Gedenkbuch

Springer, Moritz

Am 29. Juli 1878 wurde Moritz Springer in Borek im Kreis Posen geboren. Seine Eltern Hermann und Henriette Springer, geborene Bloch, hatten noch drei weitere Kinder: Jenny (geboren 1875), Cäcilie (1880-1942) und Eugen (geboren 1888).
Moritz Springer erhielt eine kaufmännische Ausbildung. Er heiratete am 25. Januar 1906 in Breslau Regina Fuchs. Seine Frau stammte aus Jutrosin, wo sie am 11. April 1885 als Tochter von Nathan und Flora Fuchs, geborene Sklarek, geboren worden. Die beiden zogen nach der Hochzeit nach Dortmund. Dort übernahm er im Februar 1906 von dem Kölner Kaufmann Jacques Sklarek die Firma „S. Oswald“, ein Möbelgeschäft.

Seine Tochter Flora kam am 15. April 1908 in Dortmund zur Welt. In der Stadt besaß Moritz Springer Grundbesitz in der Kampstraße 72 und im Westenhellweg 75. Im Jahr 1911 erwarb er zwei weitere Firmen in Dortmund. Im Ersten Weltkrieg kämpfte Moritz Springer als Soldat für sein deutsches Vaterland. Er erhielt mehrere Kriegsauszeichnungen.

Von Dortmund zog die Familie Springer um 1919 nach Mönchengladbach. 1920 erwarb Moritz Springer ein Grundstück in Düsseldorf und ließ sich dort ein Einfamilienhaus erbauen. Am 26. August 1921 bezog die Familie Springer ihr eigenes Haus in der Lützowstraße 2. Den Einheitswert des Hauses gab Moritz Springer später in seiner Vermögenserklärung 1941 mit 23.300 RM an. Das Haus und sein weiteres Vermögen wurden nach seiner Deportation von den deutschen Behörden „zu Gunsten des Reiches eingezogen“.

Seine Schwester Cäcilie Leyser, geborene Springer, hatte auch einige Jahre mit ihrer Familie in Mönchengladbach gelebt und zog 1921 nach Düsseldorf. Moritz Bruder Eugen lebte ebenfalls in Düsseldorf. Er emigrierte 1937.

Moritz Springer arbeitete weiterhin als Kaufmann. Er besaß später auch eine Firma in Mülheim an der Ruhr in der Löhstraße 6. Auch das Haus gehörte ihm. Ihre Tochter Flora begann 1928 ihr Studium in Marburg und Bonn, während Moritz Springer und seine Frau weiterhin in Düsseldorf wohnte. Im Jahr 1930 suchten sie für den Haushalt ein „Alleinmädchen“. In der Anzeige im Düsseldorfer Stadt-Anzeiger hieß es: „Für ein kleines herrschaftliches Einfamilienhaus, drei Personen, umsichtiges Alleinmädchen zum 15.2. gesucht. Morgen- und Putzhilfe vorhanden.“

Am 5. Dezember 1936 meldete sich die Tochter nach Berlin-Charlottenburg ab. Von dort emigrierte sie später.
In der Pogromnacht 1938 wurde das Ehepaar Springer in seinem Haus überfallen und die Wohnungseinrichtung aus dem Fenster geworfen und zertrümmert. Ein Anwohner erinnerte sich: „Rückwärts stieß das Grundstück unseres Hauses In der Lohe an das in der Lützowstraße 2, durch eine Mauer getrennt, in dem ein jüdisches Ehepaar, 61 und 53, sehr ruhig und zurückgezogen wohnte. Das Haus, von Opa Grohmann 1921 erstellt, gehörte zum Besitz der Bewohner Springer […]. Und dann immer wieder das Klirren von zerborstenen Fensterschreiben, die den mit Machthinausgeworfenen Möbelstücken nicht trotzen konnten. Dann der Aufprall der Einrichtungsgegenstände auf dem plattierten Innenhof, […] zum Entsetzen aller ging es weiter, Stück um Stück, bis der Möbelberg in Mauerhöhe hinaufwuchs.

Im Oktober 1941 wurde Moritz Springer darüber informiert, dass er und seine Frau für die erste Deportation aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf vorgesehen sei. In seiner vor der Deportation ausgefüllten Vermögenserklärung gab er ein Sperrkonto bei der Commerzbank Düsseldorf mit einem Guthaben von 60.240,47 RM an. Außerdem besaß er Wertpapiere der IG Farben, Mannesmann Aktien und Reichsschatzanweisungen in Höhe von insgesamt über 38.000 RM.

Moritz Springer wurde am 27. Oktober 1941 zusammen mit seiner Frau von Düsseldorf in das Ghetto von Litzmannstadt/ Łódź deportiert. Dort mussten sie in das Zimmer 1 der Kollektivunterkunft Fischstraße 15 einziehen. Am 5. Dezember 1941 schrieben sie eine Postkarte an Alma und Rudolf Kremser, Rolandstraße 12, in Düsseldorf. Darin baten sie um Nachrichten und insbesondere um regelmäßige Geldsendungen. Diese Postkarte wurde zugestellt. Als Absenderadresse war angegeben: „Wohnung 33, Mühlgasse 36 bei Werner.“

Am 27. Januar 1942 wurde derweil in Düsseldorf das gesamte Vermögen der Familie Springer eingezogen. Moritz Springer konnte während der Mai-Deportationen 1942 sich und seine Ehefrau vom II. Transport am 5. Mai 1942 aufgrund seiner Kriegsauszeichnungen aus dem Ersten Weltkrieg zurückstellen lassen. Er wurde im September 1942 zusammen mit seiner Ehefrau aus dem Ghetto von Litzmannstadt/ Łódź in das Vernichtungslager Chełmno gebracht und ermordet.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf