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Gedenkbuch

Gumpert, Georg

Der Kaufmann Georg Gumpert stammte aus Zanow, einer Stadt im preußischen Regierungsbezirk Köslin, Kreis Schlawe. Dort war er am 6. Mai 1894 als Sohn des Kaufmanns Max Gumpert und dessen erster Ehefrau Selma, geborene Crohn, zur Welt gekommen. Er hatte noch zwei Brüder, Martin Gumpert (1890 Zanow–1968 USA) und Alfred (25.04.1891 Zanow – 25.06.1942 KZ Mauthausen). Die Mutter starb, als Georg fast fünf Jahre alt war. Im Jahr 1900 heiratete sein Vater Johanna Behrend, die Georg und seine Brüder großzog. 1905 gab es in Zanow drei Zementwarenfabriken, eine Molkerei, Vieh- und Pferdemärkte, und es lebten dort 2795 Einwohner, unter ihnen waren 40 Katholiken und 24 Juden. Da sein Bruder Martin Gumpert 1938 noch in Fürth ein Zementwarengeschäft unterhielt, ist es gut möglich, dass der Vater Max Gumpert in dieser Branche tätig war.

Georg Gumpert kämpfte im Ersten Weltkrieg als Soldat und bekam das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen. Am 3. November 1921 zog er von Zanow nach Düsseldorf. Dort wohnte er zunächst in der Grupellostraße 4. Am 25. Juni 1929 heiratete er Ruth Sachs aus Breslau und zog mit ihr in die Grafenberger Allee 155. Hier betrieb Georg Gumpert eine Heu- und Strohgroßhandlung. Am 27. Juli 1932 verstarb sein Vater im Alter von 75 Jahren in Zanow.

In der Folge des Novemberpogroms 1938 wurde das Ehepaar Gumpert in Düsseldorf in seiner 4-Zimmer-Wohnung überfallen und die Einrichtung demoliert. Lediglich ein Stuhl und ein Sofa blieben heil. Außerdem wurde von ihm Bargeld in Höhe von 100 RM „beschlagnahmt“. Georg Gumpert wurde verhaftet und vom 10. bis zum 16. November 1938 im Polizeigefängnis Düsseldorf festgehalten. Danach wurde er als „Schutzhäftling“ in das Konzentrationslager Dachau überführt. Unter der Häftlingsnummer 27952 war Georg Gumpert bis zum 5. Dezember 1938 im Konzentrationslager Dachau inhaftiert und konnte dann zu seiner Frau in die demolierte Wohnung auf der Grafenberger Allee 155 zurückkehren.

Vom 6. Januar bis zum 6. April 1939 wohnte das Ehepaar Gumpert in der Freytagstraße 8 und danach in einem sogenannten „Judenhaus“ in Oberkassel, Teutonenstraße 9. Im Frühjahr 1940 versuchte Georg Gumpert die Ausreise zu organisieren und überwies dazu am 10. April 1940 für Umzugsgut und zur Vorbereitung der Auswanderung 755 RM von seinem Breslauer Konto bei der Deutschen Bank. Die Auswanderung gelang allerdings nicht. 

Am 27. Oktober 1941 wurde Georg Gumpert mit seiner Ehefrau von Düsseldorf in das Ghetto von Litzmannstadt/Łódź deportiert. Sie mussten in das Zimmer 9 der Kollektivunterkunft Fischstraße 21 einziehen. Vom 2. Februar 1942 bis zum 1. Mai 1942 war Georg Gumpert als Tagelöhner bei der Wirtschaftsabteilung „Hausverwaltung“ in Marysin beschäftigt. Er bekam dort täglich 3 Mark als Lohn ausgezahlt. Anfang Mai 1942 sollte er mit seiner Frau aus dem Ghetto von Litzmannstadt/Łódź „ausgesiedelt“ werden. Er konnte jedoch mit Hinweis auf seine Auszeichnungen als Soldat und seine Tätigkeit erreichen, vom XI. Transport am 14. Mai 1942 zurückgestellt zu werden. Georg Gumpert verstarb am 5. Juni 1942 im Ghetto von Litzmannstadt/Łódź.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf