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Gedenkbuch

Schweriner, Betty

geb. Kaufmann

Betty Kaufmann wurde am 6. Mai 1871 in Hilden geboren. Ihre Eltern waren Jonas und Julianne Kaufmann, geborene Coppel. Mit Jenny (geboren 1864), Siegmund Salomon (1867-1935) und Johanna hatte sie drei Geschwister. Bettys Eltern waren angesehen in der Stadt und lebten auf der Mittelstraße 7-9 in Hilden, wo im Giebel des Hauses noch heute ihre Initialen zu erkennen sind.

Betty Kaufmann heiratete den Kaufmann Georg Schweriner. Ihr Mann stammte aus Birnbaum, wo er 1869 zur Welt gekommen war. Am 17. November 1899 wurde ihr erstes Kind, Martha, in Duisburg-Ruhrort geboren. Seit 1901 lebte die Familie Schweriner in Düsseldorf. Am 9. November 1903 kam ihre Tochter Elsa zur Welt. Ihre jüngste Tochter Erna folgte am 11. August 1906. Ihr Mann Georg Schweriner betrieb seit dem Jahr 1900 eine Süßwaren-Großhandlung in Düsseldorf. Seit 1921 wohnte die Familie im eigenen Haus in der Kreuzstraße 58.

Am 4. April 1915 verstarb Bettys Vater Jonas Kaufmann im Alter von 76 Jahren in Hilden. Am 3. Juni 1934 starb Bettys Mutter Juliane Kaufmann im Alter von 93 Jahren in Hilden.

Ihre älteste Tochter Martha Henriette hatte 1921 den aus Krefeld stammenden Karl Cohn (geboren 1892) geheiratet und einen Sohn bekommen. Nach dem Tod ihres Ehemanns zog die Tochter Martha 1935 mit ihrem Sohn zurück zu ihnen in die Kreuzstraße 58, wo Martha Cohn ein kleines Modegeschäft einrichtete.

Bettys jüngste Tochter Erna Schweriner heiratete am 17. August 1937 Robert Levison und zog zu ihrem Mann in ein Haus am Schwanenmarkt 3, wo er mit seiner Mutter und seinen Brüdern wohnte. Erna leitete das Kleinkinderturnen im Düsseldorfer Sportverein Makkabi.

Die ledige Tochter Else Schweriner arbeitete als Laborantin und wohnte bis 1937 auch bei ihnen in der Kreuzstraße 58. Am 28. Januar 1937 emigrierte sie von Düsseldorf nach London.

In der Pogromnacht 1938 wurden Betty und Georg Schweriner in ihrem Haus überfallen. Das Haus wurde verwüstet und geplündert. Neben Möbeln und zahlreichen persönlichen Gegenständen wurde auch der Konzertflügel der Familie auf die Straße geworfen. Bettys älteste Tochter Martha wurde in Folge des Pogroms für zwei Tage im Polizeigefängnis inhaftiert.

Auch ihre jüngste Tochter Erna und ihr Mann Robert Levison waren Opfer des Pogroms geworden. Ihre Wohnung am Schwanenmarkt wurde verwüstet. Robert Levison und seine Brüder wurden verhaftet und am 16. November 1938 in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Erna Levison konnte jedoch die Entlassung ihres Mannes erwirken, da sie glaubhaft machen konnte, dass die Auswanderung der Eheleute in die Dominikanische Republik gesichert sei. Erna und Robert Levison flohen Anfang 1939 nach England und konnten nach einer kurzzeitigen Internierung 1940 in die Vereinigten Staaten emigrieren.

Am 4. Februar 1941 verstarb ihr Mann Georg Schweriner in Düsseldorf. Ihre Tochter Martha, die eigentlich auch emigrieren wollte, heiratete am 6. April 1941 in der Haftanstalt Siegburg den Düsseldorfer Alfred Oppenheim. Die Pläne nach seiner Freilassung in die USA zu flüchten, wurden jedoch durch die erneute Schutzhaft zunichte gemacht. Noch in der Haftanstalt Siegburg wurde Alfred Oppenheim nach verbüßter Haft im Juni 1941 in sogenannte Schutzhaft genommen und in das Konzentrationslager Neuengamme überführt.

Ihre Tochter Martha Oppenheim, die deshalb immer noch bei ihr in der Kreuzstraße 58 wohnte, wurde von Düsseldorf am 10. November 1941 ins Ghetto Minsk deportiert. Ihr Schwiegersohn Alfred Oppenheim verstarb am 24. Juni 1942 als Häftling des Konzentrationslagers Neuengamme in der Euthanasie-Anstalt Bernburg an der Saale. Er wurde im Zuge der sogenannten Aktion „14 f 13“ gezielt als „arbeitsunfähig“ ausgesucht und ermordet.

Betty Schweriner selbst wurde von Düsseldorf aus am 21. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Von dort wurde sie am 26. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka überführt und ermordet. 

Autorinnen: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf und Frederike Krenz, Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf