1941 konnte Leo Lichtigfeld zwei Postkarten aus dem Ghetto an Bekannte in Düsseldorf schicken. Darin bat er um die Nachsendung von Post und um die Überweisung von 20 RM. Beide Postkarten kamen bei ihren Adressaten an. Als Absender war auf der Postkarte „Fischstr. 15/6“ durchgestrichen und „Alexanderhofstraße 46/21“ angegeben.

Die Gestapo Düsseldorf unterrichtete am 21. Februar 1942 die Zollfahndungsstelle Düsseldorf darüber, dass das Devisenstrafverfahren gegen Dr. Leo Lichtigfeld „wegen Abwesenheit des Beschuldigten eingestellt“ sei.

Im Ghetto konnte Leo Lichtigfeld durch den Nachweis seiner Verdienste im Ersten Weltkrieg für sich und seine Frau die Zurückstellung vom IV. „Aussiedlungstransport“ am 7. Mai 1942 erreichen. Nach der Auflösung der Kollektivunterkünfte Mitte Mai 1942 zogen sie am 19. Mai 1942 in die Wohnung 13 in der Sperlinggasse 12. Ob Leo Lichtigfeld vor seinem Tod durch eine Lungenentzündung am 29. Juli 1942 im Ghetto von Litzmannstadt/Łódź noch in das Krankenhaus des Ghettos eingeliefert wurde, ist bisher unklar. Der Vermerk „Hospital“ für den 26. Juli 1942 wurde im Evidenzbuch der Kartenabteilung durchgestrichen.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf