Sie haben die richtige Internetadresse für das Gedenkbuch der Landeshauptstadt Düsseldorf zur Erinnerung an die jüdischen Opfer 1933 – 1945 aufgerufen.
Die Seiten sind optimiert für den Abruf mit einem Tablett oder einem Computer.
Vielen Dank für Ihr Verständnis



You have accessed the correct internet address for the memorial book of the state capital Düsseldorf in memory of the Jewish victims from 1933 to 1945.
The pages are optimized for viewing with a tablet or computer.
Thank you for your understanding.

Bitte drehen Sie Ihr Gerät ins Querformat

Gedenkbuch

Koburger, Melanie

geb. Weil

Melanie Weil wurde am 6. September 1874 in Friedelsheim bei Neustadt an der Weinstraße geboren. Im Ort, der früher „Neustadt an der Haardt“ genannt wurde, bestand bereits seit dem Mittelalter eine jüdische Gemeinde. Zum Zeitpunkt ihrer Geburt lebten rund 306 jüdische Bürger in der Stadt, darunter ihre Eltern Leopold und Helene Weil geborene Dornberger. Melanie hatte noch vier Geschwister: Hermann (1869-1913), Eugenie (1877-1948), Johanna (1878-1943) und Daniel Richard (geboren 1879).
Melanie Weil heiratete um die Jahrhundertwende den Kaufmann Isaak Reiss. Ihre beiden Söhne Karl (geboren 1901) und Hans J. (geboren 1904) kamen in Ludwigshafen zur Welt. Am 2. August 1906 verstarb ihr Mann im Alter von 39 Jahren. 

Am 29. September 1909 heiratete in Ludwigshafen Melanie Weil den Professor für Mathematik Josef Koburger (05.01.1878 Bamberg – 05.09.1939 Mannheim). Ihr zweiter Mann adoptierte die beiden Söhne aus erster Ehe. Melanie Koburger wohnte mit ihrer Familie in der Lisztstraße 152. Ihr Mann wirkte als Prokurist und Vorstandsmitglied der Atlas-Lebensversicherungsgesellschaft und von 1919 bis 1933 als nebenamtlicher Professor für Versicherungswissenschaft an der Mannheimer Handelshochschule. Die Familie war sehr wohlhabend und der Haushalt mit Perserteppichen, Ölgemälden und einer Bibliothek mit ca. 4.000 Büchern ausgestattet.

Ihr Sohn Hans zog 1934 nach Berlin. Die Familie wohnte mittlerweile im Haus Gustav-Böhme-Straße 8 (heute: Brahmsstraße). In der Pogromnacht 1938 wurde die Wohnung der Koburgers überfallen und Teile der Einrichtung demoliert. Ihr Mann verstarb im September 1939 im jüdischen Krankenhaus in Mannheim. Melanie Koburger versuchte 1939 ihre Auswanderung nach Australien zu organisieren. Ihren beiden Söhnen war dieser Schritt bereits 1938 gelungen. Der Beginn des Zweiten Weltkriegs verhinderte ihr Vorhaben, und so zog sie daraufhin am 31. August 1940 von Ludwigshafen nach Düsseldorf in die Bismarckstraße 79. Teile ihres Umzugsguts hatte sie bei der Firma „Danzas & Co.“ in Köln und bei dem Spediteur Bender in Mannheim, Rheinstraße, eingelagert. Dies berichtete sie auch in einem Brief an ihren Sohn Hans am 24. September 1941: „Im Falle, was ich nicht hoffe, dass ich nicht mehr zu Euch kommen könnte, will ich Euch nur sagen, dass die Bayrische Staatsbank in Ludwigshafen noch immer meine Sachen verwaltet und ein Teil meiner Möbel und Porzellan und Glas bei dem Spediteur Bender in Mannheim, Rheinstraße und der andere Teil bei der Firma Danzas & Co. in Köln ist“.

Ihr umfangreiches Vermögen wurde von der Bayrischen Staatsbank verwaltet. Ihr dortiges Konto war seit der Pogromnacht 1938 mit einem Sperrvermerk versehen. Im Oktober 1941 besaß sie laut der Vermögenserklärung Wertpapiere in Höhe von 65.465,50 RM. Sie wurde zunächst gezwungen, für ihre Vermögensverwaltung Gebühren in Höhe von 3.500 RM zu zahlen, nach ihrer Deportation wurde schließlich ihr gesamtes Vermögen beschlagnahmt. Zusätzlich zahlte ihr die „Atlas Lebensversicherung AG“ aus Ludwigshafen bis Oktober 1941 eine Rente in Höhe von 120 RM monatlich, da ihr verstorbener Mann dort Vorstandsmitglied gewesen war.

Seit dem 11. März 1941 wohnte Melanie Koburger für eine kurze Zeit in einer Pension in Köln, die ihr ihre Schwester Eugenie Seligmann vermittelt hatte. Melanie Koburger kehrte aber nach einiger Zeit wieder nach Düsseldorf zurück. Als letzte Adresse ist dort seit dem 5. September 1941 die Grupellostraße 8 – ein „Judenhaus“ – belegt. 

Ein Brief von ihrer Schwester Eugenie Seligmann an Hans Koburger vom 28. November 1945 ist erhalten geblieben. Darin berichtete diese über die letzten Jahre von Melanie Koburger: „Das Haus in Wiesbaden wurde auch aufgelöst und so kam sie nach Köln, wo ich eine wunderbare Pension für sie besorgte. Mein Berater war dann auch der ihre, er holte alles Inventar von Ludwigshafen, sie fühlte sich sehr wohl in Köln, wir waren täglich zusammen. Eine schöne Pelzjacke kaufte sie sich mit Hut dazu, ich war guter Dinge. Nur hatte sie sich einen anderen Spediteur genommen als ich. So gerne ich es wollte, dass sie zu dem meinen ging, er hatte bei der Gestapo grosses Ansehen, war aber nicht Nazi. In Köln konnte sie leider nicht bleiben, ging nach Düsseldorf mit grosser Mühe unseres Beraters. Aber mein Spediteur hätte sie sicher in Köln halten können, aber er war beleidigt, kümmerte sich trotz meiner vielen Zureden nicht darum und so kam Mutter mit dem ersten Transport aus Düsseldorf nach Polen.“ 

Melanie Koburger wurde am 27. Oktober 1941 von Düsseldorf in das Ghetto von Litzmannstadt/Łódź deportiert. Sie musste dort mit weiteren Deportierten im Zimmer 1 der Kollektivunterkunft Fischstraße 21 wohnen. Am 27. März 1942 zog die 67-Jährige in das Greisenheim II des Ghettos in der Gnesener Straße 26. Melanie Koburger konnte sich vom II. Transport am 5. Mai 1942 in das Vernichtungslager Chełmno zurückstellen lassen. Aus dem Greisenheim wurde sie im September 1942 während der „Sperre“ aus dem Ghetto von Litzmannstadt/Łódź gebracht und in Chełmno ermordet.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf