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Gedenkbuch

Brünell, Herta

geb. Koopmann

Herta Koopmann wurde am 6. Oktober 1896 als Tochter von Jakob und Johanna Koopmann, geborene Gerson, in Goch geboren. Sie hatte vier Schwestern: Anna (geboren 1891), Hilde (geboren 1900), Edith (geboren 1893) und Helene (geboren 1898). Ihr Vater führte in der Voßstraße 14–16 das größte und bekannteste Konfektions- und Textilgeschäft Gochs. Am 11. August 1912 starb ihr Vater. Auf seinem Grab auf dem jüdischen Friedhof wurde die Inschrift „Hier ruht mein geliebter Gatte unser treusorgender Vater Jakob Koopmann“ angebracht. Nach dem Tod führte ihre Mutter das Geschäft weiter. 1926 wurden Herta und ihr Ehemann Siegmund Brünell (1892 Brühl bei Köln – 1966 USA) Mitinhaber des Geschäfts, und ihr Mann Siegmund führte es bis zur Zwangsaufgabe.

Ihre Kinder Hannelore (geboren 1930) und Herbert Jakob (geboren 1926) wuchsen in Goch auf. Bis 1938 lebte die Familie in der Voßstraße 14–16. Im März 1938 meldete sich die Familie Brünell nach Düsseldorf ab und wohnte zunächst in der Himmelgeister Straße 5. Auch Herta Brünells Mutter Johanna Koopmann zog 1938 zu ihrer Tochter nach Düsseldorf, wo sie am 18. Februar 1941 verstarb.

Nachdem die Familie Brünell in Düsseldorf lebte, besuchte Hertas Sohn Herbert die private jüdische Volksschule in der Kasernenstraße. Sofort nach der Pogromnacht im November 1938 versuchte Herta Brünell, die Ausreise aus Deutschland zu organisieren. Dazu stellte sie am 22. Dezember 1938 einen Antrag auf Passausstellung. Im Oktober 1939 versuchte Herta Brünell Geld und Schmuck vor der Beschlagnahmung zu retten, was aber misslang, da ihr Paket von der Gestapo abgefangen wurde. Bereits am 29. August 1939 war ihr Ehemann festgenommen und im Düsseldorfer Polizeigefängnis inhaftiert worden. Gegen das Ehepaar Brünell wurde Anklage wegen „Beihilfe zur illegalen Auswanderung anderer Juden“ und wegen „Devisenvergehens“ erhoben.

Am 7. April 1941 zogen sie zum Fürstenwall 198. Das Verfahren gegen sie kam am 3. Juli 1941 zum Abschluss. Danach gelang Siegmund Brünell die Flucht nach Shanghai. Herta Brünell konnte für sich und ihre Kinder nicht mehr die Ausreise organisieren. Sie wurde mit ihren beiden Kindern Herbert Jakob und Hannelore am 27. Oktober 1941 von Düsseldorf in das Ghetto von Litzmannstadt/Łódź deportiert.

Im Ghetto wurden sie mit weiteren Deportierten in das Zimmer 10 der Kollektivunterkunft Fischstraße 15 eingewiesen. Am 29. Dezember 1941 und am 8. Januar 1942 vermerkte die „Kollektivverwaltung“ den Eingang von dreimal 9,60 Mark für Herta Brünell. Die „Abteilung für die Eingesiedelten“ sandte am 16. Januar 1942 an das Zentralsekretariat des Ghettos am Baluter Ring einen Betrag von 75,72 Reichsmark „für das Strafmandat der Hertha Brünnel [sic!] vom Kollektiv Düsseldorf“. Welches Vergehens sich Herta Brünell schuldig gemacht hatte, ist nicht überliefert.

Am 2. Mai 1942 wurden aus ihrem Besitz 175 Mark der Hauptkasse des Ghettos gutgeschrieben. Am 4. Mai 1942 wurde die Familie Brünell darüber informiert, dass sie aus dem Ghetto „ausgesiedelt“ werden sollte. Es gelang Herta Brünell nicht, sich und ihre Kinder davon zurückstellen zu lassen. Auf verschiedenen Listen, auf denen die Austeilung von Lebensmitteln für die ersten Maitage des Jahres 1942 verzeichnet ist, sind ihre Namen bereits durchgestrichen und mit dem Buchstaben „a“ versehen, was „ausgesiedelt“ bedeutete. Herta Brünell wurde mit ihren Kindern am 6. Mai 1942 aus dem Ghetto von Litzmannstadt/Łódź nach Chełmno gebracht und dort einen Tag später ermordet.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf