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Gedenkbuch

Devries, Elsa

Am 27. Februar 1889 kam Elsa Herz in Gelsenkirchen zur Welt. Ihre Eltern waren Levi und Rosette Herz, geborene Rubens. Ihr Vater stammte aus Esens im Kreis Aurich. Elsa hatte noch fünf Geschwister: Julius (geboren 1882), Adele (geboren 1885), Frieda (geboren 1887), Oskar (geboren 1891) und Irma (geboren 1896). Die Familie wohnte in Gelsenkirchen in der Bahnhofstraße, wo sie ein Geschäft führten.

1918 heiratete Elsa Herz den Kaufmann Hermann Devries (manchmal auch De Vries geschrieben). Ihr Mann Hermann Devries lebte seit 1912 in Duisburg-Hamborn. Gebürtig war er aus Hannover, wo er am 12. Juli 1882 geboren worden war. Zunächst war ihr Mann mit Adele Vyth aus Kalkar verheiratet gewesen. Aus dieser Ehe waren zwei Söhne hervorgegangen: Werner (geboren 1914) und Hans (geboren 1915). Ein Jahr nach der Geburt von Hans verstarb Adele Devries am 10. Dezember 1916 in Hamborn und ihr Mann wurde zum Witwer.

Am 12. Mai 1919 wurde ihre gemeinsame Tochter Ursula Devries in Hamborn geboren. Zum Zeitpunkt ihrer Geburt wohnte die Familie Devries in der Kaiser-Friedrich-Straße 28 in Duisburg. 1933 zogen sie kurzfristig in ihr Geschäftshaus in der Gertrudenstraße 20. Elsa Devries führte bis 1934 in Duisburg hier ein Galanterie- und Lederwarengeschäft. Ab 1934 wohnte die gesamte Familie in Düsseldorf in der Erftstraße 25. 

Ihre Tochter Ursula war verlobt mit dem Düsseldorfer Karl Heinz Reinsberg. Er war am 22. November 1914 als zweites Kind von Albert und Martha Reinsberg in Düsseldorf zur Welt gekommen. Albert Reinsberg führte in Düsseldorf einen Großhandel für Pelzwaren in der Kreuzstraße 39 und unterhielt das Pelzhaus Reinsberg in der Schadowstraße 39. Am 4. Mai 1937 wurde Albert Reinsberg in seinem Haus von der Gestapo verhaftet. Vorgeworfen wurden ihm angebliche Devisenvergehen. Am 7. Mai 1937 kam Albert Reinsberg im Düsseldorfer Gefängnis „Ulmer Höh“ ums Leben. Für die gesamte Familie war dies ein Schock. 

Ihre Tochter Ursula, in der Familie Ulla genannt, Devries zog zu ihrem Verlobten Karl Heinz, der sich in Brüssel aufhielt, und die beiden heirateten 1938. Ihr Sohn Hans Devries meldete sich aus der elterlichen Wohnung in der Erftstraße 25 am 3. Februar 1938 offiziell nach Belgien ab. Ihr Sohn Werner Devries war bereits über die Niederlande nach Südamerika emigriert.

Elsa Devries wohnte zuletzt in Düsseldorf mit ihrem Ehemann in der Florastraße 24. Vermutlich planten auch sie die Ausreise aus Deutschland. Sicher belastete Elsa Devries der Umstand, dass ihre Tochter Ursula auch in Belgien wieder in Gefahr geriet. Nachdem die Deutschen Belgien im Mai 1940 überfallen hatten, war Elsas Schwiegersohn Karl Heinz Reinsberg verhaftet und in verschiedene Internierungslager gebracht worden. Zuletzt befand er sich im Lager Les Milles in Südfrankreich. Ihre Tochter Ursula war ihm nach Südfrankreich gefolgt, um in seiner Nähe bleiben zu können. Sie hatte ein Quartier in Marseille bezogen.

Ursula schrieb in einem Brief an Ernst Reinsberg in Schottland am 16. Juni 1941: „Endlich kann ich Dir auch mal schreiben, und sogar mit Kalli (Karl Heinz Reinsberg) zusammen. Wie glücklich ich bin, nach so langer Trennung wieder mit Karl-Heinz zusammen zu sein kannst Du Dir wohl denken. Bin jetzt ca 6 Wochen im unbes. Gebiet. Die Reise war nicht so ungefährlich und hatte ich ausgesprochenes Glück, dass ich ohne jede Zwischenfälle gut angekommen bin. Kalli sieht G.Lob gut aus, und hat sich in dem schweren Jahr nicht viel verändert. Wie Du wohl weißt habe das ganze Jahr bei der l. Mutter gewohnt. Es geht allen G.s.d. sehr gut und haben nichts zu leiden.“ Und über ihre Unterkunft in Marseille schrieb sie: „Wohne hier in Marseille, in einem Hotel und wenn Kalli nicht da ist, sterbe ich bald vor Langeweile.“ Dann ergänzte sie: „Sonst ist alles im Grossen & Ganzen sehr traurig. Ich sehe nicht sehr rosig für unsere Weiterfahrt und glaube ich, dass bald keiner mehr fort kommt. Wann wird dieses Elend mal zu Ende sein? Von meinen Eltern aus Düsseldorf habe G.Lob auch gute Nachrichten. So hat man immer Sorgen um alle Lieben, wenn man nicht von ihnen hört.“

Leider sollten die Nachrichten aus Düsseldorf sich dramatisch verschlechtern. Ab dem 19. September 1941 mussten alle jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner im Deutschen Reich einen sogenannten Judenstern an ihrer Kleidung sichtbar tragen. Und der Alltag wurde durch weitere Verbote massiv eingeschränkt. Anfang November erhielten dann auch Elsa Devries und ihr Mann Hermann die Nachricht, dass sie sich zur zweiten Deportation aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf am 9. November 1941 auf dem Schlachthofgelände in Derendorf einzufinden haben. Am 10. November 1941 startete der Deportationszug vom Güterbahnhof Düsseldorf-Derendorf mit Ziel „Ghetto Minsk“. Im gleichen Transport war auch Elsas Schwester Frieda (geboren am 17. April 1887 in Gelsenkirchen). Sie hatte zuletzt mit ihrem Ehemann Otto Vyth (geboren am 15. Mai 1885 in Kalkar) in Düsseldorf im Haus Arnoldstraße 2 gelebt. Alle vier haben nicht überlebt.

Im April 1942 schrieb Ursula aus dem besetzten Frankreich an ihren Schwager Ernst: „Von meinen Eltern habe seit November 41 nichts mehr gehört, nachdem sie nach Polen deportiert worden sind.“

Auch ihre Tochter Ursula hat nicht überlebt. Sie wurde mit ihrem Mann Karl Heinz Reinsberg am 17. August 1942 mit dem 20. Deportationszug von Drancy in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf