Gedenkbuch

Plotke, Elise

geb. Adler

Am 19. Juni 1868 kam Eugenie, genannt Elise, Adler in Mainz zur Welt. Ihre Eltern Anselm und Meda Marianne Adler, geborene Löwenthal, hatten noch zwei weitere Kinder: Edith Katharina (1871-1896) und Karl Joseph (1874). Ihr Vater Anselm Adler arbeitete in Mainz als Weinhändler. Ihre Mutter stammte aus Ladenburg. Elise Adler besuchte die Volksschule in Mainz. Als sie 18 Jahre alt war verstarb am 11. Oktober 1886 ihr Vater Anselm Adler in Mainz.

Am 3. August 1892 heiratete Elise Adler in Mainz den Gewerberat Emil Plotke. Ihr Ehemann stammte aus Borek in der Provinz Posen, wo er 1861 als Sohn von Isaak und Johanna Plotke, geborene Werner, zur Welt gekommen war. Das Paar zog nach der Hochzeit zunächst in eine gemeinsame Wohnung in Hanau in der Grimmstraße 16. Dort kam ihr Sohn Franz zur Welt. Das Baby verstarb im Alter von drei Monaten im Dezember 1893.

Kurze Zeit später zogen sie kurzfristig nach Lissa in der Provinz Posen und dann nach Berlin. Am 13. April 1895 wurde in Berlin die Tochter Lilli geboren. Zu diesem Zeitpunkt wohnten sie in Berlin in der Lessingstraße 44. Der Sohn Walter wurde am 6. Juni 1898 in Lissa geboren. Dort lebten sie nun einige Jahre. Hier lebten auch ihre Schwiegereltern Isaak und Johanna Plotke. Während dieser Zeit in Lissa verstarb am 7. April 1899 ihre Mutter in Mainz.

Im Jahr 1904 wurde ihr Ehemann, der als Gewerbe-Inspektor arbeitete, von Lissa nach Posen versetzt. Am 22. März 1904 zogen dann nach Posen. Im Jahr 1912 zog Elise Plotke mit ihrer Familie schließlich nach Berlin. Sie wohnte mit ihrer Familie in Berlin-Charlottenburg in der Uhlandstraße 32. In Berlin hatte ihr Ehemann viele Ämter in der jüdischen Gemeinde. So war er Vorsitzender des Vorstands der Synagoge Levetzowstraße. Ihr Mann war ebenfalls Mitglied des Vorstandes und zeitweilig Vorsitzender der Jüdischen Blindenanstalt für Deutschland. Auch amtierte ihr Mann als Vorsitzender des Rabbinerverbandes. In dieser Funktion lernte er den Rabbiner Dr. Siegfried Klein kennen.

Ihr Sohn Walter bestand 1916 das Abitur in Berlin. Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete später für die Firma Osram.

Am 11. April 1920 feierte Elise Plotke im Familienkreis die Verlobung ihrer Tochter Lilli mit dem Rabbiner Dr. Siegfried Klein. Am 8. August 1920 heirateten die beiden offiziell in Berlin. Nach der Hochzeit zog ihre Tochter zu ihrem Ehemann nach Düsseldorf, wo ihr Mann seit 1919 als zweiter Rabbiner arbeitete.

Im Jahr 1921 wurde ihr Ehemann pensioniert. Die beiden wohnten weiterhin in der Uhlandstraße 32 in Berlin. Am 12. Juni 1923 bekam ihre Tochter Lilli Klein ihr erstes Kind in Düsseldorf. Elise Plotke war nun Oma der kleinen Hanna. Am 4. April 1925 kam ihr Enkelsohn Julius Klein in Düsseldorf zur Welt.

Am 30. August 1925 verstarb Elise Plotkes Ehemann Emil in Berlin im Alter von 64 Jahren. Er wurde unter großer Anteilnahme auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weissensee begraben. Im folgenden Jahr heiratete ihr Sohn Walter in Budapest Nora Fuehrer. Die beiden lebten später in Köln. 1933 emigrierte ihr Sohn Walter mit seiner Familie nach Jugoslawien. Elises Plotkes Enkelin Hanna erinnerte sich später in einem Interview mit der Mahn- und Gedenkstätte daran, dass ihre Oma nach dem Tod ihres Mannes sich immer einsamer in Berlin fühlte und zu ihnen nach Düsseldorf zog. In Düsseldorf war Elise Plotke gemeldet unter der Adresse In der Lohe 7. Dort in der unmittelbaren Nähe wohnte Moritz Springer aus Borek. Möglicherweise war er ein Bekannter ihres verstorbenen Mannes, der ja auch von dort stammte.

Nach 1937 war sie in der Grafenberger Allee 30 registriert. Später zog sie in den Haushalt ihrer Tochter Lilli Klein in die Friedrichstraße 59. Im Zuge des Pogroms 1938 wurde die Wohnung von Nazis verwüstet und ihre Tochter, ihr Schwiegersohn und ihr Enkel Julius verhaftet und im Polizeigefängnis inhaftiert. Ihre Tochter Lilli und der erst 13-jährige Julius wurden am 11. November 1938 wieder freigelassen. Ihr Schwiegersohn Rabbiner Dr. Siegfried Klein blieb bis zum 22. November 1938 in Haft. Für die ganze Familie war das Geschehen sicherlich ein Schock.

Ihr Enkelsohn Julius Klein verließ Deutschland am 7. Februar 1939. Er erinnerte sich später in einem Interview mit der Mahn- und Gedenkstätte an das Abschiedsgeschenk seiner Oma Elise Plotke: „I was on very good terms with her. And I remember a gift that she gave me before I left, which was a little alarm clock about this size, and I had it for many years until it gave up the ghost. So she obviously had it herself for many years, it was a souvenir, a remembrance.“ In dem Interview kann er sich nicht erinnern, wo seine Großmutter während des Pogroms war. In den Haftbüchern des Düsseldorfer Polizeigefängnisses ist sie nicht verzeichnet.

Am 19. April 1939 emigrierte dann auch ihre Enkelin Hanna nach Großbritannien. Am 29. Mai 1939 schrieb ihr Schwiegersohn Siegfried Klein an seine Tochter Hanna: „Die beiden Pfingsttage haben wir still verlebt. Am ersten Tage war ich nachmittags mit Oma in Kaiserswerth, machte einen Besuch im Krankenhaus und ging dann mit Oma und Frau Justizrat Levison, die wir trafen, an den Rhein, der vom Sturm sehr erregt war.“

In den Folgejahren lebte Elise Plotke weiter im Haushalt ihrer Tochter. Am 17. Juni 1941 schrieb sie in einem Brief an ihre Enkelkinder in Großbritannien: „Dein Brief kam gerade 2 Tage vor meinem Geburtstag an, und ich betrachte ihn daher als Geburtstagsgeschenk; wie schön war es, als wir noch alle Geburtstage zusammen feierten; meiner guten Hoffnung kommt die schöne Zeit bald wieder. Wir denken unendlich viel an Euch; Denkt ihr noch daran, wie schön mein Geburtstag damals in A. gefeiert wurde? Es war eine fröhliche Zeit. (…) Seid innig geküßt von Elise.“ Am 20. August 1941 schrieb Siegfried Klein an seine Kinder in Großbritannien: „Die Oma wird wieder ihren vorjährigen Erholungsort aufsuchen.“ Im selben Brief ergänzte Lilli Klein: „Ich habe viel im Haushalt zu tun, und Oma hilft fleißig mit.“ Elise Plotke schrieb als P.S.: „Wie glücklich ich war, von Walter und Rosi zu erfahren, dass es ihnen verhältnismäßig gut geht, könnt ihr euch denken.“

Nach der Deportation ihrer Tochter und ihres Schwiegersohns am 27. Oktober 1941 ins Ghetto Litzmannstadt, zog Elise Plotke am 4. Dezember 1941 in das Haus Duisburger Straße 77. Am 20. Juli 1942 wurde Elise Plotke vom Düsseldorfer Güterbahnhof Derendorf in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Sie wurde im Ghetto im Gebäude L 415 untergebracht. Elise Plotke verstarb im Ghetto am 6. September 1942. Ihre Tochter Lilli Klein war knapp einen Monat zuvor am 3. August 1942 im Ghetto Litzmannstadt verstorben. Ihr Schwiegersohn Dr. Siegfried Klein wurde im August 1944 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet. Elises Sohn Walter Plotke starb am 7. Oktober 1982 in Sydney, Australien.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf