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Gedenkbuch

Gugenheim, Michael

Der Kaufmann Michael Gugenheim kam am 4. April 1872 als letztes Kind von Isaak Gugenheim (geboren 1837) und seiner Frau Anna Gugenheim (1842-1905), geborene Durlacher, in Zweibrücken zur Welt. Er hatte mit Henriette (geboren 1866) eine ältere Schwester. Die drei älteren Geschwister Stephanie (1867-1869), Rosa (1868-1868) und Ida (1870-1870) waren zum Zeitpunkt seiner Geburt bereits verstorben. 

Auch sein Vater verstarb früh und die verwitwete Anna Gugenheim zog 1890 mit ihren beiden Kindern Michael und Henriette nach Mannheim. Michael Gugenheim war zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt. Seine Schwester Henriette Gugenheim lernte Joseph Heinemann kennen und zog mit ihm nach Düsseldorf. Das Paar heiratete 1891 und sie bekamen drei Kinder.

1894 zogen auch Anna und Michael Gugenheim nach Düsseldorf, zunächst auf die Talstraße 122. 1895 folgte der Umzug auf die Bilkerallee 84. 1899 zogen Michael Gugenheim und seine Mutter auf die Carlstraße 100. 

Michael Gugenheim arbeitete als Handelsvertreter für Rohtabak. Er heiratete im November 1900 Sophie Ellenbogen (geboren 1876). Nach der Hochzeit zog seine Mutter Anna Gugenheim auf die Klosterstraße 75 II.

1905 wohnten Michael und Sophie Gugenheim bereits auf der Worringerstraße 114 in der ersten Etage. Von hier führte Michael Gugenheim auch die Agentur für Rohtabak. Im selben Jahr verstarb seine Mutter Anna Gugenheim am 21. März 1905 im Alter von 62 Jahren. 

Michael und Sophie Gugenheim bekamen am 24. Mai 1909 ihr erstes Kind, Fritz. Am 30. Oktober 1910 kam die Tochter Hedwig (Hedy) zur Welt. Seit mindestens 1914 war Michael Gugenheims Agentur für Rohtabak auf der Kaiser-Wilhelm-Straße 31 gemeldet, wo er mit seiner Familie vermutlich auch privat wohnte.

Michael Gugenheims Tochter Hedwig Gugenheim wurde Mitinhaberin der Agentur. Sie heiratete Otto Weissmann, der nach der Hochzeit an ihrer Stelle von 1925 bis 1932 Mitinhaber der Agentur für Rohtabak wurde. Vermutlich 1933 zogen Hedwig und Otto Weissmann nach Mannheim, wo 1938 ihre Tochter Ruth Sophie geboren wurde. Sie emigrierten wahrscheinlich in Folge des Pogroms nach Großbritannien.

1933 zogen Michael und Sophie Gugenheim mit ihrem Sohn Fritz in die Charlottenstraße 61, wo sie die erste und zweite Etage bewohnten. Hier befanden sich auch die Büroräume von Michael Gugenheim. Am 25. November 1933 verstarb Michaels Schwester Henriette Gugenheim in Düsseldorf. Wenige Jahre später verstarb auch seine Frau Sophie Gugenheim am 21. April 1936 im Alter von 60 Jahren. Sie wurde auf dem neuen jüdischen Friedhof bestattet.

Zwei Jahre nach dem Tod seiner Frau wurden die Wohnung und das Büro des Witwers Michael Gugenheim während des Pogroms 1938 nahezu vollständig zerstört. Ein Großteil des Mobiliars wurde auf die Straße geworfen. Darunter befanden sich auch zahlreiche wertvolle Gegenstände und Bilder. Michael Gugenheim und sein Sohn Fritz zogen in Folge des Pogroms in die Kaiser-Wilhelm-Straße 61 um. 

Michael Gugenheim wurde aufgrund seines Vermögens von „über 500.000 RM“ in der „Nachweisung über einflußreiche Juden im Bereich der Staatspolizeistelle Düsseldorf. Ausländische Staatsangehörige“ bei der Gestapo Staatspolizeistelle Düsseldorf aufgeführt.

1939 kehrten der 67-Jährige Michael Gugenheim und sein Sohn Fritz Gugenheim zur Untermiete in die Charlottenstraße 61 zurück. Ihr Einzug wurde im Hausbuch für den 6. März 1939 dokumentiert.

Sein Sohn Fritz Gugenheim meldete sich am 12. Mai 1939 nach „Gut Winkel“ in Spreenhagen ab, wo er am 19. Mai 1939 eintraf. „Gut Winkel“ diente als gärtnerische und landwirtschaftliche Ausbildungsstätte für Jugendliche als Vorbereitung für die Auswanderung nach Palästina im Rahmen der Jugend-Haschara. Fritz Gugenheim kehrte am 4. Mai 1940 für etwa zwei Wochen in die Charlottenstraße 61 zurück, bevor er am 15. Mai 1940 erneut nach Spreenhagen aufbrach. Von hier kam er in ein sogenanntes „jüdisches Umschulungslager“ im Gebäude des Schloßhofes in Bielefeld. Er wurde am 2. März 1942 von Paderborn über Hannover, Erfurt und Dresden in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Er hat nicht überlebt.

Am 21. Juli 1942 wurde Michael Gugenheim im Alter von 70 Jahren von Düsseldorf aus in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Aus dem Ghetto Theresienstadt wurde er am 21. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka deportiert. Wie sein Sohn hat auch er nicht überlebt.

Autorin: Frederike Krenz, Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte