Gedenkbuch

Levison, Erna

geb. Kahn

Erna Kahn wurde am 1. Mai 1905 in Pirmasens geboren. Zusammen mit ihren Eltern Ferdinand und Celestine Kahn wohnte sie in den 1930er Jahren in Ratingen. Ihre Eltern führten ein Haushaltswarengeschäft am Markt 22 in Ratingen. Die Familie wohnte in der Bechemer Straße 2. Erna arbeitete im Geschäft ihrer Eltern mit.

Am 25. Mai 1934 heiratete sie in Ratingen den Kaufmann Norbert Levison. Ihr Mann war am 2. Januar 1905 in Mönchengladbach als drittes Kind von Sally (Salomon) und Melanie Levison, geborene Wolff, zur Welt gekommen. Nach der Hochzeit zog Norbert Levison zu ihr in die Bechemer Straße 2. Im gleichen Haus wohnten weiterhin auch ihre Eltern. Ihr Mann Norbert Levison unterhielt eine Papiergroßhandlung. Am 11. Juni 1936 kam ihre Tochter Ursel in Ratingen zur Welt.

Am 28. April 1938 zog Erna Levison mit ihrem Mann und der kleinen Tochter von Ratingen nach Düsseldorf. Sie zogen in das Elternhaus ihres Mannes in der Hüttenstraße 25. Sie hatten beschlossen, das nationalsozialistische Deutschland zu verlassen. Ihre Eltern meldeten sich am 19. März 1938 nach Leipzig ab.

Da ihr Mann die niederländische Staatsbürgerschaft besaß, war die Niederlande als Fluchtland eine naheliegende Option. Ihre Schwägerin Nelly Levison war bereits am 14. Juli 1937 nach Amsterdam emigriert. Am 3. August 1938 meldete ihr Mann die Familie nach Amsterdam ab. Seit dem 15. September 1938 wohnte sie mit ihrem Mann und der zweijährigen Tochter Ursel in Amsterdam in der Agamemnonstraat 10. Dort wohnte auch Martha Lode. Auch sie war aus Deutschland geflüchtet. Geboren worden war sie am 1. August 1910 in Duisburg. Sie sollte später den Bruder ihres Mannes heiraten…

Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht 1940 war auch in den Niederlanden die jüdische Bevölkerung nicht mehr sicher. Im Januar 1941 mussten sich alle jüdischen Einwohner registrieren lassen. Erna Levison versuchte sich zusammen mit ihrem Mann in Amsterdam mit der Reparatur von Oberhemden finanziell über Wasser zu halten. Sie inserierten zum Beispiel am 30. Januar 1942 diesbezüglich im „Het Joodsche Weekblad“.

Ab dem 3. Mai 1942 musste Erna Levison einen Judenstern an ihrer Kleidung tragen. Regelmäßig führten die nationalsozialistischen Besatzer Razzien gegen die jüdische Bevölkerung durch. Am 20. Juni 1943 wurde Erna Levison, zusammen mit ihrem Mann Norbert und der siebenjährigen Tochter Ursel, im Durchgangslager Westerbork interniert. Am 31. August 1943 wurden sie aus dem Lager mit Ziel Auschwitz deportiert. Der Zug traf am 2. September 1943 mit 1004 Menschen im Lager Auschwitz ein. Nach der „Selektion“ an der Rampe wurden 259 Männer und 247 Frauen als Häftlinge in das Lager aufgenommen. Die übrigen 498, darunter auch die 38-jährige Erna Levison und ihre Tochter Ursel, wurden ermordet.

Am 8. Oktober 1943 wurden aus dem KZ Auschwitz 1032 jüdische Häftlinge in das Konzentrationslager Warschau überstellt. Unter den Häftlingen befand sich vermutlich auch ihr Ehemann Norbert Levison. Das Konzentrationslager Warschau war im Sommer 1943 auf den Ruinen des Warschauer Ghettos errichtet worden. Die Häftlinge wurden dort zur Zwangsarbeit eingesetzt. Viele starben an Typhus. Ihr Mann Norbert Levison starb dort am 31. Januar 1944.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf