Kann, Helga
Am 31. Oktober 1927 kam Helga Anita Kann in Hamburg zur Welt. Ihre Eltern Dr. Siegfried Kann und Grete Kann, geborene Wagner, wohnten zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon in Düsseldorf in der Grunerstraße 21. Möglicherweise hatte ihre Mutter, die aus Hamburg stammte, beschlossen, ihr Kind in der Hansestadt zur Welt zu bringen.
Helgas Vater Dr. Siegfried Kann arbeitete als Rechtsanwalt in Düsseldorf. Er war ein bekanntes Mitglied der Repräsentanten-Versammlung der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf.
Später lebte Helga mit ihren Eltern im Haus Niederrheinstraße 2 in Düsseldorf-Lohausen. Als Helga neun Jahre alt, ereignete sich ein großer Verlust. In der Nacht vom 21. auf den 22. Mai 1936 starb ihr Vater infolge eines Herzinfarkts in Düsseldorf. Er wurde unter großer Anteilnahme der Gemeinde auf dem jüdischen Friedhof an der Ulmenstraße begraben.
Helga Kann zog mit ihrer Mutter am 9. November 1936 in die Kühlwetterstraße 9. Helga besuchte die jüdische Schule in der Kasernenstraße. Bilder, die sie im Kunstunterricht bei Julo Levin malte, sind erhalten geblieben. Ein befreundeter Mitschüler nahm im Februar 1939 ein Foto von Helga Kann mit in die Emigration. Darüber kam es nach dem Krieg in die Fotosammlung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf.
Ob Helga und ihre Mutter während des Pogroms im November 1938 überfallen wurde, ist nicht bekannt. Der zeitnahe Umzug legt jedoch einen Überfall und/oder die Kündigung ihrer Wohnung nahe.
Am 25. November 1938 zog Helga Kann mit ihrer Mutter nach Mülheim an der Ruhr. Dort wohnten noch Verwandte ihres Vaters. Sie zogen am 1. April 1940 in das Haus von Meyer Kann (1860-1943). Er war ein Onkel ihres Vaters und seit 1900 Vorsteher der Jüdischen Gemeinde in Mülheim. Er war ledig und wohnte im eigenen Haus mit der Adresse Delle 29. Dorthin zog auch Hela Kann und ihre Mutter. Zu dieser Zeit galt das Haus schon als sogenanntes Judenhaus.
Am 22. April 1942 wurde die 15-jährige Helga Kann mit ihrer Mutter über Düsseldorf in das Ghetto Izbica deportiert. Sie haben nicht überlebt.