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Gedenkbuch

Baer, Isidor

Isidor Baer kam am 2. Oktober 1892 in Düsseldorf als Sohn von Moritz Baer und Bertha Baer, geborene Levy (1858 – 1922) zur Welt. Er hatte noch drei Geschwister: Marta Baer (01.07.1895 Düsseldorf – 14.05.1942 Kulmhof [Chełmno]), Richard Baer (13.01.1901 Düsseldorf – 14.05.1942 Kulmhof [Chełmno]) und Julie Joseph, geborene Baer, verwitwete Roos (28.06.1872 Düsseldorf – 21.09.1942 Treblinka).

Der Metzger Isidor Baer lebte mit seiner Frau Else, geborene Katz, und den Kindern Helmut (geboren 1928) und Margot (geboren 1930) in Düsseldorf. Mit seinem Bruder Richard betrieb er die Metzgerei „Gebrüder Baer“ im Haus Kölner Straße 151. Seine Schwester Marta arbeitete als Verkäuferin im Geschäft.

Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Unteroffizier. Am 27. März 1917 wurden ihm das Eiserne Kreuz II. Klasse und das Verwundetenabzeichen verliehen.

In den 1930er-Jahren wohnte Isidor Baer mit seiner Familie in der Klosterstraße 109. Am 4. August 1937 zogen sie in die Kölner Straße 125, unweit der Metzgerei. Am 10. November 1938 wurde Isidor Baer im Zuge des Pogroms verhaftet und ins Polizeigefängnis zum Fürstenwall gebracht. Auch seine Frau Else und die 8-jährige Margot wurden mitgenommen. Sein 10-jähriger Sohn wurde einen Tag später zunächst auch ins Polizeigefängnis eingeliefert, aber am gleichen Tag mit Else und Margot Baer wieder freigelassen. Isidor Baer blieb bis zum 16. November 1938 im Polizeigefängnis Düsseldorf in Haft und wurde anschließend in das Konzentrationslager Dachau überführt. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 29447. Seine Frau Else versuchte am 23. November 1938 seine Freilassung unter Hinweis auf seine Verdienste als Frontkämpfer im Ersten Weltkrieg zu forcieren. Am 7. Dezember 1938 wurde Isidor Baer aus dem Konzentrationslager Dachau entlassen.

Er stellte am 4. März 1939 Passanträge, um die Auswanderung der Familie vorzubereiten. Zu einer Emigration kam es aber nicht. Am 27. Oktober 1941 wurde Isidor Baer mit seiner Familie ins Ghetto von Litzmannstadt/Łódź deportiert. Dort mussten sie in die Kollektivunterkunft Fischstraße 15, Zimmer 1, einziehen. Im Ghetto arbeitete er seit dem 16. November 1941 in der Fleischzentrale.

Am 11. Mai 1942 versuchte er die drohende „Aussiedlung“ für sich und seine Familienangehörigen mit dem Nachweis seiner Kriegsauszeichnungen abzuwenden. Für seine Frau und die beiden Kinder war dies erfolgreich. Aber seine Geschwister Marta und Richard sowie dessen Frau Grete wurden am 14. Mai 1942 „ausgesiedelt“ und in Chełmno ermordet.

Nach der Auflösung der Kollektivunterkünfte zog Isidor Baer am 21. Mai 1942 mit seiner Familie in ein Zimmer der Wohnung 4 in der Rembrandtstraße 5. Für die bessere Versorgung mit Lebensmitteln nahmen er, seine Frau und die Kinder im Ghetto erhältliche Kredite bei ihrer (Lebensmittel-)Verteilerstelle im Haus Rembrandtstraße 13 auf. Der erste Kredit wurde am 28. Mai 1942 in den Büchern vermerkt.

Isidor Baer gelang es, mit seiner Frau und den beiden Kindern bis 1944 im Ghetto zu überleben. Am 17. Mai 1944 wurde Isidor Baer mit einer Gruppe männlicher Arbeiter „zur Arbeit ausserhalb des Gettos ausgesiedelt“. Die Ghetto-Chronik vermerkt über diesen Tag: „Menschenfang: Wiederum hatte das Getto einen aufregenden Tag. Gegen 1 Uhr Mittag wurden vom Zentral-Gefängnis und von 2 Abbruchstellen, aber auch von einem Ressort, insgesamt 50 Menschen, so wie sie auf Arbeit waren, eingefangen und auf den Baluter-Ring überstellt, von wo sie am Nachmittag mit einem Auto nach ausserhalb des Gettos abtransportiert wurden.“ Ab dem Verlassen des Ghettos verliert sich die Spur Isidor Baers.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf