Wolf, Ernst
Am 2. November 1879 kam Ernst Wolf in Oppenheim in Rheinhessen zur Welt. Er hatte zwei Brüder: Max (1870-1941) und Siegfried (1874-1943). Die Familie zog aus Oppenheim nach Mainz. Hier lebten bis zuletzt seine Brüder.
Ernst Wolf lebte 1910 bereits in Düsseldorf. Er heiratete im Mai 1910 in Bautzen Rosa Kristeller. Seine Frau war am 28. Juni 1889 in Bautzen als Tochter von Paul und Henriette Kristeller, geborene Krotoschin, zur Welt gekommen. Am 13. Juni 1912 kam in Düsseldorf sein Sohn Georg Ferdinand (später Harry) Wolf zur Welt. Zu diesem Zeitpunkt wohnten sie in der Karlstraße 121.
Zunächst arbeitete Ernst Wolf als Geschäftsführer der Firma „Allgemeine Elektro-Schweißerei“ in Düsseldorf. 1916 wurde er zum Heeresdienst eingezogen und musste daher den Posten als Geschäftsführer aufgeben. Mit in der Firma arbeitete auch der Schwager seiner Frau, Herbert Sobersky (1886-1942). Ernst Wolf kämpfte als Frontsoldat während des Ersten Weltkrieges. Im Juli 1917 wurde ihm das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen.
Seine Schwägerin Else, die Herbert Sobersky geheiratet hatte, lebte seit 1923 auch in Düsseldorf. Herbert Sobersky war seit April 1921 im Düsseldorfer Handelsregister als alleiniger Geschäftsführer der „Allgemeinen Elektro-Schweißerei“ eingetragen. Die Firma in der Sternstraße 32a mit Zweigniederlassungen in Frankfurt am Main, Halle an der Saale und Hannover wurde 1923 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Ernst Wolf war nicht mehr als Mitgeschäftsführer im Handelsregister eingetragen. Er führte mittlerweile in Düsseldorf eine Weingroßhandlung „Wein Wolf“. 1929 fanden sich die Geschäftsräume in der Klever Straße 84, Anfang der 1930er Jahre zogen sie mit dem Geschäft um in die Luegallee 102.
Im Zuge der Pogromnacht 1938 wurden Ernst Wolf und sein Sohn Georg verhaftet. Am 15. November 1938 wurde sein Sohn Georg Harry aus der Haft entlassen. Ernst Wolf dagegen kam erst am 22. November 1938 wieder frei. Anfang des Jahres 1939 emigrierte sein Sohn zusammen mit seiner Frau Berta. Ernst Wolf und seine Frau blieben in Düsseldorf. Ob sie die eigene Emigration planten ist nicht bekannt, aber gut vorstellbar.
Am 3. April 1939 zogen Ernst Wolf und seine Frau in das Haus Teutonenstraße 9. Die Immobilie galt später als sogenanntes Judenhaus, da fast ausschließlich jüdische Familien und Einzelpersonen dort lebten. Am 27. Oktober 1939 meldete sich Ernst Wolf und seine Frau temporär nach Bautzen ab. Vermutlich wollte seine Frau dort ihre Mutter besuchen. Anfang November 1941 wurde er vermutlich darüber informiert, dass er für den nächsten Deportationstransport vorgesehen war. Auf der Deportationsliste wurde als Beruf „Arbeiter“ notiert. Dies ist ein Indiz dafür, dass Ernst Wolf sehr wahrscheinlich als jüdischer Zwangsarbeiter im sogenannten geschlossenen Arbeitseinsatz arbeiten musste.
Am 10. November 1941 wurden Ernst Wolf und seine Ehefrau Rosa vom Düsseldorfer Güterbahnhof Derendorf in das Ghetto Minsk deportiert. Sie haben beide nicht überlebt. Seine Schwiegermutter Henriette Kristeller, die bis zuletzt in Bautzen gelebt hatte, verstarb am 4. April 1942.