Gedenkbuch

Heipertz, Paula

geb. Levy

Paula Heipertz wurde am 26. September 1889 als Pauline Levy in Hamburg geboren. Ihr Rufname in der Familie und auch oftmals im Alltag war Paula. Sie war das jüngste Kind des Wagenfabrikanten Eduard Levy und seiner Frau Sara, geborene Bauer. Die Familie wohnte in Hamburg im eigenen Haus Große Drehbahn 6. Paula hatte sechs Geschwister: Minna (1871-1944), Henriette (1876-1935), Emilie (1878-deportiert 1941), James (1884-deportiert 1941) und Julie (1885-1915). Paula wuchs mit ihren Geschwistern in Hamburg auf.

Ihr Vater Eduard Levy war Mitinhaber der Firma „Gebrüder Levy“, einer „Luxus-Wagenfabrik“. Als Paula acht Jahre alt war, verstarb ihr Vater in Hamburg. In der Todesanzeige im Hamburger Fremdenblatt vom 4. September 1898 hieß es: „Statt besonderer Meldung. Heute Nacht starb plötzlich und unerwartet am Herzschlag Herr Eduard Levy im 59. Lebensjahre. Schmerzlich beweint von seiner tiefgebeugten Gattin, seinen Kindern, Geschwistern und Verwandten. Beerdigung: Sonntag 1 Uhr vom Sterbehause Gr. Drehbahn 6, nach Ohlsdorf.“ Das „Levys Wagen-Magazin“ wurde nun zunächst von ihrer Mutter weitergeführt. Prokura gab ihre Mutter im Oktober 1898 wieder an Jakob Levy zu Wandsbeck. Dieser war eigentlich 1895 aus dem Betrieb ausgeschieden und ihr verstorbener Mann und sein Bruder Lesser Levy hatten die Geschäftsführung inne.

Paula Levy heiratete 1926 den Kaufmann und Makler Hugo Heipert. Ihr Mann besaß die evangelische Religion. Er lebte und arbeitete in Duisburg. Paula zog zu ihrem Ehemann nach Duisburg. Sie wohnten in der Hohenstaufenstraße 15. Ihr Ehemann übernahm 1928 die Firma von Walter Heipertz in Duisburg. Doch die Ehe ging in die Brüche. Bereits am 10. November 1928 heiratete ihr Ehemann Liesel von Werne in Duisburg.

Am 5. Januar 1929 zog Paula Heipertz nach Düsseldorf. Dort wohnte ihre Schwester Mary mit ihrem Ehemann Felix Boas. Dieser war in der Lederbranche tätig und vermittelte Paula Heipertz vermutlich diesbezügliche Firmenkontakte. Im Düsseldorfer Adressbuch wir Paula Heipertz in den Folgejahren als Inhaberin einer Lederwarenhandlung am Wehrhahn 18 aufgeführt. Nachdem sie kurzzeitig im Haushalt ihrer Schwester Mary in der Roßstraße 20 gemeldet gewesen war, zog sie am 23. Mai 1929 um.

Am 8. Mai 1930 verstarb ihr Schwager Felix Boas im Alter von 63 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt wohnte ihre Schwester Mary Boas mit ihrer 18-jährigen Tochter immer noch in der Roßstraße 20. Nach dem Tod ihres Mannes zog ihre Schwester Mary Boas mit ihrer Tochter in die Stockkampstraße 34.
Paulas geschiedener Mann und seine zweite Frau Liesel gaben am 28. Juli 1930 die Geburt ihrer Tochter bekannt. Als Adresse wurde in der Anzeige immer noch die Hohenstaufenstraße 15 angegeben.

Am 9. Januar 1931 wurde das Konkursverfahren über ihr Geschäft am Wehrhahn 18 eröffnet. Vermutlich war dies eine schwere Zeit für sie und mit essentiellen finanziellen Problemen verbunden. Im gleichen Jahr zog Paula Heipertz dreimal innerhalb Düsseldorfs um. Sie war in dieser Zeit zunächst ab April gemeldet in der Adlerstraße 4, dann ab Mai in der Lindenstraße 246 und ab Juli in der Düsseltaler Straße 3. Am 22. August 1931 meldete sie sich wieder nach Duisburg ab. In der Ausgabe des Deutschen Reichsanzeiger und Preußischen Staatsanzeiger vom 18. November 1930 hieß es: „Beschluß in dem Vergleichsverfahren über das Vermögen der Kauffrau Paula Heipertz, Inhaberin einer Lederwarenhandlung in Düsseldorf, Wehrhahn 18: 1. Der in dem Vergleichstermin vom 11. November 1930 angenommene Vergleich wird hiermit bestätigt. 2. (…) das Verfahren wird aufgehoben.“

Am 7. Januar 1932 zog Paula Heipertz wieder nach Düsseldorf in die Adlerstraße 4. Am 15. Januar 1932 war sie dann wieder in der Düsseltaler Straße 3 gemeldet. Am 22. September 1932 erfolgte noch einmal eine Abmeldung nach Duisburg. Ab dem 13. April 1933 war Paula Heipertz dann wieder in Düsseldorf in der Lindenstraße 246 gemeldet. Im Folgejahr erfolgte noch einmal eine Abmeldung im April 1934 nach Duisburg.

Am 7. November 1935 zog Paula Heipertz dann wieder einige Monate zu ihrer Schwester Mary Boas. Am 29. August 1936 meldete sie sich in ihre Geburtsstadt Hamburg ab. Dort lebten noch ihr Bruder James Levy und ihre Schwester Emilie, verheiratete Block. Paula Heipertz wohnte zunächst zur Untermiete in Hamburg in der Hartungstraße 7a. Im Jahr 1937 zog sie in den Grindelhof 40 e in den Haushalt ihres verwitweten Schwagers Friedrich Karl Meyer. Ihre Schwester Henriette Meyer war am 25. Mai 1935 in Königsberg verstorben. In den Akten der Jüdischen Gemeinde Hamburg findet sich ein Hinweis darauf, dass Paula Heipertz „völlig mittelos“ bei ihrem Schwager leben würde.

Am 17. April 1939 zog auch ihre Schwester Mary Boas mit Tochter und Schwiegersohn nach Hamburg. Ihre letzte Adresse in Hamburg war Frickestraße 24. Als deren Tochter Ruth mit ihrem Ehemann Georg Goldstein zur Deportation ins Ghetto Minsk aufgerufen worden, meldete sich Mary Marianne Boas „freiwillig“ zu diesem Transport. Nach der Deportation am 8. November 1941 verliert sich die Spur aller drei. Paula Schwester Emilie Block wurde am 6. Dezember 1941 von Hamburg nach Riga deportiert. Auch sie hat nicht überlebt.

Paula Heipertz war von dieser ersten Deportationswelle verschont geblieben. Ob dies Zufall war, oder mit dem Fakt zusammenhing, dass sie mit einem Arier verheiratet gewesen war und immer noch den nichtjüdischen Nachnamen Heipertz trug, lässt sich nicht klären. Am 11. Juli 1942 wurde auch sie deportiert. Der Transport führte von Hamburg direkt in das Vernichtungslager Auschwitz. Vermutlich wurde Paula Heipertz sofort nach der Ankunft ermordet.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf