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Gedenkbuch

Steinberg, Richard

Richard Steinberg kam am 1. Dezember 1916 in Düsseldorf als zweiter Sohn des Ehepaars Albert und Anna Steinberg, geborene Magnus, zur Welt. Er hatte noch zwei Brüder: Helmut (geboren 1914) und Herbert (geboren 1920).

Richard Steinberg war geistig behindert. Eine Cousine berichtet, dass er in seiner Entwicklung auf dem Stand eines Dreijährigen stehen geblieben, aber sehr ruhig, sehr lieb und niemals irgendwie aggressiv oder unruhig war. „Ich erinnere mich, wie er als ca. 20-jähriger mit Bausteinen spielte und sehr gerne Musik hörte. (…) keiner hätte daran gedacht, ihn in ein Heim zu geben.

Sein Vater Albert Steinberg hatte auf der Düsseldorfer Königsallee 46 das Modehaus Steinberg gegründet. Als er 1927 starb, übernahm seine Mutter Anna Steinberg die Leitung des Geschäfts. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden die Geschäftseinrichtung und der Warenbestand schwer beschädigt. „Außer der sehr wertvollen Einrichtung unseres Geschäftes, die fast vollständig zerstört worden ist, hat auch ein sehr großer Teil der Warenbestände Schaden erlitten“, schrieb seine Mutter Anna Steinberg am 28. November 1938 in einem Brief an die Firma A. Doering & Co. in Appenzell in der Schweiz. „Obgleich wir seit dem 10. November keinerlei Einnahmen mehr haben, verbleiben auf der anderen Seite die laufenden Spesen, wie Miete, Löhne, Gehälter usw. in voller Höhe bestehen. Außerdem werden wir (…) für die Wiederherstellung unserer Schaufensterpassage, deren Spiegelscheiben restlos in Trümmer gingen, in Anspruch genommen. Um aus dieser schwierigen Lage einen Ausweg zu finden (…), haben wir uns schweren Herzens dazu entschlossen, einen Antrag zum Konkurs zu stellen (…).” Seine Brüder Herbert und Helmut Steinberg flohen nach der Pogromnacht ins Ausland.

Am 5. Juli 1939 wurde Richard Steinberg gegen den Willen seiner Mutter in die Heil- und Pflegeanstalt Grafenberg eingewiesen. Am 15. Februar 1941 wurde er im Rahmen der Krankenmordaktion „T4“ in die Tötungsanstalt Hadamar gebracht und dort ermordet.

Seine Mutter Anna Steinberg wurde am 10. November 1941 ins Ghetto von Minsk deportiert. Auch sein Bruder Helmut Steinberg hat die nationalsozialistische Judenverfolgung nicht überlebt.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf