Gedenkbuch

Sabel, Fritz

Fritz (Friedrich) Sabel kam am 3. November 1870 in Düsseldorf zur Welt. Seine Eltern Leopold Louis Sabel und Charlotte Horn hatten noch acht weitere Kinder. Sein Vater stammte aus Hildesheim, seine Mutter war gebürtige Düsseldorferin. 1880 zog die Familie nach Hildesheim. Fritz Sabel erhielt eine kaufmännische Ausbildung. Am 3. Oktober 1899 heiratete Fitz Sabel in Düsseldorf Mathilde Horn. Seine Frau war am 8. Februar 1877 in Düsseldorf geboren worden. Im Kreise ihrer Familie wurde sie Tilly genannt. Eine gemeinsame Firma, das Haushaltswarengeschäft „Fritz Sabel“, ließen sie am 2. April 1900 in das Düsseldorfer Handelsregister eintragen. Die Geschäftsräume lagen später in der Friedrichstraße 26. Sein Sohn Alfred Louis wurde am 1. September 1900 in Düsseldorf geboren. Am 25. April 1905 kam in Düsseldorf die Tochter Ilse zur Welt. Die Familie wohnte auch zunächst in der Friedrichstraße 26. 1926 suchte seine Frau Mathilde per Anzeige ein „Tüchtiges erfahrenes Alleinmädchen mit guten Kochkenntnissen“, möglicherweise arbeitete sie in dieser Zeit wieder intensiver im Geschäft mit. Ein Jahr später jedoch richteten sie einen großen Ausverkauf aus, um das Geschäft aufzugeben.

In den 1930er Jahren wohnte Fritz Sabel mit seiner Familie in der Beethovenstraße 35. Am 16. August 1933 feierte sein Schwiegervater Moritz Horn seinen 85. Geburtstag. Die Gemeindezeitung für den Synagogenbezirk Düsseldorf berichtete darüber. Am 5. April 1936 verstarb Moritz Horn in Düsseldorf. Er wurde auf dem neuen jüdischen Friedhof begraben.

Am 9. November 1938 wurden Fritz Sabel und seine Frau in ihrer Wohnung in der Beethovenstraße 35 überfallen und die gesamte Wohnung kurz und klein geschlagen. Sein Sohn Alfred Sabel lebte 1938 in Duisburg in der Fuldastraße 7. Im Zuge des Novemberpogroms wurde auch er überfallen. Er wurde verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau eingewiesen. Sicherlich waren diese Ereignisse ein Grund mehr für die Emigration der Familie.

Fritz Sabel zog mit seiner Ehefrau am 13. Januar 1939 von Düsseldorf in die Niederlande. Die Grenze überschritten sie in Nijmegen mit dem Zug. Ihre erste Meldeadresse in Amsterdam war Oost Handelskade 34. Es handelte sich um das Lloydhotel am Hafen von Amsterdam. Es war als Auswanderer-Hotel 1921 errichtet worden und bis 1936 in dieser Funktion in Betrieb. Nach der Fluchtwelle nach den Pogromereignissen in Deutschland 1938, war es Anfang 1939 wieder für deutsch-jüdische Flüchtlinge geöffnet worden. Am 3. Juli 1939 konnten Fritz Sabel und seine Frau das überfüllte Hotel verlassen und in das Haus Merwedeplein 7 II ziehen. Hier wohnten sie zur Untermiete bei der Familie Blumenau. Rudolf Blumenau war mit seiner Frau Gertrud und seiner Mutter Bertha ebenfalls aus Deutschland in die Niederlande geflüchtet.

Am 22. September 1939 zogen Fritz und Mathilde Sabel um in die Gaaspstraat 71 bov. Auch in dieser Wohnung lebten sie nur zur Untermiete. Das Ehepaar, das sie aufnahm, war Walter und Lili Stern, geborene Ostberg. Sie waren um die Jahreswende 1937/38 aus Berlin in die Niederlande geflüchtet. Am 18. Juli 1940 bezogen Fritz und Mathilde Sabel eine Wohnung in der Uiterwaardenstraat 60 Ihg. Seine Tochter Ilse heiratete am 30. Oktober 1940 in Amsterdam den Bankier Siegmund Herbert Kaufmann. Er war 1904 in Mannheim zur Welt gekommen. Ilse war bereits im Oktober 1933 in die Niederlande emigriert. Aus Eindhoven war sie 1936 nach Amsterdam gezogen. Ab dem 6. August 1937 hatte sie unter der Adresse Merwedeplein 7 II gewohnt und im Jahr 1939 kurzzeitig ihre Eltern aufgenommen. Seit dem 18. Juli 1940 wohnte Ilse mit ihrem Mann in der Gaaspstraat 65 II.

Im Sommer 1942 begannen auch in den Niederlanden die Vorbereitungen zur Deportation in die Vernichtungslager. Erste Razzien und Deportationen erfolgten. Getarnt waren die Transporte als angebliche „Arbeitseinsätze“. Ab dem 30. April 1943 lebten Fritz und Mathilde Sabel in der Wohnung ihrer Tochter in der Gaaspstraat 65 II. Am 1. Mai 1943 wurde seine Frau Mathilde Sabel in der Wohnung von der berüchtigten Kolonne Henneicke aufgespürt und verhaftet. Ab dem 5. Mai 1943 befand sie sich bereits im Judendurchgangslager Westerbork. Dort wurde sie der Baracke 55 zugewiesen. Auf der Meldekarte von Fritz Sabel wurde vermerkt, dass er erst einen Tag später ins Lager eingewiesen und auch einer anderen Baracke zugewiesen wurde (Bar. 84). Er war vermutlich bei der Verhaftung seiner Frau nicht zuhause gewesen.

Die Kolonne Henneicke bestand aus insgesamt 54 niederländischen Männern, die als Kopfgeldjäger untergetauchte Juden an die deutschen Behörden meldeten. Geleitet wurde die Gruppe von Willem Briedé und Wim Henneicke. Angestellt waren diese Männer bei der Hausrat-Erfassungsstelle der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“. Die Abteilung sollte das Eigentum der deportierten Juden registrieren und dann verwalten und verkaufen. Nach den großen Razzien und Deportationswellen begannen die Männer um Briedé und Henneicke gezielt damit untergetauchte Juden zu jagen. Von März bis September 1943 haben sie in Amsterdam und Umgebung mehr als 8.000 Juden aufgespürt. Für jeden, den sie auslieferten, erhielten sie zusätzlich zu ihrem regulären Gehalt (etwa 200 bis 270 Gulden) jeweils 7,50 Gulden. So erhielten sie auch 15 Gulden für das Düsseldorfer Ehepaar Sabel.

Am 15. Mai 1943 wurde das Zimmer von Fritz und Mathilde Sabel in ihrer Wohnung in Amsterdam von den Mitgliedern der Hausrat-Erfassungsstelle nach Besitz abgesucht. Der zuständige Mitarbeiter schrieb in seinen Bericht „Kein Besitz. Nichts zu räumen“. Am 18. Mai 1943 wurde der 72-jährige Fritz Sabel zusammen mit seiner Frau aus Westerbork in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und nach ihrer Ankunft am 21. Mai 1943 ermordet.

Seine Tochter Ilse tauchte im September 1943 mit ihrem Mann Siegmund Herbert Kaufmann unter. Mit Hilfe der Widerstandsgruppe „Freie Gruppe Amsterdam“ konnten sie die Zeit bis zum Kriegsende an insgesamt 26 verschiedenen Adressen versteckt überleben. Die Straße sahen sie nur, wenn sie von einem Versteck ins nächste gebracht wurden. Dennoch waren die Strapazen und Belastungen vermutlich sehr groß. Ilse Kaufmann verstarb am 5. September 1950 in Amsterdam im Alter von nur 45 Jahren.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf