Gedenkbuch

Cahn, Helene

geb. Gumpert

Helene Johanna Gumpert kam am 28. Juli 1869 als Tochter des Ehepaars Philipp und Rosalie Gumpert, geborene Heimann, in Werne an der Lippe zur Welt. Ihre Eltern hatten am 17. September 1862 geheiratet und sie hatte mehrere Geschwister. Die Brüder Sally Gumpert (geboren 1863), Louis Gumpert (geboren 1876) und Leopold Gumpert (geboren 1878), sowie die Schwester Cäcilie (geboren 1865). Drei Geschwister verstarben als Baby. Ihr 1881 geborener Bruder Hugo Gumpert verstarb am 24. März 1900.

Helene Gumpert heiratete Salomon Cahn. Ihre Tochter Rosel kam am 30. Oktober 1901 in Weitmar bei Bochum zur Welt. Im Jahr 1903 liess sich Helene Cahn scheiden und zog am 12. Juni 1903 mit ihrer Tochter wieder nach Werne. in die Bonenstraße 40. Am 2. Dezember 1921 heiratete ihre Tochter Rosel Cahn in Werne den Düsseldorfer Kaufmann Alwin Lippmann und zog zu ihm nach Düsseldorf.

Mit ihrem unverheirateten Bruder Louis Gumpert und der unverheirateten Schwester Cäcilie Gumpert lebte Helene Cahn in ihrer Geburtsstadt Werne. Ihre Schwester Cäcilie Gumpert, die gelernte Putzmacherin war, unterhielt zusammen mit ihrem Bruder ein Kurzwarengeschäft in der Bonenstraße 40. Dort verkauften sie Stoffe, Strohhüte, Bänder, Tischdecken und andere Weißwaren. Ob auch Helene Cahn im Laden mitarbeitete ist leider nicht bekannt. Helene Cahn wohnte weiterhin mit ihren Geschwistern in der Bonenstraße. Ihr Bruder Louis Gumpert war in Werne sehr bekannt. Er engagierte sich als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und war Vorstandsmitglied verschiedener anderer Vereine. Im Jahr 1903 war er Mitbegründer des ersten Sportvereins in Werne und wurde dessen Schriftführer. 1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, wurde er, wie alle Juden, aus den Vereinen ausgeschlossen. 

In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 kam es auch in Werne zu Ausschreitungen gegen jüdische Familien. Einige Nationalsozialisten drangen in das Geschäft ihrer Geschwister ein, zerstörten die Inneneinrichtung und warfen die Waren auf die Straße. Dann setzten sie die Zerstörungen im gesamten Haus fort. Helene Cahn und ihre Schwester konnten vorher fliehen. Ihr Bruder Louis Gumpert flüchtete in das Dachgeschoß des Hauses. In Panik vor den Eindringlingen versuchte er, auf das Dach des Nachbarhauses zu flüchten. Der Versuch misslang und der 62-jährige Louis Gumpert fiel aus acht Metern Höhe auf den Boden und verletzte sich dabei schwer. Im Krankenhaus hielt der  behandelnde Assistenzarzt Dr. Starck am 10. November 1938 den medizinischen Befund fest: „4 .) Louis Gumpert, geb. 14.12.75 aus Werne. An frischen Verletzungen wurden festgestellt: Bluterguss an beiden Augen mit starkem Vorquellen der Bindehaut des rechten Auges, Gehirnerschütterung, Kniescheibenbruch rechts. Prellung des Rücken und des rechten Oberschenkels. G. bedarf stationärer Krankenhausbehandlung für mehrere Wochen.“

Während ihr Bruder im St. Christophorus Krankenhaus in Werne lag, bereiteten Helene Cahn und ihre Schwester Cäcilie Gumpert den Umzug nach Düsseldorf vor.  Zunächst war am 13. Dezember 1938 ihre Tochter Rosel Lippmann mit ihrer Familie nach Werne gezogen. Dort wohnten sie in der Steinstraße 33. Als ihr Bruder wieder reisefähig war und am 22. März 1939 aus dem Krankenhaus entlassen wurde, zogen die drei in das Haus ihrer Schwägerin Bertha Gumpert, geborene Tannenbaum, in der Harleßstraße 8. Deren Ehemann, ihr Bruder Sally Gumpert, war bereits 1928 in Düsseldorf verstorben. Zuletzt wohnte Helene Cahn mit ihrer Schwester Cäcilie Gumpert in der Schillerstraße 25.

Am 21. Juli 1942 wurde Helene Cahn mit ihrer Schwester Cäcilie Gumpert und mit ihrer Schwägerin Bertha Gumpert in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Am 21. September 1942 wurden sie von dort in das Vernichtungslager Treblinka gebracht und ermordet. 

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf