Gedenkbuch

Hornstein, Hulda

geb. Cohn

Hulda Hornstein, geborene Cohn, wurde am 7. April 1872 in Bromberg (Posen) geboren. Sie heiratete den Kaufmann Leo Hornstein (geboren 1860) und lebte mit ihm zunächst in Gent und dann in Berlin. Das erste Kind, dass am 30. Januar 1897 in Berlin zur Welt kam, verstarb wenige Wochen nach der Geburt. Am 15. September 1899 wurde in Gent ihre Tochter Lucie geboren. Am 8. Dezember 1900 kam ihr Sohn Georg in Berlin zur Welt. Zu diesem Zeitpunkt war ihr Mann Leo Hornstein in Paris gemeldet. Am 21. April 1902 zog die Familie nach Düsseldorf. Am 9. Februar 1903 wurde hier die Tochter Margarethe (Grete) geboren und am 19. Oktober 1905 der Sohn Hans Nathan Hornstein.

Ihr Mann Leo Hornstein eröffnete 1905 zunächst in der Schadowstraße 59 ein „Spezialhaus für Neuheiten“ und verkaufte feine Lederwaren, Geschenke und Ziergefässe. Ab dem 29. November 1913 führte ihr Mann dann im Haus Königsallee 86 zunächst als Filiale ein weiteres Geschäft für feine Lederwaren und modernen Schmuck.

Am 12. Februar 1923 verstarb ihr Ehemann Leo Hornstein. Er wurde auf dem neuen jüdischen Friedhof an der Ulmenstraßebegraben. Einer Annonce aus der Gemeindezeitung für den Synagogenbezirk Düsseldorf (Jg. 1932/33 Nr. 17) zufolge, führte Hulda Hornstein dann das Geschäft in der Königsallee unter dem neuen Namen „Tasche und Schmuck“ weiter. Ihr Sohn Hans Nathan Hornstein verstarb im Mai 1925. Er wurde nur 19 Jahre alt.

Der Sohn Georg Hornstein lebte bereits seit 1930 in Amsterdam. Die Tochter Lucie emigrierte 1937 mit ihrem Ehemann nach Amerika. Am 7. Juli 1938 ging die jüngere Tochter Grete mit ihrem Ehemann Dr. Otto Blüh in dessen Heimatstadt Prag.

Nach der Pogromnacht vom 10. November 1938 musste Hulda Hornstein das Geschäft aufgeben, das, ebenso wie ihre Wohnung im 3. Stock des Hauses Königsallee 86, völlig zerstört worden war. Am 21. Juli 1942 wurde Hulda Hornstein in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort war sie zuletzt unter der Adresse Seestraße 4 einquartiert. Am 10. Februar 1944 schrieb sie noch eine Postkarte an Alma Kremser in Düsseldorf, zwei Monate später – am 15. Mai 1944 – wurde sie nach Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet.

Georg Hornstein war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr am Leben: Von 1936 bis 1938 hatte er sich in Spanien aufgehalten, war nach der deutschen Besetzung der Niederlande im Oktober 1940 in Den Haag verhaftet und am 23. Januar 1942 nach Düsseldorf überführt worden. Aus dem Untersuchungsgefängnis an der Ulmenstraße, Ulmer Höh’ genannt, hatte er am 17. Februar 1942 einen Brief an seine Mutter geschrieben, in dem es heißt: „Überglücklich wäre ich, wenn Du mich besuchen könntest. Vielleicht besteht Aussicht, dass ein entsprechendes Gesuch Erfolg hat.“ Knapp einen Monat später wurde Georg Hornstein in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Von dort bat der „Schutzhäftling Georg Israel Hornstein, Nr. 454“ am 21. Juni 1942 seine Mutter: „Wie ist es mit den Arbeitsschuhen oder Schaftstiefeln No 43/43 ½? Es wird schwer sein, an so etwas zu kommen. Auch die Fußlappen oder 2 bis 3 paar dicke Socken sind ja heute schwer erhältlich.“ Über den Gruß: „Viele Grüsse & K.[üsse] Dein Georg“ prangt der Stempel: „Postzensur Block“. Georg Hornstein starb im KZ Buchenwald am 3. September 1942.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf