Gedenkbuch

Kann, Gretel Grete Gretchen

geb. Wagner

Am 27. November 1893 kam Gretchen (Grete) Wagner als Tochter von Adolph und Emma Wagner, geborene Philipson, in Hamburg zur Welt. Ihre Eltern hatten am 11. August 1892 in Altona geheiratet. Ihr Vater Adolph war 1867 als Sohn von Louis und Hannchen, geborene Meyer, in Hamburg zur Welt gekommen. Ihre Mutter war 1871 in Altona geboren worden.

Ein Jahr nach Gretchens Geburt wurde am 5. Dezember 1894 ihre Schwester Carry Caroline geboren. Die Familie Wagner wohnte später im eigenen Haus in der Rothenbaumchaussee 118. Ihr Vater arbeitete als Kaufmann.

Im August 1912 verlobte sich Grete Wagner mit dem Rechtsanwalt Dr. Siegfried Kann. Im Dezember 1912 heirateten sie dann in Hamburg.  Ihr Schwager Leopold Kann war der Trauzeuge ihres Mannes. Er heiratete ein Jahr später Gretes jüngere Schwester Carry Caroline Wagner.

Gretes Mann Siegfried Kann war am 10. Oktober 1882 in Mülheim an der Ruhr als Sohn von Hermann und Amalie Kann, geborene Heinemann, zur Welt gekommen. Er hatte vier Geschwister. Dr. Siegfried Kann unterhielt bereits 1912 seine Rechtsanwaltspraxis in Düsseldorf in der Graf-Adolf-Straße 45. Dort praktizierte er zusammen mit seinem Kollegen Dagobert Weyl.

Am 7. Juli 1916 verstarb ihr Schwiegervater Hermann Kann. Ihre Schwiegermutter Amalie Kann wohnte weiterhin in Mülheim an der Ruhr.

Am 31. Oktober 1927 kam in Hamburg ihre Tochter Helga Anita zur Welt. Zu diesem Zeitpunkt wohnte Grete Kann mit ihrem Mann in Düsseldorf in der Grunerstraße 21. Später zogen sie in die Niederrheinstraße 2 nach Düsseldorf-Lohausen.

Am 19. Juni 1929 verstarb ihre Mutter in Hamburg. Sie wurde auf dem jüdischen Friedhof in Ohlsdorf am 21. Juni begraben. Am 23. November 1929 heiratete ihr Vater in London Charlotte Clementine Heuschkel. Später lebten sie zusammen in Hamburg.

Ihr Mann Siegfried Kann war ein bekanntes Mitglied der Repräsentanten-Versammlung der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. In der Nacht vom 21. auf den 22. Mai 1936 starb ihr Mann infolge eines Herzinfarkts in Düsseldorf. Er wurde unter großer Anteilnahme der Gemeinde auf dem jüdischen Friedhof an der Ulmenstraße begraben.

Grete Kann zog mit ihrer Tochter am 9. November 1936 in die Kühlwetterstraße 9. Helga besuchte die jüdische Schule in der Kasernenstraße. Bilder, die sie im Kunstunterricht bei Julo Levin malte, sind erhalten geblieben.

Am 25. November 1938 zog Grete Kann mit ihrer Tochter nach Mülheim an der Ruhr. Dort wohnten noch Verwandte ihres Mannes. Gretel Kann zog am 1. April 1940 (von der Bahnstraße 44) in das Haus von Meyer Kann (1860-1943). Er war ein Onkel ihres Mannes und seit 1900 Vorsteher der Jüdischen Gemeinde in Mülheim. Er war ledig und wohnte im eigenen Haus mit der Adresse Delle 29. Dorthin zog auch Grete Kann mit ihrer Tochter. Zu dieser Zeit galt das Haus schon als sogenanntes Judenhaus.

Am 22. April 1942 wurde Grete Kann mit ihrer Tochter Helga über Düsseldorf in das Ghetto Izbica deportiert. Sie haben nicht überlebt.

Ihr Vater Adolph Wagner starb am 8. Mai 1943 zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Charlotte Heuschkel in der Hamburger Wohnung Grindelallee 23.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf