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Gedenkbuch

Löwenstein, Hugo

Am 5. Januar 1889 wurde Hugo Löwenstein in Bocholt geboren. Seine Eltern waren Samuel Löwenstein (20.05.1857 Rhede – 27.03.1932 Bocholt) und Adele Löwenstein, geborene Cahn (22.01.1854 Gladbach – 13.02.1935 Krefeld). Er hatte noch eine Schwester: Dina Sternberg, geborene Löwenstein (1891-1943).

Hugo Löwenstein kämpfte als Kriegsfreiwilliger der 8. Batterie der Reserve-Feldartillerie der 17. Reserve-Division im Ersten Weltkrieg. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Nach dem Krieg arbeitete er als Kaufmann für Getreide und Futtermittel in Düsseldorf, und er wohnte mit seiner Frau Johanna, geborene Davids, und den beiden Söhnen Rudi (geboren 1921) und Kurt (geboren 1923) in der Harleßstraße 5.

1935 wurde Hugo Löwenstein von der Gestapo beschuldigt, Geld über Strohmänner nach Holland transferiert zu haben und sich damit eines Devisenvergehens schuldig gemacht zu haben. Ihm wurde Fluchtgefahr unterstellt und dies als Vorwand genommen, um am 28. November 1935 in seine Wohnung einzubrechen und Gegenstände im Wert von 1.000 RM zu entwenden. Im Verfahren wurde er freigesprochen. 

1937 versuchte Hugo Löwenstein, Reisepässe zur Ausreise nach Australien zu beantragen. Am 10. November 1938 wurde er mit seinen beiden Söhnen in der Wohnung der Familie von Arthur Cohen verhaftet und im Polizeigefängnis Düsseldorf festgehalten. Der 15-jährige Kurt wurde am 12. November 1938 wieder entlassen, sein Bruder Rudi und sein Vater Hugo Löwenstein wurden am 16./17. November 1938 in das Konzentrationslager Dachau gebracht und im Block 30, Stube 3, eingesperrt. Hugo Löwenstein erhielt die Häftlingsnummer 27975. Im Dezember 1938 konnten beide wieder nach Düsseldorf zurückkehren. 

Schweren Herzens trennten sich 1939 Hugo und Johanna Löwenstein von ihren Söhnen, die mit einem Kindertransport nach England einreisen konnten. Das Ehepaar Löwenstein betrieb verzweifelt seine eigene Ausreise – erfolglos. Am 30. Juni 1941 wurden sie gezwungen, aus ihrer Wohnung in der Harleßstraße 5 in ein sogenanntes „Judenhaus“ in der Graf-Recke-Straße 21 umzuziehen. 

Hugo Löwenstein musste in der NS-Zeit im sogenannten „geschlossenen Jüdischen Arbeitseinsatz“ Zwangsarbeit leisten. An seine Söhne schrieb er darüber am 22. Dezember 1940: „Meine Lieben Alle: Hier ist seit einigen Tagen strenger Winter, Frost & Schnee & ist es im warmen Zimmer am gemütlichsten, ich muss aber den gz. Tag draussen arbeiten & habe dadurch an den Füssen starken Frost […]

Hugo und Johanna Löwenstein wurden am 27. Oktober 1941 von Düsseldorf in das Ghetto von Litzmannstadt/Łódź deportiert. Sie mussten dort mit weiteren Kollektivmitgliedern im Zimmer 9 der Kollektivunterkunft Fischstraße 15 leben. Seine Schwester Dina Sternberg, geborene Löwenstein, schrieb am 29. November 1941 aus Aachen an Rudi Löwenstein in England: „Vor einigen Wochen war ich in Düsseldorf und habe mich von deinen Eltern verabschiedet. Dieselben sind ausgewandert und haben jetzt folgende Adresse: Litzmannstadt-Getto, postlagernd und 1 Düsseldorfer Transport. Du willst also in Zukunft dorthin schreiben. Onkel Artur und Aenne sind auch mit und der alte Opa ist noch in Düsseldorf. Ich habe eine Karte von dort bekommen und es geht ihnen gut. […]

Hugo Löwenstein wurde am 31. Dezember 1941 in ein Krankenhaus des Ghettos eingeliefert. Im Mai 1942 gelang es ihm durch den Nachweis seiner Kriegsauszeichnungen, sich und seine Frau vor der Deportation mit dem IV. Transport am 7. Mai 1942 zurückstellen zu lassen. 

Nach der Auflösung der Kollektivunterkünfte im Mai 1942 zog Hugo Löwenstein mit seiner Frau innerhalb des Ghettos in die Wohnung 15 in der Fischstraße 30 um. Er verstarb am 24. Dezember 1942 im Ghetto von Litzmannstadt/Łódź. Als offizielle Todesursache wurde „Herzasthma“ angegeben.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf