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Gedenkbuch

Malsch, Amalie

geb. Samuel

Amalie Samuel wurde am 17. September 1889 als Tochter des Düsseldorfer Metzgers Moses Samuel und dessen Frau Caroline, geborene Platz, in Düsseldorf geboren. Die Familie wohnte in der Herzogstraße 58. Als Amalie 14 Jahre alt war, verstarb ihr Vater und wurde auf dem alten jüdischen Friedhof an der Ulmenstraße begraben.
Amalie Samuel heiratete Paul Malsch, und am 23. Juli 1913 wurde ihr einziges Kind Willy in Düsseldorf geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte ihr Mann als Soldat, während die junge Mutter in Düsseldorf lebte. In dieser Zeit führte ihr Mann Paul Malsch in Düsseldorf in der Kurfürstenstraße 63 (1. Etage) seinen Großbetrieb feiner Lederwaren. 1931 war das Geschäft für Koffer & Lederwaren im Düsseldorfer Adressbuch unter der Adresse Erasmusstraße 24 verzeichnet.

Am 19. April 1930 verstarb ihre Mutter Caroline Samuel in Düsseldorf. Seit dem 2. Juni 1932 wohnte die Familie Malsch in Düsseldorf in der zweiten Etage im Haus Adersstraße 77. Amalie Malsch kümmerte sich als Hausfrau um die täglichen Belange, während ihr Ehemann als Vertreter für Koffer den Lebensunterhalt der Familie verdiente. Durch die Boykottmaßnahmen der Nationalsozialisten wurde die finanzielle Situation für das Ehepaar immer schwieriger.
Ihr Sohn Willy emigrierte 1937 nach Amerika. Amalie Malsch und ihr Mann standen danach in regem Briefkontakt mit ihm. So schrieb ihm Amalie Malsch z.B. am 20. Juni 1937 über Emigrationsbemühungen von Freunden und Bekannten: „Frau Kahn muß am 28. d.M.s. nach Stuttgart, hat sich schon bei Meyerhoff zum 28. Juli mit der Lcythia die Karten bestellt, vorausgesetzt dass in St. alles klappt. Ihre Mutter ist sehr betrübt, ist ja schlimm für alte Leute, Du kennst ja Frau Simons. Wann werden wir einmal so weit sein? Hoffentlich recht bald. Für Linke kann Papa auch nichts mehr machen, er hat kein Leder mehr. Und über die kleinen Alltagsfreuden: „heute Samstag, haben wir bei Karema drinnen gesessen, mit Fam. Wallach und Blech. Übrigens ein ganz guter Witz. Herr Marcus und Frau sind doch zu den Gästen so unfreundlich, da sagte vorige Woche Frau Back zu mir, ihre Bekannten sagten immer „wir wollen ein bisschen zum Uerigen gehen“, das verstehst du doch hoffentlich noch als alter Düsseldorfer?? (…)  

Seit der Emigration ihres Sohnes planten auch Amalie und Paul Malsch ihre Auswanderung in die USA. Doch das Vorhaben scheiterte; auch weil ihr Mann ein Ohrenleiden hatte, was eine höhere Summe der Bürgschaft in den USA zur Folge hatte. So schrieb sie zusammen mit ihrem Mann am 5. Mai 1939 an ihren Sohn Willy in die USA: „Heute vor einem Jahr waren wir in Stuttgart, was wäre uns alles erspart geblieben, wenn es dort geklappt hätte. Wir dürfen gar nicht mehr daran denken. […] So vergeht Monat um Monat, und wir sitzen immer noch hier und kommen & kommen nicht heraus, es ist oft zum Verzweifeln.“ Über die Unterkunft – ein Zimmer im Haus Karl-Anton-Straße 2, wo das Ehepaar seit dem 28. Dezember 1938 wohnte – schrieb Amalie Malsch im August 1939 an ihren Sohn: „Auch hier das Zimmer ist schlimm, kein Wasser, kein Gas, wo ich drauf kochen kann. Wir haben einen kleinen Spiritus-Kocher, dann haben wir einen kleinen Elektrischen Kocher gekauft, ist aber auf die Dauer zu teuer mit dem Strom, es ist doch alles nichts mehr. Ungeziefer haben wir auch, was wir doch nie in unserem Leben gekannt haben, und dann die furchtbar dreckigen St. dazu, ich muß oft beide Augen zudrücken zu allem, und die teure Miete 30 Mark für ein Zimmer. Ein anderes Zimmer ist überhaupt nicht zu haben, da muß man auch froh sein, wenn man das überhaupt hat. Wir dachten im Winter, es wäre nur für eine kurze Zeit, da haben wir uns aber schwer getäuscht. […] Wir sind innerlich und äußerlich recht alt geworden, ist das denn ein Wunder? Ich muß den l. Papa oft noch aufmuntern, wo mir bald selbst oft das Herz zum zerspringen ist.“

Seit Mai 1940 arbeitete Amalie Malsch in Düsseldorf, um die spärlichen Einnahmen aus der Zwangsarbeit ihres Mannes etwas aufzustocken. Ihr Arbeitsbuch trug die Nummer 169/258364. Im Juli 1941 verbrachten sie einige Ferientage außerhalb von Düsseldorf, auch um die tiefe Enttäuschung nach dem Scheitern der Emigration zu verkraften: „Wir waren einmal auf dem Dorfe Hemmerden bei Neuss, wo die l. Mama Bekannte hat von Omas Zeiten. Man kannte auch dort noch das Malchen Samuel“, schrieb Paul Malsch seinem Sohn am 13. Juli 1941.

Amalie Malsch wurde am 27. Oktober 1941 mit ihrem Mann vom Derendorfer Güterbahnhof in das Ghetto von Litzmannstadt/Łódź deportiert. Am 11. November 1941 verfasste Thekla Rosenthal, Karl-Anton-Straße 11, einen Brief an Willy Malsch in den USA. Sie schrieb: „Ich bin befreundet mit Ihren Eltern, Ihr Vater u. ich sind aus Walldorf. Ihre Mutter hat bei uns gearbeitet. Zu Ihrer Beruhigung kann ich Ihnen sagen, Ihre Eltern sind ruhig und voll Zuversicht gefahren. Ihre Mutter habe ich geradezu bewundert, so etwas von Ruhe und Vertrauen habe ich noch nicht gesehen. Der Gedanke, dass sie doch noch zu Ihnen kommen werden, hat sie hoch gehalten. […] Ihre Eltern sind in ihrer treuen innigen Liebe sich gegenseitig eine große Stütze. Die Gemeinde hat nach wenigen Tagen die Nachricht einer guten Ankunft erhalten. Dann trat eine 4 Wochen Briefsperre ein.[…]“

Im Ghetto blieb Amalie Malsch mit ihrem Mann zusammen in der Unterkunft des „Düsseldorfer Kollektivs“. Beide wurden am 6. Mai 1942 aus dem Ghetto von Litzmannstadt/Łódź mit dem III. Transport nach Chełmno gebracht und dort am nächsten Tag ermordet.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf