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Gedenkbuch

Leyser, Lise Elise

Am 7. September 1883 wurde Lise (eigentlich Elise) Leyser in Düsseldorf geboren. Sie hatte eine Zwillingsschwester namens Martha. Ihr Vater war der Kaufmann und Fabrikant Josef Leyser (1844 Emmerich – 1905 Düsseldorf). Ihre Mutter Henriette war eine geborene Leubsdorf (1849 Oberdollendorf – 1924 Düsseldorf). Die Eltern hatten 1876 in Siegburg geheiratet. Elise/Lise hatte noch zwei ältere Geschwister: Otto (geboren 1877 in Düsseldorf) und Julie (geboren 1880 in Düsseldorf). Am 31. Oktober 1891 kam dann noch ihre Schwester Karoline in Düsseldorf zur Welt.

Ihr Vater Josef Leyser hatte 1878 die Gummiwarenfabrik „Joseph Leyser“ mit Sitz in der Ackerstraße 13  in das Handelsregister eintragen lassen. 1889 wurde die Firma als „Gummi- und Kurzwarenhandlung“ mit Sitz in der Poststraße 19 verzeichnet. Im Jahr 1900 war die elterliche Fabrik in der Aachener Straße 21, dies sollte die Firmenadresse bis in die 1930er Jahre bleiben. 

Befand sich um 1900 die Wohnung der Familie noch in der Bilkerstraße 31, so scheint 1905 die Familie bereits in der gut situierten Königsallee 52 zu wohnen. Im gleichen Jahr verstarb Josef Leyser.

1910 wohnte dann Elise/Lise Leyser mit ihrer verwitweten Mutter Henriette und ihrem Bruder Otto im Haus Fürstenwall 109. Ihre Zwillingsschwester Martha Leyser heiratete am 9. Februar 1910 in Düsseldorf Leo Wolff. Nach der Hochzeit zog sie mit ihm zunächst nach Giessen, wo sie drei Kinder bekamen.

1920 wohnte Elise/Lise Leyser mit ihrer Mutter in der Sternstraße 76. Vier Jahre später sind Elise/Lise Leyser sowie ihre Mutter Henriette als Mieterinnen des Hauses Rosenstraße 69 aufgeführt. Das Haus gehört ihrem Schwager, Großhandelsvertreter Leo Wolff. Ihre Zwillingsschwester Martha wohnte nämlich wieder mit ihrem Mann und den drei Kindern in Düsseldorf. Die Familie Wolff musste 1923 einen Schicksalsschlag verkraften: der siebzehnjährige Sohn Robert Wolff verstirbt in Düsseldorf am 9. Januar. Am 21. August 1924 verstarb auch Elise/Lise Leysers Mutter Henriette Leyser in Düsseldorf.

1925 ist im Düsseldorfer Adressbuch verzeichnet: Leyser, Elise, Prokuristin, Rosenstraße 69. Außer ihr wohnte im Haus nur noch ihre Schwester Martha mit ihrer Familie.

Die elterliche Firma, die mittlerweile von ihrem Bruder Otto Leyser und Sally Hirsch geführt wird, befindet sich immer noch in der Aachenerstraße 21/23. Das Haus gehört nun seit vielen Jahren der Familie Leyser.

1929 wohnte ihr Bruder mit seiner Frau Emmy und den beiden Kindern in der Goethestraße 13. Die von ihm geführte Fabrik wird 1933 als „Hosenträgerfabrik“ im Adressbuch bezeichnet. 

Elise/Lise Leysers ältere Schwester Julie war mit Emil Wolff verheiratet und lebt mittlerweile auch in Düsseldorf. Auch die jüngste Schwester Caroline wohnte mit ihrem Ehemann Rudolf Loeb in Düsseldorf. Sie alle waren vermutlich zugegen, als Elise/Lise Zwillingsschwester Martha am 9. März 1935 mit ihrem Mann Leo Wolff ihre Silberne Hochzeit feierten. Noch im gleichen Jahr, am 26. November 1935, meldete sich Leo Wolff mit seiner Familie aus Düsseldorf mit Ziel Argentinien offiziell ab. 

Elise/Lise Leyser blieb zunächst in Düsseldorf. 1936 wohnte sie offiziell in der Wilhelm-Klein-Straße 69. Doch sie war nicht umgezogen, wie man vermuten könnte, sondern die Straße war nur von den Nationalsozialisten umbenannt worden.

Aufgrund der nationalsozialistischen Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung beschloßen nun die nächsten Mitglieder der Familie Leyser die Emigration ins Ausland. Elise/Lise Schwester Karoline emigrierte 1937 aus Düsseldorf mit ihrem Mann Rudolf Loeb und ihren zwei Töchtern über einen kurzen Aufenthalt in Köln in die USA. Auch ihre Schwester Julie meldete sich am 18. November 1937 von der Gartenstraße 112 in Düsseldorf mit ihrem Ehemann Emil Wolff und der Tochter Ilse offiziell in die Vereinigten Staaten ab.

Elise/Lise Leyser ging bereits am 5. Oktober 1937 in die Niederlande. In den Dokumenten, die ihre Zeit in den Niederlanden betreffen, wird ihr Vorname ausschliesslich mit „Lise“ angegeben. Abgemeldet hatte sie sich offiziell nach Arnhem. Ihre Adresse in Edam war dann Oorgat 98. Sie und ihr Bruder Otto Leyser wurden dort am 10. Oktober 1937 offiziell registriert. Ihr Bruder Otto Leyser war der zweite jüdische Flüchtling in dem kleinen holländischen Ort Edam. Er wohnte in Haven 40 im Ortsteil Volendam. Dort begründete er mit den Brüdern Koen und Jacques Veermann einen kleinen Betrieb „Bretelfabriek Joseph Leyser“, der ähnliche Waren wie sein Düsseldorfer Betrieb „Joseph Leyser“ handelte. Lise Leyser arbeitete in den Niederlanden in der Firma ihres Bruders.

1938 zog ihr Bruder Otto Leyser mit seiner Frau Emma nach Edam in die Jonkerlaantje 34. Ihre Kinder befanden sich zu diesem Zeitpunkt bereits in England.

Nachdem die deutsche Wehrmacht am 10. Mai 1940 die Niederlande überfallen hatte, waren jüdische Familien auch in den Niederlanden in Gefahr. Im Juni 1940 wohnte Lise Leyser mit anderen jüdischen Flüchtlingen in Edam in einer Pension mit der  Adresse Voorhaven 148. 1941 musste sich nach einer Verordnung der deutschen Besatzer die jüdische Bevölkerung registrieren lassen. Wer dieser Pflicht nicht nachkam, dem wurde mit fünf Jahre Gefängnishaft gedroht.

Im Jahr 1942 begannen die konkreten Vorbereitungen für die Deportation der jüdischen Bevölkerung. Im April 1942 mussten auch alle jüdischen Bewohner von Edam den Ort verlassen, davon betroffen war auch Lise Leyser. Sie musste sich – nur mit Handgepäck – nach Amsterdam begeben. In Amsterdam wurde Lise Leyser in einer Unterkunft in der Euterpestraat 14 einquartiert. Ihr Bruder Otto Leyser und dessen Frau Emma waren dagegen in Edam „zurückgeblieben“. Grund dafür war der Umstand, dass Otto Leyser „nicht transportfähig“ war, wie es in den Akten heißt. 

Ab dem 24. Mai 1942 mussten dann alle Juden in den Niederlanden einen Judenstern tragen. Nun sollten auch Otto Leyser und seine Frau Emmy deportiert werden. Beide wurden aus Edam in die Hollandse Schouwburg nach Amsterdam gebracht. Freunde aus Edam machten es in einer mutigen Aktion möglich, das sie das Sammelgebäude wieder verlassen konnten und in Edam untertauchten. Sie versteckten sich erfolgreich in dem Haus Voorhaven 140 mit einer kurzen Unterbrechung bis Kriegsende.

Für Lise Leyser kam diese Rettungsaktion zu spät. Sie befand sich bereits im Lager Westerbork. Von dort wurde sie am 10. November 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und nach der Ankunft am 13. November 1942 ermordet.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf